Abgeschlagene Urnen und mehr

Auf dem Gräberfeld in Lossow bei Frankfurt (Oder)

Lossow. Keramikrassel mit Griff und sternförmiger Verzierung, 8,5 cm lang Zeichnung: T. Stupp
Lossow. Verzierte, intentionell gebogene Bronzenadel Zeichnung: T. Stupp Foto vorherige Seite: D. Sommer, BLDAM

Bestattet nach eigenem Ritus

Erst jüngst gelang es nach intensiver Recherche vor Ort, in Akten und Literatur, ein Gräberfeld zur Vorburgsiedlung der spätbronze-/früheisenzeitlichen Burgwallanlage Lossow sicher zu lokalisieren. Ein Suchschnitt von 20 x 2 m erbrachte 34 gut erhaltene Befunde: Urnengräber, Leichenbrandnester von 20-25 cm Durchmesser, Leichenbrandschüttungen mit und ohne Steinsetzungen, kleine mit Holzkohle oder Branderde gefüllte Gruben sowie relativ homogene, bis ca. 50 cm große Verfärbungen ohne Leichenbrand. Auffälligerweise fehlten die klassischen Urnengräber mit großen, vollständigen Grabgefäßen. Stattdessen kristallisierte sich für den dokumentierten Ausschnitt ein spezieller Bestattungsritus heraus: alle als Urnen genutzten Gefäße waren am Schulterumbruch abgeschlagen, der Leichenbrand lag im Unterteil, obenauf eine Deckschale.

An Metallbeigaben traten zwei Bronzenadeln, die größere 11 cm lang, ein bronzener bandförmiger Fingerring, ein Klingenfragment und ein Stück Bronzeschmelz auf, Letzteres womöglich der Rest eines kegelförmigen Nadelkopfes. Die große Bronzenadel ist im oberen Drittel intentionell gebogen und trägt an der Kopfoberseite eine von drei umlaufenden Rillen gebildete Verzierung. Erwähnt sei schließlich eine verzierte keramische Rassel mit Griff.

Keramik und Metallbeigaben datieren von der Mittel- bis in die Spätbronzezeit und damit in den gleichen Zeitraum wie die Vorburgsiedlung.

Die Burgwallanlage von Lossow steht seit 2007 im Fokus archäologischer Forschungen, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Exzellenzcluster Topoi finanziert werden.

I. Beilke-Voigt