Faszinierendes Freyenstein

Neues Schauobjekt für den Archäologischen Park
im Lkr. Prignitz

Freyenstein. Steinkeller des 13. Jhs. Foto F. Biermann

Mit seinen bestens erhaltenen Feldsteinkellern, die sich - geomagnetisch nachgewiesen - an der einstigen Hauptstraße der Stadt entlang reihen, vermag die mittelalterliche Wüstung Freyenstein (Prignitz) immer wieder zu faszinieren. Das jüngst ausgegrabene Exemplar gehörte dem Brandschutt in der Verfüllung zufolge zu einem Fachwerkhaus. Den mit 4,5 x 5 m Seitenlänge fast quadratischen Keller betrat man über eine Treppe, die 1,4 m tief hinab führte, wo zwei Lichtnischen für Beleuchtung sorgten. Den Boden bildete ein mehrfach erneuerter Lehmestrich. Als Unterleger für Schwellbalken lagen neben dem Keller straßenseitig in der Bauflucht Feldsteine – ein weiterer Hinweis auf die obertägige Bebauung. Im Hinterhof gab es Erdkeller, Gruben und Feuerstellen, teils mit viel Eisenschlacke, die die wirtschaftliche Nutzung des Anwesens u. a. mit Schmiedetätigkeit belegen. Unter den Funden sind neben Keramik und Arbeitsgeräten recht viele Silbermünzen des 13. Jh. Faszinierend ist auch die Planmäßigkeit, mit der Stadtgründer „auf der grünen Wiese" zu Werke gingen: ein ovales, durch Wall und Graben befestigtes Areal mit großem Marktplatz als Zentrum des regelmäßigen Straßenrasters. Davon gingen die abgemessenen Parzellen mit unterkellerten Vorderhäusern und Hofarealen ab. Die Stadt wurde 1220/30 während des ostsiedlungszeitlichen Landesausbaus im umkämpften Grenzgebiet zwischen Mecklenburg, Brandenburg und den Besitzungen des Bistums Havelberg gegründet. Sie geriet jedoch bald in die Krise, so dass man sie noch vor 1300 aufgab bzw. verkleinerte und an eine andere Stelle verlegte. Somit ist das ursprüngliche Freyenstein eine der wenigen mittelalterlichen Stadtwüstungen Brandenburgs.

Der zuletzt aufgedeckte Keller soll als Schauobjekt in den archäologischen Park Freyenstein integriert werden.

F. Biermann, Th. Schenk