Bauern und Schmiede

Rennfeueröfen bei Glienick auf dem Teltow

Lossow. Bronzenes Rasiermesser eines Bewohners der Vorburgsiedlung Foto: A. Mehner

Eisen aus Eigenproduktion

Woher kam das Eisen der Jastorfkultur? Als Import aus fernen Regionen oder aus eigener Produktion? Diesen Fragen geht derzeit ein DFG-Projekt des Instituts für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin nach. Untersuchungsgebiet ist die Hochfläche des Teltow, da es hier zahlreiche Fundplätze mit Schlacken der vorrömischen Eisenzeit gibt. Neben systematischen Feldbegehungen und geomagnetischen Prospektionen sollen Ausgrabungen auf ausgewählten Fundplätzen Informationen zu Umfang, Organisation und Technologie der Eisenproduktion liefern. Begleitend nimmt die Technische Universität Bergakademie Freiberg archäometallurgische Analysen vor.

Tonnenweise Verhüttungsschlacken in sekundärer Lage, die von reger Eisenproduktion zeugen, fanden bei ersten Grabungen auf einer Siedlung bei Glienick. Zumeist sind es zerschlagene Klötze aus Schachtöfen mit eingetiefter Schlackengrube. Auch zwei Rennfeueröfen wurden untersucht. Die hufeisenförmigen Schlackengruben waren mit großen Steinen stabil eingefasst und mit Lehm ausgekleidet. Die Luftzufuhr erfolgte über mehrere Düsenöffnungen in der Schachtwand. Noch in situ lag in einer der Gruben ein rund 150 kg schwerer Schlackenklotz. Arbeitsgruben an den Rennfeueröfen ermöglichten das Öffnen der Schlackengruben und deren Ausräumen für eine erneute Nutzung. Diese Verfahrensweise erklärt die vielen zerstörten und verlagerten Schlackenklötze und die trotz großflächiger Ausgrabungen bisher nur geringe Zahl aufgefundener Öfen. Unmittelbar neben einem der Rennfeueröfen kamen eine Schmiedeesse für die Weiterverarbeitung der Eisenluppe und eine Grube zutage, die komplett mit den zugehörigen Schmiedeschlacken und Essesteinen verfüllt war.

Nach bisherigem Kenntnisstand ist von einer kleinen Siedlung des 4.-1. Jhs. v. Chr. auszugehen, die sich nicht nur über die bäuerliche Wirtschaft selbst versorgte, sondern hoch spezialisiert auch Eisen für den eigenen Bedarf produzierte.

M. Brumlich