Bad Liebenwerder

Lkr. Elbe-Elster
Stadtkern in Südbrandenburg, deutsches Mittelalter

 Joachim Wacker

Verstärkte Bauaktivitäten und daraus resultierende archäologische Dokumentationen während der letzten zehn Jahre haben in der Stadt Bad Liebenwerda zu neuen, bedeutenden Erkenntnissen in der Stadtgeschichte geführt.

Die ersten urkundlichen Erwähnungen gehen in die Jahre 1231 und 1286 zurück. Bereits 1301 wird Liebenwerda als Stadt erwähnt. Die Gründung erfolgte an einem Ort, an dem sich die Elster in mehrere Seitenarme auflöst. Bereits im 12. Jahrhundert errichtete man die noch heute das Stadtbild überragende Burganlage mit dem ehemaligen Bergfried, dem sog. "Lubwartturm", die die Flussübergänge sicherte. Sie wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wesentlich vergrößert und schließlich ab 1579 zu einem Renaissanceschloss umgebaut. Den ältesten Baukörper bildet eine nördlich der Burg beobachtete 1,5 m breite Ringmauer, an die eine Warmluftheizung mit Kanälen des 14. und 15. Jahrhunderts anschließt.

Bis 1550 hatten sich vor den drei literarisch erwähnten Stadttoren (Torgauer Tor im Westen, Luckauisches Tor im Norden, Haynisches Tor im Osten) kleinere Vorstädte entwickelt. Hinweise auf eine Stadtmauer fehlen. 1996 zeigte sich bei einer Flächengrabung in der westlichen Altstadt (Abb. 1) die Pflasterung einer 3 m breiten mittelalterlichen Straße, deren Nutzung vom 14. bis zum 16. Jahrhundert reichte. Stadtauswärts, am westlichen Ende der Straße, erfasste man Fundamentierungen des in Holz/Fachwerkbauweise errichteten Torgauer Tores. In Richtung Westen gelang der Nachweis des Nord-Süd verlaufenden Stadtgrabens. Mit 16,5 m Breite stimmt er mit dem im westlichen Altstadtbereich liegenden Burggraben überein.

Im Feuchtsediment des Grabens erhielten sich massive, angespitzte und zugehauene Eichenpfähle - die Reste einer mehrphasigen Brückenkonstruktion. Deren Bau- und Reparaturphasen sind anhand der dendrochronologisch bestimmten Fälldaten der Pfähle zwischen 1485 und 1787 einzuordnen.

Das aus dem Stadtgrabensediment geborgene Keramikspektrum (Abb. 2) zeigt neben harter Grauware auch einen hohen Anteil an Faststeinzeug und Steinzeug. Die Formen reichen von Kugeltöpfen mit Lippen- und Kehlrand, gehenkelten Kugel- und Standbodentöpfen, Bechern, Vierpassbechern und -krügen, Zylinderhalskrügen, Schnellen, Schüsseln, Ofenkeramik bis zu Miniaturgefäßen und dem Ausguss eines Aquamaniles in Form eines stilisierten Tierkopfes. Des Weiteren fand sich eine Vielzahl botanischer Großreste, wie Kerne von Pfirsich, Mirabelle, Pflaume und Schalen von Hasel- und Walnuss. Unter den zahlreichen Lederfunden beeindrucken besonders die Reste von Schuhen.

Die archäologischen Befunde und Funde im Stadtgraben geben Einblick in das städtische Leben und erlauben es, Phasen der Stadtentwicklung nachzuvollziehen, die von der Anlage und Funktion des Grabens als Stadtbefestigung, dem daraus resultierenden Brückenbau, über die sekundäre Nutzung des Grabens als Abwasserkanal bis zu seiner Aufgabe und Verfüllung reichen.

Literatur:

Rudi W. Dortangs, Neues zu Schloß und Graben. Untersuchungen im Grabenbereich des Schlosses von Bad Liebenwerda, Landkreis Elbe-Elster. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg 1995,1996, S. 141B143.

Joachim Wacker, Erkenntnisse zur Stadtbefestigung von Bad Liebenwerda aufgrund von Ausgrabungen im Bereich des Torgauer Tores. In: Befestigungen brandenburgischer Städte in der archäologischen Überlieferung. Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg 5, 2000, S. 41-47.