Hinrichtung im Burgwall

Menschenknochenfunde bei Potzlow in der Uckermark

Potzlow. Schädel eines Enthaupteten Foto: J. Henning, F. Biermann

Enthauptet

Die anthropologische Analyse eines Schädelfundes vom Gelände eines frühmittelalterlichen Burgwalls bei Potzlow (Uckermark) hat den Nachweis einer Enthauptung geliefert. Das Gutachten der Universität Frankfurt am Main verweist auf eine „glatte und saubere“ Hiebspur, die von einem scharfen Gegenstand und einem einzigen Streich herrührt. Dieser hat den vierten Halswirbel des 20 bis 25 Jahre alten Mannes nicht ganz rechtwinklig, aber völlig glatt durchtrennt. Nach Schnittwinkel und -form erfolgte der Hieb von einer stehenden Person von oben herab auf das entweder liegende oder seinen Kopf etwa in Bauchhöhe gesenkt haltende Opfer. Warum der Mann eine dieser Körperhaltungen einnahm, ob infolge einer anderen, möglicherweise bereits tödlichen Verletzung oder weil er noch lebend dazu gezwungen war, lässt sich nicht sagen. Sicher ist aber, dass sich der Vorgang im Frühmittelalter und zwar etwa in der ersten Hälfte des 10. Jh. abgespielt hat. Dies ergab eine 14C-Analyse des sorgfältig und aufrecht in eine kleine, ansonsten beigabenlose Grube gesetzten Schädels im AMS-Labor Florida.

Der Befund wurde bei einer Forschungsgrabung der Universitäten Greifswald und Frankfurt am Main im Sommer 2011 im Innenbereich des durch Keramik der Feldberger Gruppe geprägten Burgwalls auf dem „Werderberg“, einer Anhöhe über dem Potzlow-See, freigelegt. Weitere Menschenknochen- vorwiegend Schädelfragmente -, die dabei ans Tageslicht kamen, stammen, anders als der „Kopf“, direkt aus Baustrukturen des Burgwalls. Dieser dürfte im Wesentlichen im 9. Jh. existiert haben; er ging bei einer Feuerkatastrophe unter. Die Knochen stammen von mindestens fünf Individuen, darunter ein Kleinkind oder Baby sowie männliche und weibliche Personen verschiedenen Alters zwischen jugendlich und erwachsen. Man denkt natürlich an Ortsansässige, die in der Burg Schutz gesucht haben könnten. Weitere Feldforschungen sollen klären, was zum Bau und zur Zerstörung des Burgwalles geführt hat, und ob die etwas spätere Enthauptungsszene mit einer Weiternutzung bzw. Reaktivierung der alten Anlage oder mit Ereignissen im Vorfeld eines in unmittelbarer Nähe neu erbauten, zeitlich nachfolgenden Burgwalls im feuchten Uferbereich des Sees zusammenhängt.

J. Morgan, F. Biermann, J. Henning