Aus Sachsen herbeigetragen

Münzen vom Nicolaiplatz in Brandenburg an der Havel

Brandenburg an der Havel. Der im Durchmesser knapp 1,3 cm große Heller (Rückseite) gelangte im 15. Jh. aus Altenburg rund 200 km nach Norden. Zeichnung: Th. Bartel
Brandenburg an der Havel. Der im Durchmesser knapp 1,3 cm große Heller (Vorderseite) gelangte im 15. Jh. aus Altenburg rund 200 km nach Norden. Zeichnung: Th. Bartel

Fünf Silbermünzen, eine größere spätmittelalterlich/frühneuzeitliche Keramik-Kollektion, unzählige Eisenobjekte und einige reich verzierte Buntmetallfragmente legten Archäologen am Nicolaiplatz in Brandenburg a. d. Havel frei. Insgesamt sicherten sie etwa 1500 Einzelfunde. Die Münzen erwiesen sich als drei Brandenburger Adlerhohlpfennige, ein Brandenburger Helmhohlpfennig und ein Heller fränkischen Typs aus dem seinerzeit sächsischen Altenburg. Alle fünf waren wohl gemeinsam in den Boden gelangt. Die Prägeorte sind für den Helmhohlpfennig Frankfurt/Oder, für zwei der Adlerhohlpfennige Brandenburg/Havel und für den dritten die Stadt Stendal, die damals noch zum Kurfürstentum Brandenburg gehörte. Alle Hohlpfennige datieren um das Jahr 1465.

Der Heller fränkischen Typs wurde um 1450 in Altenburg geprägt. Seine Vorderseite zeigt ein Gabelkreuz mit aufgelegtem Schild, in dem ein stehender Löwe mit großen Klauen und buschigem Schweif zu sehen ist. Den Rücken füllt eine Handinnenseite mit aufgelegter pleißenländischer Rose. Sowohl Löwenschild als auch Hand und Rose zieren noch heute das Stadtwappen von Altenburg, der damaligen Hauptstadt des Pleißenlandes (terra plisnensis).

Die Keramik besteht zu zwei Dritteln aus harter grauer Irdenware, außerdem einer recht großen Menge an bleiglasierter Irdenware und aus Steinzeug Siegburger Art. Vergleichbare Fundkomplexe datieren ins ausgehende 15. Jh. Der Anteil der orangerot glasierten Keramik weist jedoch eher in das erste Viertel des 16. Jh. Wie sich der zeitliche Abstand von etwa 50-60 Jahren zwischen Münzen und Keramik erklären lässt, bleibt vorerst offen.

T. Trebeß