Widder von Lossow

Widder von Lossow
Frankfurt/Oder

Der Widder von Lossow

Ein außergewöhnlicher Fund aus dem 8. Jh. v. Chr.

Die bronzene Figur eines Widders, unlängst gefunden auf dem Burgwall von Lossow (Stadt Frankfurt/Oder), erwies sich als außergewöhnliches Unikat für die Region. Die von tiefgrüner Patina überzogene, stellenweise rot getönte Plastik ist 3,5 cm hoch, 4,5 cm lang und wurde im Vollguss gefertigt. Die schlanke Gestalt ohne Details oder Verzierungen zeigte unter dem Mikroskop als Augen zwei schwache Eindellungen. Das Maul ist durch eine Ritzlinie angedeutet. Die plastisch ausgebildeten und nach unten gedrehten Hörner erlaubten die zweifelsfreie zoologische Ansprache als Widder. Eine durchgehende senkrechte Durchlochung auf dem Rücken hängt zweifellos mit der Funktion zusammen und sollte vielleicht die Aufsteckung auf einen Stab ermöglichen. Unmittelbar unter dem Widder aufgefundene, beprobte und AMS-datierte Holzkohle ermöglichte es, sein Alter indirekt auf 809–732 BC festzulegen.

Erste stilistische Vergleiche weisen in den südosteuropäischen Raum (mittleres Donaugebiet) bzw. in den griechischen Kulturkreis, wo vergleichbare bronzene Tierstatuetten aus Tempelanlagen von Olympia bzw. Kalapodi (dem antiken Abai) aus spätgeometrischer Zeit bekannt sind. Die Frage nach der kulturellen Interaktion zwischen Nord und Süd drängt sich geradezu auf und stützt die außerordentliche Bedeutung, die dem Fundplatz Lossow zukommt. Der herausragende Fund zeigt, dass bereits in der Endphase der Bronze- oder am Beginn der Eisenzeit sowohl mit Fernkontakten als auch mit einer weit reichenden Beachtung dieses Platzes zu rechnen ist.

Womit die funktionale Veränderung von einer befestigten Siedlung der Bronzezeit in Lossow und die sakrale Gewichtung des Burgwalls in der frühen Eisenzeit einhergingen, ist Forschungsanliegen und Gegenstand von Untersuchungen. Seit 2007 läuft ein interdisziplinär angelegtes Projekt, an dem der Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum sowie durch finanzielle Förderung die Deutsche Forschungsgemeinschaft bzw. das Exzellenzcluster „TOPOI – The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilizations“ beteiligt sind.

Ines Beilke-Voigt

Foto: D. Sommer, BLDAM