Wolkenberg

Lkr. Spree-Neiße
Untersuchungen in der Ortslage von Wolkenberg im Braunkohletagebau Welzow-Süd

Ines Spazier

In der Lausitz fielen in den letzten 80 Jahren dem Braunkohlenabbau über 60 historisch gewachsene Dörfer zum Opfer. Archäologische Untersuchungen blieben, bedingt durch personelle und finanzielle Zwänge, die Ausnahme. Eine systematische Untersuchung mittels ausgedehntem Schnittsystem erfolgte Anfang der 1990er Jahre hingegen in Wolkenberg, das 20 km südlich von Cottbus, im Abbaugebiet des Braunkohlentagebaus Welzow-Süd lag. Zugleich fanden Ausgrabungen in der Kirche statt.

Die Ersterwähnung des Ortes fällt in das 15. Jahrhundert. Wolkenberg war ein untypisches „Rund“dorf, mit einem breiten Anger, der die Kirche trägt. Im Nordwesten lag das Rittergut.

Aus den Grabungsergebnissen ist folgende Dorfgenese ablesbar:

  • Die Lage der Dorfstelle wählte man bewusst um ein Quellmuldengebiet.
  • Die erste mittelalterliche Besiedlung lässt sich anhand des spätslawischen Keramikmaterials in das 12. Jahrhundert datieren. Befunde aus dieser Zeit sind spärlich. Dagegen kommen einige Gruben und auch Erdkeller vor, die spätslawische und frühdeutsche Scherben enthielten. Aufgrund der Befundlage kann man mit einigen unregelmäßig angelegten Gehöften rechnen.
  • Im 13. Jahrhundert erfolgte dann im West- bis Südteil des Ortes der planmäßige Ausbau in Form einer gekrümmten Zeile. Im Westen reichte sie bis in den Bereich des späteren Rittergutes hinein. Die mittelalterlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäude lagen in den heutigen Gärten. Erd- und Steinkeller sowie Unterlegsteine für Blockbauten konnten nachgewiesen werden.
  • Nördlich der Dorfzeile kam es im 13. Jahrhundert auf einer markanten Kuppe zur Errichtung der Kirche, die mehrfach umgebaut wurde. Der um die Kirche liegende Friedhof konnte teilweise untersucht werden.
  • Zur Anlage der heutigen Ortsform kam es erst im Spätmittelalter. Zu diesem Zeitpunkt wurde die gekrümmte Zeile nach Westen durch die Anlage des Rittergutes und nach Osten durch weitere Höfe geschlossen. Durch diesen Ausbau entstand in der Mitte des Ortes der breite Anger. Die Gehöfte im Süd- und Westteil von Wolkenberg baute man näher an die Straße und den Anger. In diesem Zusammenhang wurde auch die Dorfumgrenzung angelegt.

Statistisch lassen sich die Ergebnisse wie folgt zusammenfassen: der historische Ortskern (470 x 370 m) nahm eine Bodenfläche von 17,4 ha ein. Davon konnten ca. 3,8 ha (ca. 22%) archäologisch erfasst werden.