Qualitätsware im Ofen

Töpferei in der Luckauer Vorstadt von Cottbus

Was für eine Überraschung, als sich in der Luckauer Vorstadt von Cottbus plötzlich die Reste von Töpferöfen auf der Grabungsfläche zeigten! Denn bis dahin hatten zur frühen Besiedlung des direkt an die Altstadt angrenzenden Geländes keine sicheren Informationen vorgelegen. Auch nach der archäologischen Voruntersuchung war eine Nutzung des Geländes vor dem 18. Jh. nicht zu erwarten gewesen. Bis schließlich auf ca. 15 x 20 m der insgesamt 10000 Quadratmeter großen Untersuchungsfläche die vier Töpferöfen und mehrere Abfallgruben erschienen. Moderne Störungen und neuzeitliche Bebauung hatten kaum Verluste bewirkt, sodass hier wohl ein sehr kleiner Produktionsstandort vorliegt, der über höchstens fünf Öfen verfügte. Fehlende Bebauungsstrukturen sprechen dafür, dass der Töpfer den Platz nur zum Brennen seiner Ware aufsuchte.

Die Öfen waren sehr unterschiedlich konstruiert; zwei von ihnen aus luftgetrockneten Lehmziegeln, die zumindest den unteren Ofenteil bildeten. Ein anderer wurde frei aus Lehm aufgebaut. In keinem der Öfen fanden sich Hinweise auf den Innenaufbau. Wahrscheinlich gab es keine konstruktive Trennung zwischen Feuerungs- und Brennraum.

Besonders bemerkenswert war der vierte Ofen, dessen Wandung aus gehenkelten Kugeltöpfen und einigen anderen Gefäßformen bestand. Man verwendete völlig einwandfreie Gefäße, die auf dem Markt sicher Käufer gefunden hätten! Daneben enthielt die Ofenwand auch einen Krug aus violettbraun engobiertem Faststeinzeug. Dieser und einige Scherben aus den umliegenden Abfallgruben erhärten die Annahme, dass auch in Cottbus die Herstellung von Steinzeug versucht wurde, wobei man sich stark an niedersächsischen Vorbildern orientierte. Das recht eintönige Produktionsspektrum umfasste außerdem Kugeltöpfe, Ofenkacheln und einige Deckel. Die Formen stellen die Töpferei in die erste Hälfte des 15. Jh. Ihre Einheitlichkeit und die geringen Abfallmengen lassen den Schluss zu, dass die Werkstatt nur sehr kurze Zeit in Betrieb war. Das Gelände blieb danach bis ins späte 18. Jahrhundert unbebaut.

H. Rode