Tönerne Papstbulle

Tönerne Papstbulle
Gransee

Papstbulle als mittelalterliches Warenkennzeichen

Franziskaner stempelten ihre Güter

Vom 1302 erstmals erwähnten Franziskanerkloster Gransee, Lkr. Oberhavel, ist allein der Ostflügel erhalten, doch gewähren archäologische Hinterlassenschaften Einblicke in verlorene Klosterbauten und -ausstattung. In der Baugrube eines einst dem Kreuzgang vorgeblendeten Pfeilers fand sich mit harter Grauware des späten 13. oder frühen 14. Jh. ein Tonpetschaft: die Kopie einer päpstlichen Bleibulle. Es zeigt die Inschrift S(anctus) PA(ulus) S(anctus) PE(trus) und die Köpfe der beiden Heiligen.

Die Matrize für dieses seit dem 12. Jh. ähnlich verwendete Motiv war seit Alexander IV. (1254-1261) bis zum Anfang des 15. Jhs. in Gebrauch. Vermutlich hatten die „fratres minores in Granzoge“ die originale Bulle als Anhängsel mit einer Urkunde erhalten, die dem Kloster eine Papstwahl mitteilte, die Eidesformeln für neue Äbte oder das Glaubensbekenntnis übermittelte.

Während die Bullen auf der Rückseite Papstnamen und Ordinalzahl ausweisen, ist das tönerne Stück aus Gransee mit einem Grifflappen versehen, sodass die Mönche damit stempeln konnten, wahrscheinlich die Güter ihrer Klosterwirtschaft. Den Stempel verwendeten sie vermutlich so lange, bis es lokale Signa als Alternative gab.

Ein eigenes, leider nicht überliefertes Siegel wird das Kloster wohl 1262, nach der Zusicherung von Stadtrecht und Zollfreiheit für Gransee durch Markgraf Johann I. besessen haben. Des tönernen Provisoriums bedurfte es nicht mehr und es wurde entsorgt.

H. Grönwald

Abbildungen: Tonpetschaft (links) und – sehr ähnlich - ein Bleistempel des Gegenpapstes Johannes XXIII.(1410-1415) von Burg Scharfenberg/Soffumbergo in Nordostitalien. Durchmesser 4,6 cm

(Foto und Zeichnung: H. Grönwald)