Sechshundert und ein Pfennig

Sechshundert und ein Pfennigp
Plänitz, Lkr. Ostprignitz-Ruppin

Beispielmünzen aus dem mittelalterlichen Münzfund von Plänitz (Foto: D. Sommer, BLDAM)

Sechshundert und ein Pfennig

Seltener Münzfund aus dem 11. Jahrhundert bei Plänitz, Lkr. Ostprignitz-Ruppin

Mit 601 Münzen, einem Medaillon und einem Silbergewicht von 650 g gilt der im März des vergangenen Jahres bei Plänitz, Lkr. Ostprignitz-Ruppin gehobene Münzfund als der größte und schwerste Schatz des 11. Jh. in der Prignitz und im Ruppiner Land.

Seine Entdeckung gelang dem ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger M. Teske und dem Studenten M. Krüger bei der Routinebegehung eines slawischen Siedlungsplatzes, was erneut die große Bedeutung ehrenamtlicher Tätigkeit im Auftrag der Landesarchäologie unterstreicht. Die ersten acht Geldstücke lagen direkt auf dem Acker und deuteten auf einen möglicherweise zerpflügten Münzschatz hin. Deshalb leitete die staatliche Bodendenkmalpflege sofort eine Notbergung ein, um erstmalig im Land Brandenburg einen mittelalterlichen Münzschatzfund außerhalb von Stadtkernen auszugraben und zu dokumentieren.

Die Münzen streuten auf einer Fläche von 100 Quadratmetern. Die dreidimensionale Einmessung jedes Stückes erlaubt nicht nur die Erstellung eines Gesamtplanes, sondern auch eine Rekonstruktion der Geschehnisse. Demnach hat man den Schatz inmitten der slawischen Siedlung im anstehenden Sandboden vergraben, wahrscheinlich in einem Leinenbeutel. Am ursprünglichen Ort lagen noch 200 Münzen, der Rest war auseinandergerissen. Wühlende Tiere verursachten eine Konzentration mit weiteren 200 Münzen, während das Pflügen die restlichen Münzen über die Jahre hinweg über den Ackerhumus verteilte.

Die Blechmünzen haben Durchmesser zwischen 13,4 und 19,5 mm und mehrheitlich einen t-förmigen Rand, weshalb man sie auch als Randpfennige bezeichnet. Viel bekannter sind diese Münzen jedoch unter der Bezeichnung Sachsenpfennige. Der Plänitzer Schatz besteht im Wesentlichen aus zwei Typen. Der erste zeigt auf der Vorderseite ein Kreuz im Kugelkreis, auf der Rückseite ein Keilkreuz mit Punkten und Winkeln und ist vermutlich ab 1060 in der Mark Meißen entstanden. Der zweite Typ hat ein Kreuz mit Kugeln und Ringeln in den Winkeln, auf der Rückseite ein Keilkreuz ohne Beizeichen. Solche Pfennige prägte man 1065 im mittleren Saale-Gebiet, möglicherweise in Naumburg. Einige wenige andere Münzen sind älter und stammen aus den Herzogtümern Niederlothringen und Sachsen. Eine Besonderheit bildet ein silbernes Medaillon aus Südosteuropa oder Kleinasien.

Der Fundort Plänitz ordnet sich mit seiner slawischen Siedlung in das charakteristische frühmittelalterliche Siedlungsbild der Gegend ein, die seit dem 7./8. Jh. durchgehend bewirtschaftet wurde. Er liegt im 948 erstmals erwähnten slawischen Stammesgebiet der Dossanen, deren Verwaltungs- und Handelszentren die stark befestigten Burganlagen in Wusterhausen und Kyritz waren. Der Fund dokumentiert im Kontext mit anderen Münzschätzen aus dem westlichen Brandenburg erneut, dass im 11. Jh. nicht nur die Zentralorte am Handel und Austausch beteiligt waren, sondern auch die kleineren offenen Siedlungen.

J. May, B. Schauer