Sensationelle Münzen vom Ackerbiesenbrow

Sensationelle Münzen vom Ackerbiesenbrow
Gold bei Biesenbrow, Uckermark

Biesenbrow. Goldene Münzen aus verworrenen Zeiten. Foto: D. Sommer, BLDAM
Vorderseite der einzelnen Münze mit Abbild des Theudebert, Dm knapp 2 cm Foto: D. Sommer, BLDAM

Acht goldene Münzen – jede etwa 4,4 g schwer - kamen aus den Tiefen eines Ackers bei Biesenbrow in der Uckermark ans Licht. Die Solidi aus der Völkerwanderungszeit – dem 6. Jh. – stammen ursprünglich aus Konstantinopel und Rom, teilweise sind es auch Prägungen der germanischen Könige aus dem 5. und 6. Jh. Sie zeigen auf der Vorderseite die Herrscher mit Namen und Titel, auf der Rückseite eine Viktoria-Figur mit Kreuz, einen Triumphspruch und die Münzstätte. Das Gold muss um das Jahr 540 in nahezu menschenleerer Wildnis in den Boden gelangt sein.

Der Fund ist das spektakuläre Resultat eines Forschungsprojektes, das sich detektivisch auf die Suche nach dem seit dem 19. Jh. durch die Fachwelt geisternden byzantinischen Goldschatz begeben hatte. Zwischen 1840 und 1885 waren einzelne Solidi aufgetaucht und – bis auf vier Exemplare im Berliner Münzkabinett und Märkischen Museum – wieder verschwunden.

Die Münze mit der Darstellung des Franken- und Merowingerkönigs Theudebert (533–548) beleuchtet den geschichtlichen Hintergrund. Im späten 5. Jh. hatte sich in Thüringen eine bedeutende germanische Herrschaft gebildet, deren Einfluss weit in den heutigen nordostdeutschen Raum reichte. Die Thüringer gerieten jedoch zunehmend in Konkurrenz zum Frankenreich der Merowinger, als diese von Gallien aus nach West- und Mitteleuropa expandierten. Nach 534 machten sie Thüringen zur fränkischen Provinz, politische Unruhen und militärische Konflikte hielten aber noch Jahrzehnte an. In diesen Wirren dürfte der Schatz vergraben worden sein.

F. Biermann, P. Woidt