Wall und Graben

Letzte Blicke auf Gneisendorf

Letzter Blick auf Wall und Graben von Geisendorf, Niederlausitz

Geisendorf am Rand des Niederlausitzer Braunkohlentagebaus Welzow-Süd erlebt mit archäologischen Untersuchungen derzeit das letzte Kapitel seiner Geschichte. Erstmals im Jahr 1455 erwähnt, ist es bereits vollständig abgerissen. Eine den Dorfkern querende Trasse erfasste bisher vor allem zahlreiche Pflanzgruben und auch Wölbäcker, die auf intensive Gartenwirtschaft in den Hofparzellen seit dem Mittelalter verweisen. Die angrenzende Feldflur barg ebenfalls Reste von Ackerfahren, teilweise sogar mit aufgelagerten Plaggen.

An der südwestlichen Dorfgrenze konnte eine wohl noch im 13. Jh. angelegte Umfriedung mit Graben, Wall und Palisade nachgewiesen werden. Der dem Wall vorgelagerte Graben - in der frühen Neuzeit vollständig verfüllt - zeigte eine Ausbesserungs- und Erweiterungsphase: den älteren schnitt ein jüngerer und etwas breiterer Graben. Der jüngere Graben liegt etwas weiter entfernt vom Wall, vermutlich weil dessen Material in den Vorgänger hineingerutscht war. Nach Lage des Palisadengräbchens stand die Palisade auf dem flachen Wall bzw. war in ihn integriert. Ähnliche Umfriedungen wurden in den vergangenen Jahren mehrfach bei brandenburgischen Dorfkerngrabungen beobachtet und sind offenbar typisch für das 13. Jh. Sie stehen im Zusammenhang mit der Neuanlage klar strukturierter Dörfer.

Die nordöstliche Befestigung des in der Neuzeit angelegten Straßendorfes ist noch nicht erfasst. Die Grabungen sollen klären, ob der Ort ursprünglich nur ein Zeilendorf war, und in welchem Verhältnis das ehemalige Rittergut zu diesem stand. Zwei Feldsteinkeller außerhalb des Dorfkernes, im Hinterland des Gutshauses, liefern zusätzlichen Diskussionsstoff. Möglicherweise ist neben der regelhaften Dorfanlage mit separaten Einzelgehöften zu rechnen. Das Gutshaus aus der Zeit um 1600 ist übrigens das Einzige, was der Nachwelt von Geisendorf erhalten bleibt. Es beherbergt ein kleines Museum.

M. Brumlich