Sagenumwobene Ruine

Was stand einst auf dem "Kapellenland" bei Götschendorf, Lkr. Uckermark?

Ruine eines Feldsteinturmes, heute pittoresker Bestandteil der uckermärkischen Landschaft Foto: F. Biermann

Kirche, Burg oder Klosterhof?

Am Ufer des Kölpinsees liegt bei Götschendorf in der Uckermark eine sagenumwobene Feldsteinruine. Unterschiedliche Deutungen sahen in ihr einen niederadeligen Turmhügel, den Teil eines 1236 am See gegründeten Klosterhofs der Walkenrieder Zisterzienser, einen 1270 beurkundeten markgräflich brandenburgischen Hof. Auch eine Kirche wurde vermutet, denn das Gelände trägt den Namen „Kapellenland", die Ruine selbst die Bezeichnung „Wüste Kirche".

Ausgrabungen schlossen jetzt zumindest die Deutung als Kirche aus. Die Ruine ist das Fundament eines annähernd quadratischen, unterkellerten Turmhauses von 10-11 m Seitenlänge in qualitätvollem, ca. 1,4 m starkem Feldsteinquader-Schalenmauerwerk. Ein rechteckiger Sockel aus Feld- und Backsteinen neben dem Turm dürfte der Unterbau für einen Hocheingang gewesen sein. Bruchstücke eines Säulenschaftes aus Ziegeln deuten auf eine repräsentative Ausgestaltung hin. Das Turmhaus erhob sich innerhalb eines mit Gräben und Palisaden eingefriedeten Hofes, in dem Schwellsteinreihen und Keller auf Nebengebäude verweisen.

Die Hofanlage lässt sich durch Keramik, eine Münze und reiche Kleinfunde – darunter ein Reitersporn, Silber- und Eisenschnallen, eine Sichelspitze, Flach- und Hohlglasreste sowie ein bronzener Grapenrand – in das 13./14. Jh. setzen. Besonders interessant sind Eisenbarren und Schlacken, da sie eine Schmiede belegen.

Aus der Zusammenschau von Grabungsergebnissen und Schriftquellen ist nun Klarheit darüber zu erwarten, ob die Ruine der befestigte Sitz eines Adligen, ein markgräflicher oder klösterlicher Hof war.

F. Biermann, Ch. Krauskopf