Spreeperlen

Aus der Aue nördlich von Cottbus

Spreeaue. Zu allen Zeiten ein Hingucker - diese verschieden zu datierenden Perlen wurden in der Slawenzeit aufbewahrt oder nachgeahmt Foto: K. Winkler

Perlen in der Aue

Die Spreeaue nördlich von Cottbus, vor Zeiten ein eher unzugängliches, jährlich überschwemmtes Gebiet, bot mit sandigen und relativ trockenen Kuppen direkt am Fluss durchaus Anreize zum Siedeln. Dies bestätigten Grabungen bei Renaturierungsarbeiten - bis 2012 wird die Aue in einen ähnlichen Zustand wie vor 150 Jahren versetzt. Zwischen Striesow und Fehrow waren mehrere Lagerplätze des jüngeren Mesolithikums sowie eine slawische Siedlung nachweisbar. Von den Lagerplätzen zeugen zehntausend Silexartefakte: Mikrolithen, Kerbreste, Endretuschen sowie Kratzer, Bohrer, Stichel, Klingen, Abschläge, Absplisse, Kerne, zwei Kernbeile sowie ein Walzenbeil. Unter den Geräten befinden sich zahlreiche mikrolithische Spitzen und die für das jüngere Mesolithikum typischen Pfeilbewehrungen in Form von Trapezen und langschmalen Dreiecken. Kerbreste, Absplisse und Kerne sprechen für eine Herstellung vor Ort, Kratzer und Bohrer für häusliche Tätigkeiten.

Zwischen den mesolithischen Lagerplätzen zeigte mittel- und spätslawenzeitliche Keramik eine entsprechende Siedlung an. Der Großteil der Scherben ist mit Gurtfurchen verziert und weist teilweise die typisch spätslawischen stark profilierten Randformen auf. Zu den Befunden gehören ein Grubenhaus mit Herdstelle und ein Rennofen mit Schlackeresten. Mehrere Spinnwirtel, eine Messerklinge, Geweih- und Knochenreste, Schleifsteine sowie reichlich Hüttenlehm zeichnen ein Bild des Alltagslebens in der Siedlung. Auch an schönen Dingen fand man Gefallen: gemeinsam mit slawischer Keramik kamen vier Perlen zum Vorschein, darunter eine foliierte gläserne Segment-, eine durchsichtige Melonen-, und das Bruchstück einer bunten Schichtaugenperle. Letztere treten gehäuft in der Eisen-, Melonenperlen in der Kaiser- und Segmentperlen in der Slawenzeit auf. Hier hat jemand in slawischer Zeit gezielt nachgeahmt - oder einfach nur aufbewahrt.

Katja Winkler