Brandenburg a. d. Havel

Die slawische Fürstenburg auf der Dominsel in Brandenburg a. d. Havel. Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Zur Lage der Burg auf der Dominsel

Die Burg zu Brandenburg lag auf einer Havelinsel, die aus strategischer und verkehrsmäßiger Sicht viele Vorteile bot. Die zentrale Lage im Stammesgebiet der Heveller war eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung Brandenburgs vom 8. bis 12. Jahrhundert zu einem politisch-administrativen und ökonomischen Mittelpunkt.

Heute bestimmt der Dom mit seinen Klausurgebäuden das Bild der Havelinsel. Weder im Grundriss der Bebauung noch in den Geländeformen sind Hinweise auf die Burg zu erkennen. Allein Senkungserscheinungen an Gebäuden verraten den ehemaligen Verlauf der Burggräben.

Die Burg Brandenburg in der Geschichte

Die älteste schriftliche Quelle zu Brandenburg - der Bericht des Widukind von Corvey - erwähnt die Fürstenburg der Heveller, die „Brennaburg“, im Jahre 928 im Zusammenhang mit ihrer Eroberung durch Heinrich I. Ein zähes Ringen um diese wichtige Bastion hat dazu geführt, dass die Burg seit 928 dreizehnmal den Besitzer wechselte, bevor sie 1157 endgültig in deutsche Hand fiel.

Die Ausgrabungen zwischen 1962 und 1975 und in den neunziger Jahren

Im Zusammenhang mit Sanierungsarbeiten am Dom und geplanten Straßenbauarbeiten fanden zwischen 1962 und 1975 umfangreiche archäologische Untersuchungen statt. Die Leitung lag in den Händen von Klaus Grebe vom damaligen Museum für Ur- und Frühgeschichte Potsdam. Mit insgesamt 50 größeren und kleineren Ausgrabungsschnitten wurde eine Fläche von ca. 1000 m² erfasst, die neben zahlreichen Funden und Befunden wichtige Erkenntnisse zu den Befestigungen und dem Siedlungsgeschehen zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert erbrachte.

Die Ergebnisse der Untersuchungen nach 1990 sind im Hinblick auf die Siedlungstopographie von besonderer Bedeutung. Die Auswertung wird durch den Ausgräber Stefan Dalitz erfolgen.

Das aktuelle Forschungsprojekt

Im Rahmen eines für zwei Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes unter der Leitung von Prof. Dr. Jürgen Kunow sollen die Grabungsergebnisse zur slawischen Burg auf der Dominsel in Brandenburg/Havel ausgewertet werden.

Schwerpunkt des mit mehreren Positionen besetzten Programms stellt die Aufarbeitung des Materials durch drei Archäologen (K. Kirsch, K. Grebe, S. Dalitz) und mehrere Naturwissenschaftler dar. Die Erarbeitung einer tragfähigen Gesamtstratigraphie im Zusammenhang mit der Keramikchronologie bildet die Grundlage weiterführender Untersuchungen. Dazu gehören neben der Datierung und kulturhistorischen Einordnung der zwei slawischen Vorgängersiedlungen die Herausarbeitung einer Abfolge von Burg- und Siedlungsphasen, deren Untersuchung die Basis für die Erstellung einer Burg- und Siedlungstopographie der Dominsel schafft. Die Charakteristika der Brandenburg sollen erfasst, in das Befestigungswesen der Nordwestslawen eingeordnet und auf ihre historische Aussagefähigkeit im Zusammenhang mit den Schriftquellen überprüft werden. Die stratigraphische Auswertung und merkmalsanalytische Untersuchung der Keramik soll über die Einordnung in regionale Entwicklungen die allgemeine Chronologie slawischer Warenarten befördern sowie kulturelle Einflüsse und Traditionen herausarbeiten. Überregional vergleichende Untersuchungen werden notwendig, um die Aussagekraft einzelner Fundkategorien wie z.B. der Glasfunde, der Bronzefunde, der Leder- und Knochenfunde für den historischen Zusammenhang zu optimieren. Besonders wichtig ist die Aufarbeitung der Materialien im Hinblick auf die Struktur der frühstädtischen Ansiedlung des 11./12. Jahrhunderts und die Funktionalität der Suburbien.

Kerstin Kirsch