Seltenes Stück

Seltenes Stück
Zufallsfund aus Müllrose, Oder-Spree

Müllrose. Schön und selten ist die reich verzierte bronzezeitliche Ösennadel Fotos: D. Sommer, BLDAM (ganzes Stück); M. Petzel, BLDAM (Detail)
Müllrose. Schön und selten ist die reich verzierte bronzezeitliche Ösennadel Fotos: D. Sommer, BLDAM (ganzes Stück); M. Petzel, BLDAM (Detail)

Nadel im Sandhaufen

Der Aufmerksamkeit eines Bürgers aus dem Landkreis Oder-Spree und seinem Interesse an Archäologie ist das Bekanntwerden eines seltenen bronzezeitlichen Stückes zu verdanken. Auf privatem Grund in Müllrose tauchte im Aushub für einen Brunnen eine 21 cm lange Ösennadel auf. Sie hat eine reich verzierte Kopfscheibe von 4,5 cm Durchmesser und ist ausgiebig mit Strichgruppen versehen: zwei schmücken die Öse parallel zum Durchbruch, eine andere ziert den Nadelhals auf dem Schaft im Ösenbereich. Je eine weitere Strichgruppe liegt zur Spitze unterhalb der aufgesetzten Öse – hier schräg - und zum Kopf hin – dort gerade.

Die Nadel hat man zunächst in einem Stück gegossen, dann den Kopf nachträglich graviert – mit zwei Gruppen von Kreisen, deren jeweils innerer und äußerer Kreis mit einer Punze punktiert und einem zentralen Wirbelmuster verziert wurden. Die den Rahmen bildenden Kreise sind typisch für diese Nadelform, das Zentralbild kommt hingegen selten vor. Dafür gibt es bei den so genannten Spundkopfnadeln eine Entsprechung. Beide Nadeltypen sind gleichzeitig, sie gehören in die Periode II nach Montelius, in die klassische Phase der Vorlausitzer Kultur. Ebenso stimmt bei beiden Typen die Verbreitung überein: sie treten überwiegend an der oberen Oder auf.

M. Petzel