Sitzplatz am Ofenklein

Neues Zentrum germanischer Eisenproduktion entdeckt

Verschlackte Fragmente eines spätkaiserzeitlichen Rennofenschachtes, teils mit Holz- und Fingerabdrücken (Foto: M. Brumlich, BLDAM)

Sitzplatz am Ofen

36 Fundplätze mit rund 1300 Rennöfen entlang des Peterhainer Fließes,

Niederlausitz

Ein weiteres Zentrum germanischer Eisenproduktion - zusätzlich zum bekannten Wolkenberg - ließ sich jetzt im Braunkohlentagebau Welzow-Süd nachweisen. Die 36 Fundplätze mit rund 1300 Rennöfen und zugehörigen Grubenmeilern lagen vor allem an den Hängen des Endmoränenrückens und entlang des Petershainer Fließes. Auch Ambosssteine und Erzaufbereitungsplätze gaben sich zu erkennen.

Nur selten tritt an Verhüttungsplätzen zeitgleiche Keramik auf. Daher waren die zahlreichen Scherben von Töpfen und Kümpfen in der Verfüllung zweier Grubenmeiler, die zu drei Ofenbatterien bei Klein Görigk gehörten, durchaus etwas Besonderes. Die grobe Siedlungsware datiert in die späte römische Kaiserzeit (3./4. Jh.).

Auf allen drei Fundplätzen fanden sich neben den Schlackengruben deutlich kleinere, maximal 20 cm tiefe Gruben von 40 cm Durchmesser. Sie waren zumeist mit gebranntem Lehm verfüllt, der von den frei stehenden, nach dem Verhüttungsprozess zerstörten Ofenschächten zurückblieb. Wahrscheinlich saß in jeder der kleinen Gruben eine Person am Blasebalg und führte über eine Düsenöffnung in der unteren Schachtwand dem Feuer Luft zu. An manchen Öfen gab es nur eine, an anderen zwei Gruben. Somit lässt der Befund auf Anzahl und Anordnung der Düsenlöcher schließen; sie befanden sich nachweislich 10 cm über Bodenniveau. Im Bruchstück eines Ziegels war der Rest eines solchen Loches von 1,5 cm Durchmesser zu erkennen.

Zumindest bei einem der Verhüttungsplätze spricht die Anordnung der Öfen in kleinen Gruppen für mehrmaliges Aufsuchen des Platzes und eine saisonale Eisenerzeugung. Vermutlich betätigte sich hier eine Siedlungsgemeinschaft oder Schmiedewerkstatt aus der ferneren Umgebung. Im direkten Umfeld fehlen Siedlungsspuren - ebenso wie bei allen anderen Verhüttungsplätzen des Reviers.

M. Brumlich

Abbildung

Verschlackte Fragmente eines spätkaiserzeitlichen Rennofenschachtes, teils mit Holz- und Fingerabdrücken (Foto: M. Brumlich, BLDAM)