Einmal Aachen und zurück

Ein Pilgerzeichen aus Freienwalde

Bad Freienwalde. Ein mittelalterlicher Pilger brachte dies Zeichen seiner Frömmigkeit aus rund 800 km entfernten Aachen an die Oder Foto: Autor

Pilgerzeichen aus Freienwalde

Nahe des Kirchhofs der Nikolaikirche von Bad Freienwalde (Lkr. Märkisch-Oderland) kam bei Bauarbeiten ein mittelalterliches Pilgerzeichen ans Tageslicht. Das 3,5 x 2,2 cm große Blei- oder Blei-Zinn-Objekt wiegt ca. 7 g und stellt eine für Aachener Stücke aus dem 13. Jh. charakteristische Szene dar. In einem hoch rechteckigen, von einer einfachen Linie umrandeten Feld sitzt unter dem Dreiecksgiebel die mit einer Lilienkrone bekrönte Maria im langen Gewand auf einem lehnenlosen Bankthron mit romanischer Rundbogenzier. Zwischen ihren Beinen schlägt der Mantel sechs Muldenfalten. An der heraldisch gesehen linken Seite ist vermutlich ein Stück vom Thronkissen sichtbar. Zur Linken Mariens steht der ebenfalls in ein langes Gewand gehüllte Jesusknabe. Er hält in der linken Hand einen Reichsapfel/Globus. Maria trägt ein kurzes Lilienzepter in der Rechten.

Aus dem ostdeutschen Raum kennt man mehrere Parallelen zu diesem Fund, so aus Frankfurt(Oder), Greifswald, Stralsund, Lübeck und Oberschmon bei Merseburg. Ein abbildungsgleiches Gegenstück stammt aus Namur in der Region Wallonien (Belgien) und datiert an das Ende des 13. Jh.

Die Aachener Heiligtumsfahrt, auch „Aachenfahrt“ genannt, bezeichnet die alle sieben Jahre stattfindende Pilgerreise zu den vier Aachener Heiligtümern, die zu diesem Ereignis im Aachener Dom gezeigt werden. Die ersten Pilger kamen schon zur Zeit Karls des Großen dorthin. Im Mittelalter entwickelte sich die Wallfahrt nach Aachen zur bedeutendsten im deutschsprachigen Raum. Offensichtlich zog es auch Pilger von der Oder dorthin, die sich von der Wundertätigkeit der Aachener Reliquien, darunter Marias Kleid, Heilung oder Vergebung für Verbrechen erhofften.

R. Bräunig