Rad-Recycling

Zweitverwendete Unterlage für Kastenbrunnen in Karstädt, Lkr. Prignitz

Karstädt. Zerbrochenes Scheibenrad in Zweitverwendung als Unterbau eines Brunnens Foto: A. Moser

Einen Kastenbrunnen mit ganz besonderer Zutat errichteten die Bewohner der eisenzeitlichen Siedlung am Ort des heutigen Karstädt (Lkr. Prignitz). Auf ein Fundament aus großen Findlingen setzten sie als ein unterstes Bauelement die Hälfte eines schon benutzten Scheibenrades. Darauf bauten sie den ca. 1 x 0,8 m großen Holzkasten auf. Die oberste Lage des Brunnens bildete ein Kranz aus vierzehn im Durchmesser bis zu 0,8 m großen, teilweise bearbeiteten Findlingen. Der Steinkreis maß außen etwa 2,3 m, innen einen Meter weniger.

Das Scheibenrad ist der bislang erste Beleg für diese Fundgattung in Brandenburg. Es besteht wahrscheinlich aus Eiche – die Bestimmung liegt noch nicht vor - und ist maximal 0,8 m breit und 0,33 m hoch erhalten. Seine Stärke von 6 cm verjüngt sich zur Lauffläche hin auf 2-3 cm. Es gibt keinen Hinweis auf eine feste Nabenbuchse. Solche Räder verwendete man seit dem

2. Jt. v. Chr.

Der Holzkasten setzte sich aus je drei Lagen Spaltbohlen und Brettern zusammen und war 0,54 m hoch. Um ihn herum fand sich ein verstürztes Geflecht aus Birken-, Espen- oder Pappelhölzern, das ursprünglich in etwa rechteckiger Form auf drei Seiten unmittelbar am Rand der Brunnengrube stand. Mindestens 23 Staken sind nachgewiesen, wobei sich das Geflecht etwa 0,34 m oberhalb der Stakenspitzen befand - es wurden maximal sieben Lagen gezählt. Von außen hielten mehrere Holzstützen den Kasten, an den vier inneren Ecken stabilisierten angespitzte Holzpfähle, die bis zu 1,10 m lang waren.

In der Verfüllung des Brunnens fanden sich außer Keramikscherben die für die Karstädter Siedlung schon bekannten Bruchstücke von Feuerböcken und Reibekugeln. Eine verzierte Tasse weist den Brunnen eindeutig in die Jastorfkultur der vorrömischen Eisenzeit.

A. Moser