In Reihe zur Ruhe gelegt

Ein Massengrab aus dem 30-jährigen Krieg

n Reihe zur letzten Ruhe gelegt

Ein Massengrab des 30-jährigen Krieges bei Wittstock, Lkr. Prignitz   

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In der Sandgrube südlich von Wittstock ist heute von einem Schlachtfeld wenig zu erahnen. In den ersten Oktobertagen 1636 war hier jedoch ein Ort des Todes und des Sterbens.

Am 4. Oktober hatte an dieser Stelle der rechte Flügel des schwedischen Heeres unter General Thorstensen und Feldmarschall Banér die Sachsen angegriffen. Sie hatten sich als Verbündete der kaiserlichen Armeen unter dem Oberkommando von Feldmarschall Hatzfeld auf dem Scharfenberg seit zwei Tagen aufgestellt. Etwa 40000 Kämpfer waren beteiligt, der zugehörige Tross auf beiden Seiten nicht mitgerechnet. An jenem Tag ritt die schwedische Reiterei bis zu zehn Mal gegen die feindlichen Stellungen. Viele Soldaten waren, von Kugeln aus Musketen und Reiterpistolen tödlich getroffen sowie von Schwerthieben schwer verwundet, auf dem Schlachtfeld liegen geblieben. Nach Aussagen der Schriftquellen müssen zwischen 6000 und 7000 Menschen an jenem Tag getötet worden sein, erst Tage später wurden sie in Sammelgräbern auf dem Schlachtfeld beigesetzt.

In dem bislang einzigen bekannten Massengrab der Wittstocker Schlacht wurden 88 Skelette in situ nachgewiesen und archäologisch und anthropologisch untersucht; etwa 120 Söldner lagen ursprünglich in dem durch Sandabbau gestörten Grab. Die Toten ruhten, ihrer Kleidung zumeist beraubt, in mehreren Lagen übereinander, zwar nicht nach christlichem Ritus, dennoch sorgfältig in Reihen gelegt. Die ersten Analysen der Knochen zeigten, dass es sich ausschließlich um Männer im Alter zwischen Anfang 20 und etwa 40 Jahren gehandelt hat, hinzu kommen einige Jugendliche. Als Todesursachen ließen sich an vielen Skeletten Schuss- und Hiebverletzungen nachweisen. Aber auch verheilte Kriegsverletzungen, daneben Zahnerkrankungen, Arthrosen und Syphilis geben Hinweise auf das Leben der Söldner, die von Schlacht zu Schlacht durch ganz Europa zogen und auf dem Schlachtfeld von Wittstock am Nachmittag und Abend des 4. Oktober 1636 den Tod fanden.

A. Grothe, B. Jungklaus