Lossow

Stadt Frankfurt/Oder
Burgwall bei Lossow an der Oder, Bronze- und Eisenzeit sowie slawisches Mittelalter

Martin Petzel

Die heute etwa 4,8 ha Fläche messende Befestigung nimmt eine markante Lage unmittelbar an der Oder bei der Einmündung in den Brieskower See (mit dem Zufluss der Schlaube) ein. Im Volksmund wird sie gemeinhin als "Schwedenschanze" bezeichnet, möglicherweise in Zusammenhang mit dem 30jährigen Krieg.

Die Innenfläche ist im Norden und Westen mit einer einfachen Holz-Erde-Mauer (ca. 6 m Höhe) und einem Graben, im Süden durch ein natürlich gebildetes Tal und auf der Ostseite durch die "Steile Wand", einem bedeutenden Naturdenkmal im Berliner Urstromtal, geschützt. 1909 konnte durch einen Wallschnitt im Wallkern erstmalig eine Kastenkonstruktion nachgewiesen werden. Eine größere archäologische Dokumentation erfolgte 1919 bei der Erweiterung der Gleisanlagen. Die aufgedeckten Befunde, Gruben von 5B7,5 m Tiefe, interpretierte man bereits kurz nach ihrer Entdeckung als Opferschächte. Bedeutende Erkenntnisse zur Struktur der Siedlung erbrachte ein Kreuzschnitt und das Aufmass der gesamten Befestigungsanlage. Weitere Ausgrabungen nach 1945 präzisierten die Erkenntnisse zur Besiedlung und Datierung.

Die Nutzung des Burgwalls begann wahrscheinlich um 1000 v.Chr. und reichte bis 400 v. Chr. Technische Anlagen zur Keramikherstellung und Reste von Bronzeverarbeitung, wie Bruchstücke von Gussformen, zeugen von handwerklicher Tätigkeit in der bronze- und früheisenzeitlichen Befestigung. Auskunft über die Ernährung geben Reste von Haus- und Wildtieren, Fischen, Wild- und Kulturpflanzen. Aus der näheren Umgebung der Burg, die im nördlichen Verbreitungsgebiet der befestigten Siedlungen der Lausitzer Kultur lag, sind weitere zeitgleiche Siedlungen mit zugehörigen Urnengräberfriedhöfen bekannt.

In der frühen Eisenzeit (Göritzer Gruppe) diente das Areal als Kultplatz. In den tiefen Opferschächten fand man Gefäße, Schmuck, Waffen und Geräte, aber auch Skelette von Tieren und Menschen. Diesem Kultplatz wohnte sicher eine überregionale Bedeutung inne. Er zählt zu den wissenschaftlich bedeutendsten Denkmalen in Brandenburg.

Auf dem Areal der urgeschichtlichen Burg, in der Südostecke, wurde dann in der mittelslawischen Periode (um 1000 n. Chr.) eine kleinere Befestigung errichtet, die im Siedlungsgebiet der westslawischen Stämme zwischen Elbe und Oder lag.

Literatur:

Siegfried Griesa, Lossow, Ot. von Frankfurt (Oder). In: Archäologie in der Deutschen Demokratischen Republik, Denkmale und Funde, hrsg. Joachim Herrmann, Bd. 2, 1989, S. 444-446.

Horst Geisler, Die "Schwedenschanze" an der "Steilen Wand" bei Frankfurt/O.-Lossow. In: Berlin und Umgebung, Stuttgart 1991 (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland Bd. 23), S. 215-219.