In die Grube gezwängt

Skelett aus Blindow, Lkr. Uckermark

Blindow. Orangebraun verziegelter Lehm als Begrenzung einer Grube, die eine ungewöhnliche eisenzeitliche Körperbestattung enthielt

In die Grube gezwängt

Ein graziler, knapp 1,60 m großer Mann kam während der vorrömischen Eisenzeit beim heutigen Blindow, Uckermark, auf höchst ungewöhnliche Art zur letzten Ruhe. Üblicherweise wurden die Toten jener Zeit auf großen Urnenfelderfriedhöfen bestattet. Den 20-22-Jährigen hingegen deponierte man in einer zu kleinen, nur ca. 1,20 x 0,80 m großen Grube, noch dazu im bereits verwesten Zustand. Darauf verweisen die zum Becken abgewinkelte Lendenwirbelsäule, ein starker un¬natürlicher Knick im 12. Brustwirbelbereich und ein ange¬winkelter Unterschenkel. Solche Positionen sind unverwest bzw. in Leichenstarre nicht möglich. Der Mann lag auf dem Rücken, im korrekten anatomischen Verband - bis auf den rechten Wadenbeinknochen und den Schädel. Dieser befand sich unter der linken Schulter, das Gesicht hatte nach unten gezeigt. Eine weitere Besonderheit der Bestattung sind punktuelle Brandspuren nur auf einigen Knochen der Vorderseite des Körpers. Sie deuten auf eine Verbrennungstemperatur von 300° bis 400° Celsius in diesen Bereichen sowie auf eine sehr kurze Feuereinwirkung hin. Der starke Fragmentierungsgrad des Schädels geht aber nicht auf das Feuer zurück. Hier war Gewalt am Werk, sehr wahrscheinlich wurden die Zahnkronen ausgeschlagen. Wodurch lässt sich nicht beurteilen, denkbar wären sowohl einstürzende Balken als auch ein Kampfgeschehen.

Zu Lebzeiten hatte sich der Mann eines relativ guten Gesundheitszustandes erfreut. Er zeigte keine Merkmale von Mangelerkrankungen oder Verschleißerscheinungen. Nur die Zähne und der Zahnhalteapparat ließen zu wünschen übrig. Sie wiesen beginnende Karies und eine recht stark ausgebildete Parodontose auf.

R. Bräunig, B. Skor, S. Storch