Eberswalde

Lkr. Barnim
Die Töpferstraße in Eberswalde, Landkreis Barnim - Ein hölzernes Wohnquartier des 13. und 14. Jahrhunderts.
Restauratorische Sicherung der geborgenen Konstruktionshölzer, gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Restauratorische Sicherung der geborgenen Konstruktionshölzer, gefördert durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Die Grabung 1995

Eberswalde, nordöstlich von Berlin auf dem Barnim gelegen, gehört zu den kleinen brandenburgischen Städten, die im Verlauf der askanischen Landnahme in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründet wurden. Vorgänger waren zwei Dörfer, Ebersberg und Jakobsdorf, die um 1300 urkundlich erwähnt wurden. Zu diesem Zeitpunkt waren sie von der Stadt bereits absorbiert worden.

Im Jahr 1995 wurde – bedingt durch Neubauplanungen – das Quartier zwischen der Töpfer-, der Bollwerk- und der Kreuzstraße sowie der Breiten Straße, der sogenannte „Rummelplatz“, von der Firma LAND unter der Leitung von Peter Kranendonk zu etwa einem Drittel ausgegraben.

Die Grabungen förderten umfangreiche hölzerne Strukturen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt zu Tage. Bedingt durch den guten Erhaltungszustand stellen sie eine unersetzliche Quelle zur Entwicklung des Stadtquartiers, zur Parzellenstruktur, zum zeitgenössischen Hausbau, zu verwendeten Zimmertechniken und zur Anlage von Kleinkonstruktionen wie Brunnen oder Latrinen dar. Neben zahlreichen Gebäuderesten der ältesten Bebauungsphase, darunter ein gut erhaltener Dielenfußboden (Abb. oben links), gibt das Areal Einblick in die bauliche Entwicklung eines gesamten Stadtquartiers bis ins 20. Jahrhundert.

Von rund 2.500 Holzproben aus diesen Bauresten konnten 1.270 dendrochronologisch datiert werden. Nach Aussage dieser Daten wurde das im Randbereich der mittelalterlichen Stadt gelegene Areal um 1283 mit Fachwerkhäusern bebaut. Die Siedlungsfläche intra muros der 1276 ersterwähnten Stadt war also bereits wenige Jahrzehnte nach ihrer Gründung komplett bebaut.

Das Projekt

Im Verlauf der Grabung wurden etwa 600 Konstruktionshölzer der verschiedenen Bebauungsphasen geborgen. Die bauhistorische Auswertung und gezielte Konservierung mit Hinblick auf eine museale Präsentation dieses bisher umfangreichsten Bestandes an mittelalterlichen Bauhölzern in Brandenburg sind Ziele eines Projektes, das zur Zeit mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in der archäologischen Resaturierungswerkstatt durchgeführt wird.

Dazu werden die Hölzer gesäubert, zeichnerisch und fotografisch dokumentiert sowie hinsichtlich ihrer baukonstruktiven und bearbeitungstechnischen Merkmale analysiert. Anschließend werden sie sukzessive in der neuen archäologischen Werkstatt für Feuchtholzkonservierung des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischem Landesmuseum konserviert. Der Tränkungsvorgang mit einer Polyethylenglykol-Lösung (PEG) dauert je nach Beschaffenheit und Stärke der Hölzer mehrere Monate bis weit über ein Jahr.

Die bei der Untersuchung gewonnenen Daten werden genutzt, um die unterschiedlichen Baukonstruktionen digital neu zusammen zu setzen und zu rekonstruieren (Abb. oben rechts). Ziel des auf insgesamt drei Jahre angelegten Projektes ist es, ein Gesamtbild des Quartiers an der Töpferstraße zu gewinnen, das einen Einblick in die Lebensverhältnisse in einer Stadt des späten Mittelalters, besonders aber in Konstruktions- und Zimmertechniken gibt.