Streitschrift des Instituts für Denkmalpflege der DDR für die Erhaltung des im Krieg beschädigten Potsdamer Stadtschlosses

Argumentation des Instituts für Denkmalpflege der DDR zur Wiederherstellung des Stadtschlosses in Potsdam

Anlässlich des Neubaus des Brandenburgischen Landtags am Alten Markt in Potsdam möchte das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum noch einmal die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Vorgeschichte dieses Ortes richten. Wir stellen hier die 1957/58 angefertigte „Argumentation des Instituts für Denkmalpflege zur Wiederherstellung des Stadtschlosses in Potsdam“ der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Ziel ist es, vor Augen zu führen, welch großartiger Bau aufgrund einer politischen Entscheidung verloren ging und mit wie vergleichsweise wenigen Mitteln zum damaligen Zeitpunkt das Hohenzollernschloss hätte gerettet werden können. Die Argumentation wurde vom Institut für Denkmalpflege der DDR den damals vorgesetzten Dienstbehörden zur Kenntnisnahme zugeleitet.

Die Argumentation stützt sich auf acht bebilderte und erläuterte Thesen und wird mit sieben Anlagen untermauert. Die Thesen behandeln die architektonische Wirkung des Schlosses, ordnen es in die „stadtbaukünstlerische Situation“ ein und betrachten es als eine Hauptkomponente des Potsdamer „Barockensembles“. Weiterhin werden Art und Kosten der Wiederherstellung des zentralen Bauwerks, Aspekte der Sicherung und der notwendigen Ausbaustufen, weitere Erfordernisse des Städtebaus und der Verkehrsplanung erörtert. Beschlossen werden die Thesen mit einer „kulturpolitischen Begründung“. Die sieben Anlagen – alle von ausgewiesenen Fachleuten und Büros – bieten sodann einen Überblick über die Baugeschichte, ein Baugrundgutachten, Detailbeschreibungen von Schloss und Umfeld einschließlich der Bauschäden sowie eine Aufstellung der zu erwartenden Kosten. Die Zusammenfassung lautet: „Die Untersuchungen der Ruine des Potsdamer Stadtschlosses haben ergeben, daß über 80% der Außenwände des Hauptgebäudes und der beiden Seitenflügel zum Ausbau verwendet werden können. Die Gründungsverhältnisse sind gut, sodaß Zwischenwände und Decken entsprechend der künftigen Nutzung eingezogen werden können.“

Aus heutiger Sicht bleibt anzumerken, dass die Forschung zur Vorgeschichte des Schlosses mittlerweile die baugeschichtliche Darstellung in dieser Dokumentation überholt hat. Der Schlossbau, den Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff im Auftrag Friedrichs II. ab 1743 ausbauen und überformen sollte – das Vorbild für die heutige vorgesetzte Fassade – folgte nicht einem Entwurf von Philipp de Chieze, sondern stammt von dem in den Niederlanden ausgebildeten Festungsbaumeister Johann Gregor Memhardt. Er hatte die an Zeichnungen des niederländischen „Stararchitekten“ Jacob van Campen orientierten Vorstellungen des Großen Kurfürsten 1663-68 ins Werk zu setzen. Diese neueren Erkenntnisse verdanken wir Friedrich Mielke, der auch als langjähriger Potsdamer Stadtdenkmalpfleger, Bauforscher und nicht zuletzt stellvertretender Landeskonservator der DDR die hier vorgestellten Thesen im Wesentlichen erarbeitet hat (vgl.: Friedrich Mielke, Johann Gregor Memhardts Darstellungen des Potsdamer Schlosses, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Bd. 25, 1983, S. 161-69).

Die folgende Dokumentation befindet sich unter der Inventar-Nr. I 833 im Bestand des Instituts für Denkmalpflege in der Registratur des BLDAM. Die digitale Kopie fertigte das Digitalisierungslabor der Fachhochschule Potsdam an
( http://informationswissenschaften.fh-potsdam.de/digi_labor.html ).

Wir danken allen Beteiligten dafür, dass diese Dokumentation nun der interessierten Öffentlichkeit auf bequeme Weise zugänglich gemacht werden kann.

Ralph Paschke

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