Auf Pilgerwegen

Nachweis des ehemaligen Dominikanerklosters in Strausberg

Kamm-Muscheln im Beckenbereich der Bestattung eines älteren Mannes. Möglicherweise pilgerte er zweimal nach Santiago de Compostela

In Erwartung des Jüngsten Gerichts

Grabungen am Amtsgericht Strausberg (Lkr. Märkisch-Oderland) führten zum Nachweis das ehemaligen Dominikanerklosters (1254-1552). Außerdem zeigten sich Spuren des durch die Stifter zur Verfügung gestellten Burgareals. Die genaue Lage und der Aufbau des Klosters waren in Vergessenheit geraten, seit man es 1788 abgerissen und überbaut hatte. Lokalisiert wurden nun Teile des Ostflügels und des Kreuzgangs der dreischiffigen Kirche. Diese besaß einst einen polygonalen Chor und war hochwertig mit Kalk- und Backstein, Marmor und farbig gefasstem Putz ausgestattet.

Südlich der Kirche lag ein Friedhof. Die untersuchten 685 Gräber, angelegt von der Klostergründungszeit bis zur Reformation, erwiesen sich als wichtige Quelle zur Zusammensetzung der mittelalterlichen Gesellschaft. Nachweislich trug man hier nicht nur Mönche, sondern auch Laien zu Grabe: Frauen und Männer in etwa zu gleichen Teilen. Dass sich nur 18 Kinder fanden, wirft möglicherweise ein neues Licht auf die Demografie der mittelalterlichen Stadtfriedhöfe allgemein, wo Kinder meist auffallend häufig vertreten sind.

Die Gräber blieben oft ungestört, d. h. die Totengräber respektierten vorhandene Bestattungen. Teilweise markierten Feldsteine die Grubenränder. Erkennbar waren Belegungsrichtungen, Wege, Grenzen sowie ein zentraler Platz für das auf Klosterfriedhöfen an dieser Stelle übliche Hochkreuz. Aus einigen Gräbern stammt Trachtzubehör höher gestellter Personen wie Schnallen, Metallringe, eine Brosche und Perlen. Auch Beigaben kamen vor, z. B. Pilgermuscheln, eine Tierhaarquaste (Weihwasserspender?) und ein Glasgefäß. Keinesfalls - wie in der Literatur zuweilen nachzulesen - sind die in einem Sarg deponierte Sichel, ein Schlüssel und ein Messer als Zeugnis des Aberglaubens oder als heidnisches Brauchtum zu interpretieren. Bekanntermaßen bekämpften im Rahmen der Inquisition gerade die Dominikaner sämtliche Formen des Unglaubens aufs Schärfste. Die Sichel als Attribut von Engeln steht für die Erwartung des Jüngsten Gerichts (Offenbarung des Johannes 14,14-20), der Schlüssel als christliches Sinnbild für den Zugang zum Paradies.

B. Wittkopp