Urnen, Nägel, Schmuckbeschläge

Von den Anfängen der Neustadt in Brandenburg an der Havel

Brandenburg an der Havel. Knöcherner Spielstein, der vor rund 800 Jahren auf einem Schachbrett stand. Foto: R. Bräunig

Spielten flämische Neusiedler Schach?

Zurück zu den Anfängen der 1196 erstmals erwähnten Neustadt von Brandenburg an der Havel führen dendrodatierte Hölzer, die einst für die Wandverstärkung eines Kellers sorgten. 1181–1194 lauten die Fälldaten. Der mehr als 18 m2 große Keller reichte 1,60 m tief hinab und war seinerzeit über eine Rampe und eine Treppe zugänglich. Das dazugehörige Haus stand ursprünglich am nördlichen Ende des großflächig angelegten Marktes, am Übergang zum Mühlendamm und damit zur Dominsel. Damit lag es an der Nord-Süd-Achse, über die man wesentliche Teile des Warenverkehrs abwickelte - die marktnahen Parzellen bildeten den Kern der frühstädtischen Besiedlung. Aus der Kellergrube wurde eine umfangreiche Kollektion keramischen Materials des 12. Jahrhunderts geborgen, darunter weiche Grauware und auch Brombeernoppenkannen. Eine Seltenheit im Brandenburger Raum stellen Fragmente einer sehr hart gebrannten hellen Irdenware mit Rollstempelverzierung und punktuell aufgebrachter grüner Glasur dar. Diese so genannte Andenneware stammt aus Flandern und gelangte entweder über Handelskontakte nach Brandenburg, oder sie stellt einen Hinweis auf die Herkunft der neuen Siedler dar. Man fertigte sie zwischen 1050 und 1200, ihre Verbreitung reichte nachweislich vom Süden Englands bis nach Brandenburg.

Unter den verschiedenen weiteren Funden aus der Kellerverfüllung, Messer, Nägel, Angelhaken, Anhänger, Schmuckbeschläge usw. ragen eine knöcherne Schachfigur arabischen Typs und eine sehr gut erhaltene bronzene Ringfibel hervor.

Als im 15. Jahrhundert der nördliche Marktteil überbaut wurde, verlor die Parzelle an Bedeutung - die offenkundige Verkleinerung eines dendrodatierten Keller von 1436 spricht hier eine eindeutige Sprache.

René Bräunig, Michael Specht