Unter dem Schutz des Bischofssteins

Handwerk und städtebürgerliches Leben in Oranienburg

Fußbodenhorizonte zerstörter Fachwerkhäuser des 14.-18. Jhs. Sie lagen unmittelbar unter der Oberfläche
Silberne Hohlpfennige des 15. Jhs.

Unter dem Schutz des Bischofssteins

Handwerk und städtebürgerliches Leben in Oranienburg, Lkr. Oberhavel

Zur Landesgartenschau 2009 erhält der Oranienburger Altstadtkern ein neues Gesicht. An der Breiten Straße verschwanden zugunsten neuer Gebäude zahlreiche alte, darunter eine Kaufhalle, vormals der Tanzsaal eines Lokals aus dem frühen 20. Jh.

In der nordöstlichen Ecke des bis 80 cm tief untersuchten Baufeldes tauchten die gut erhaltenen Reste eines Kellers des 17. Jh. mit einem Tonnengewölbe aus großformatigen Ziegeln auf. Der Keller maß 7,2 x 3,5 m (Grundfläche ca. 22 m²) bei einer lichten Höhe von 2 m. An den Schmalseiten sorgten je eine Nische mit gewölbter Oberseite und zur Straße hin ein Lichtschacht für Helligkeit.

Unter der Geländeoberkante lagen massive Brandhorizonte und zahlreiche jüngere Fundamente. Die großflächigen Brandschuttablagerungen rührten von mehreren Hausbränden des 15.-18. Jhs. her, bei denen die ebenerdige Lehmfachwerkbebauung über den Fußbodenhorizonten verstürzte und dort verblieb. Es zeichneten sich drei bis fünf Bauphasen ab. Teilweise war es möglich, in den überdeckten Fußbodenhorizonten die Raumstrukturen nachzuweisen. In den rückwärtigen Räumen fanden sich die Reste von mindestens vier Ofenanlagen, davon zwei rundovale Backöfen.

Die Brandschichten, Laufhorizonte und Befunde des 14.-18. Jhs. enthielten sehr umfangreiches Fundmaterial. Zu den zahlreichen exzeptionellen Einzelfunden gehörten z. B. ein goldener Fingerring mit gefasstem, achteckigem Amethyst, der mit einem weiteren silbernen, reich verzierten Ring zusammengeschmolzen ist. Dem im Mittelalter auch als "Bischofsstein" bezeichneten Amethyst schrieb man beschützende Eigenschaften zu.

Vom Leben und Arbeiten der Bewohner zeugen zahlreiche Werkzeuge und Geräte, etwa eine Kollektion Zimmermannsäxte, ein Fischspeer, verkohltes Brotgetreide, drei Rechenpfennige, neun Hohlpfennige aus Silber, drei Bronzekessel mit eisernem Griff und Reste von Butzenverglasung und sehr viele Fragmente von Ofen- und Gefäßkeramik.

Th. Hauptmann

Abbildungen

Links: Fußbodenhorizonte zerstörter Fachwerkhäuser des 14.-18. Jhs. Sie lagen unmittelbar unter der Oberfläche.

Rechts: Silberne Hohlpfennige des 15. Jhs.

(Fotos: Th. Hauptmann)