Nicht spurlos verschwunden

Frühslawische Grabhügel nahe Waltersdorf, Lkr. Dahme-Spreewald

Riesige Materialentnahmegräben verweisen in der Nähe von Waltersdorf auf verschwundene Grabhügel des 8.-10. Jhs. Erkennbar sind die einstigen Zugänge von Süden Abbildung: R. Hößler, BLDAM

Verschwundene slawische Grabhügel gesichtet

Umgeben von Materialentnahmegräben kamen am Trassenstück bei Waltersdorf (Lkr. Dahme-Spreewald) zwei in Brandenburg seltene frühslawische Grabhügel des 8.-10. Jhs. zum Vorschein. Die beiden abgerundet viereckigen Gräben - mit ca. 16 m Durchmesser überdurchschnittlich groß - lagen direkt nebeneinander. Über je eine Erdbrücke im Süden gelangte man nach innen, zu den inzwischen vollständig eingeebneten Hügeln. Leichenbrand, Holzkohle und Keramikscherben in der Füllung der Gräben deuten auf ursprünglich an der Hügeloberfläche niedergelegte Brandbestattungen. Auch Steine von Feuerstellen und einige Hölzer wurden entdeckt, Letztere sind möglicherweise Reste einer verbrannten Holzkonstruktion, die den Hügel einst umfasste.

Zwischen den Grabhügeln bzw. in den Gräben lagen zehn spätslawische Körperbestattungen des 11.-12. Jh. Sie waren nach christlicher Tradition Ost-West ausgerichtet und zumeist beigabenlos. Eine Bestattung enthielt eine vollständig erhaltene Keramikschale im Fußbereich, ein Kindergrab mehrere eiserne Objekte. Ein drittes Grab fiel durch seine ungewöhnliche Breite und Steinsetzungen im Kopf- und Fußbereich auf.

Nur 250 Meter weiter südlich zeigten sich mehrere Gruben einer zeitgleichen spätslawischen Siedlung: die Siedler trugen ihre Toten demnach nur wenige hundert Meter entfernt zu Grabe.

A. Köllner