Immer wieder gern besiedelt

Die Gegend um die heutige Rückertstraße in Potsdam

Potsdam. Kaiserzeitliche Pfostengruben in Reihe, womöglich Überreste eines oder mehrerer Langhäuser Foto: D. Megel, ABD Dressler

Fast 900 Befunde auf etwa 300 Quadratmetern bezeugen für die heutige Rückertstraße in Potsdam eine rege Siedlungstätigkeit von der römischen Kaiserzeit bis in die Neuzeit. Die zuerst freigelegten Fundamente gehörten zu Wirtschaftsbauten und zwei Kellergewölben mit jeweils erhaltenem Treppenzugang eines an dieser Stelle befindlichen Gutes aus dem 17. und 18. Jh. sowie zu einem mittelalterlichen Gebäude. Bemerkenswert ist der Verbau von Spolien, die vermutlich vom Lustschloss des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg stammen.

Die Baubefunde überlagerten eine sehr gut erhaltene slawische Siedlung mit Gruben unterschiedlicher Form und Größe des 10. möglicherweise auch des frühen 11. Jh. n. Chr. Diese überschneiden sich auffallend häufig, was für eine intensive Nutzung des Geländes während des recht kurzen Zeitabschnittes spricht. Zum Fundmaterial gehören neben Keramikscherben, Tierknochen und Fischschuppen zahlreiche Eisenobjekte, eine Pfeilspitze, ein Ring sowie eine Schnalle. Außerdem wurde eine blaue Glasperle geborgen.

Unterhalb der slawischen lagen - datiert anhand von Rollrädchen-verzierter Keramik - Befunde der frühen römischen Kaiserzeit (1. und 2. Jh. n. Chr.): annähernd ungestörte Pfostengruben, teilweise in Reihe. Möglicherweise erlauben sie eine Rekonstruktion eines oder mehrerer in Pfostenbautechnik errichteter Langhäuser. Zu weiteren typischen Befunden der Kaiserzeit zählen Feuerstellen, Abfall- und Versorgungsgruben sowie Eisenschmelzöfen. Als Sonderfund ist eine Rollenkappenfibel hervorzuheben.

D. Megel