Fluss voller Überraschungen

Germanisches Gräberfeld auf dem Grund der Schwarzen Elster,
Lkr. Oberspreewald-Lausitz

Glasschmelze und Perlen eines in das Flussbett eingeschwemmten germanischen Gräberfeldes des 3./4. Jhs. (Foto: E. Bönisch, BLDAM)

Eine frühere Auenlandschaft der Schwarzen Elster, unmittelbar nördlich von Großkoschen, Lkr. Ober-

spreewald-Lausitz, stand unlängst zur Untersuchung an. Die Grabungsschnitte erfassten zwei verfüllte Altarme des Flusses und dazwischen, auf einer flachen Geländekuppe, einen kleinen Werkplatz der römischen Kaiserzeit. In dem aufgedeckten Grubenmeiler stellte man seinerzeit Holzkohle her, die vorgefundenen steingepflasterten Feuerstellen dienten anscheinend dem Rösten von Raseneisenerz. Beide Tätigkeiten gehen der Eisenverhüttung voraus, die irgendwo in der Nähe stattgefunden haben muss.

Überraschend war, was die alten Flussarme selbst zu bieten hatten. Die Sedimente enthielten Fundmaterial unterschiedlicher Epochen, und das - vermutlich wegen der Nähe zum Niederungsrand und zum Dorf - in erheblichen Mengen! In einem begrenzten Bereich barg das Flussbett ein ganzes Gräberfeld der späten römischen Kaiserzeit. Dieses lag im 3./4. Jh. offenbar direkt am Ufer. Leichenbrand, Glasperlen, Bronzefibeln, Kammfragmente, zahlreiche Spinnwirtel, eine eiserne Lanzenspitze und sekundär gebrannte Keramik, darunter Drehscheibenware - all das blieb im Fluss bewahrt. Eine römische Silbermünze kann als besonderer Fund gelten. In das Flussbett eingetieft war ein ebenfalls kaiserzeitlicher Röhrenbrunnen aus einem ausgehöhlten Baumstamm.

Das Gräberfeld und der Werkplatz in der Aue sprechen wie der Brunnen mitten im Flusslauf für ein trockenes Klima in der späten Kaiserzeit. Die zugehörige Siedlung war bisher nicht zu lokalisieren. In ihrer Gesamtheit repräsentieren die Funde nahezu die gesamte Besiedlungsgeschichte der Kleinregion. Am weitesten zurück weisen Keramik und ein Feuersteinbeil der Trichterbecherkultur. Mittel- bis jungbronzezeitliche Wirtschaftskeramik gab einer der Flussarme in Mengen her, auch Scherben aus der Früheisenzeit fehlen nicht. Hinzu kommt reichlich Fundmaterial, das zum 1408 erstmals erwähnten Dorf Großkoschen gehört.

M. Brumlich