Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

Ein Fund aus der Nähe von Lenzen

Mahlstein aus einer slawischen Siedlung bei Wustrow in der Prignitz

Frisches Brot zum Frühstück ...

… gab es wohl nicht erst bei aktuellen Geländearbeiten an der Elbe bei Lenzen (Lkr. Prignitz), unmittelbar nordöstlich einer früh- und mittelslawischen Burganlage (9.-10. Jh). Hier wurde nahe Wustrow im Rahmen des DFG-Projektes "Linonen-Westprignitz" eine ländliche Ansiedlung lokalisiert, die nach den bisherigen Ergebnissen etwa zur gleichen Zeit wie die Burganlage bestand.

Einen herausragenden Fund stellt ein Mahlstein dar. Mit einem Durchmesser von ca. 40 cm, zwischen 7,5 und 9,5 cm stark und einem etwa 2,5 cm durchmessenden Loch in der Mitte liegt hier ganz offenbar der untere Teil einer handbetriebenen Getreidemühle vor. Damit lässt sich mehr produzieren als eine kleine Dorfgemeinschaft benötigt - zumal die Existenz mehrerer Exemplare durchaus anzunehmen ist. Zusammen mit weiteren Fundstücken, beispielsweise einem kleinen Bleigewicht, die sich von dem üblichen Fundspektrum vergleichbarer Siedlungen abheben, deutet der Mahlstein auf eine Vorburgsiedlung hin. Kammfragmente und Reste von Schlacken lassen vor Ort produzierende Handwerker vermuten.

Etwas problematisch zeigt sich die Lage der Fundplätze, heute durch den Flussverlauf der Löcknitz voneinander getrennt. Möglicherweise entspricht dies dem damaligen Bild; mit einer Brücke könnte eine Verkehrsanbindung existiert haben. Vielleicht nahm aber seinerzeit die Löcknitz auch einem anderen Verlauf durch einen heute noch nachweisbaren Altarm. Zur Klärung dieser Frage sollen umfangreiche Geländearbeiten im Sommer 2008 beitragen. Sie lassen weitere spannende Ergebnisse zu Struktur und Bedeutung der Siedlung und vielleicht auch Besonderheiten wie den Mahlstein erwarten.

Einblicke in vergangene und laufende Kampagnen finden Sie im Internet unter www.elbslawen.de. Oder kommen Sie uns direkt besuchen, wozu wir herzlich einladen, auch wenn die warmen Brötchen dann doch lieber vom heutigen Bäcker im Nachbardorf kommen sollten.

Norbert Goßler, Thomas Kinkeldey