Stadtinventare

Erhebung und Aufbereitung historischer und archäologischer Quellen zu den Altstädten im Land Brandenburg
Gefördert durch die Archäologische Gesellschaft in Berlin und Brandenburg e.V. und das Ministerium für Städtebau, Wohnen und Verkehr des Landes Brandenburg

gefördert durch die Archäologische Gesellschaft in Berlin und Brandenburg e.V. und das Ministerium für Städtebau, Wohnen und Verkehr des Landes Brandenburg

Christa Plate

Aufbau der Inventare

Im Land Brandenburg gibt es 106 mittelalterliche Städte und 40 Flecken (Städtebuch Brandenburg und Berlin 2000). In den Stadtinventaren erfolgt die Erhebung und Aufbereitung historischer, kartografischer, bildlicher und archäologischer Quellen mit dem Ziel, Informationen und Daten zur Einschätzung von Umfang und Bedeutung der archäologischen Überlieferung im Untergrund der Altstädte zu gewinnen.

Es wird angestrebt, dass über das Gebiet der Altstadt einschließlich der Befestigungsanlagen und ihres engeren Umfeldes hinaus, die gesamte Stadtfeldmark bearbeitet wird. Im Unterschied zu Stadtkatastern erfasst man im Inventar aus Kostengründen keine Bodeneingriffe, bei denen Bodendenkmalbereiche undokumentiert durch rezente Baugruben, Bohrpfahlgründungen, Brunnen, Ver- und Entsorgungsleitungen etc. zerstört wurden. Aussagen zum Erhaltungszustand des Bodenarchivs der Gesamtstadt sind deshalb nicht möglich. Aus dem gleichen Grund konnten bisher nur für die Städte Gartz (Oder), Lkr. Uckermark und Lübben, Lkr. Dahme- Spreewald, Kellerkataster erstellt werden. Bisher sind 33 Städte bearbeitet worden.

Die Arbeiten wurden gefördert durch die Archäologische Gesellschaft in Berlin und Brandenburg e. V. (http://www.agibb.de ) und das Ministerium für Städtebau, Wohnen und Verkehr des Landes Brandenburg (http://www.brandenburg.de/land/mswv/ministerium/abteilung2.html )

Der historische Teil des Stadtinventars

Der historische Teil des Inventars enthält einen einführenden Text zur historischen Entwicklung in Form eines Fließtextes mit Quellenangaben. Ergänzend erfolgt eine tabellarische Zusammenstellung wichtiger Daten zur Stadtgeschichte, die eine besondere Bedeutung für die archäologische Überlieferung haben können (u.a. Brände und andere Schadensereignisse). In einem zweiten Teil werden alle Informationen zu wichtigen städtischen Einrichtungen und öffentlichen sowie kirchlichen Gebäuden in in sich geschlossenen Inventareinheiten dargestellt. Hier erfolgt eine Darstellung der baulichen und schriftlichen Überlieferung der jeweiligen historischen Stätte und die genaue Zuordnung aller Quellen- und Literaturangaben sowie der Bildquellen. Die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen werden unter Hinweis auf die jeweilige Inventareinheit im archäologischen Teil berücksichtigt. Die Kartierung auf einer aktuellen Karte und Ausschnitte aus historischen Karten sollen eine möglichst genaue Lagebestimmung auch der nicht mehr erhaltenen Stätten ermöglichen.

Der archäologische Teil des Stadtinventars

Die Ergebnisse archäologischer Untersuchungen aus Ausgrabungen, baubegleitenden Untersuchungen, Notbergungen sowie von Fundbergungen und -beobachtungen werden wie im historischen Teil in Form in sich abgeschlossener Inventareinheiten, die jeweils eine einzelne Aktivität betreffen, dargestellt. Besonderer Wert wird auf eine auch für den fachfremden Nutzer verständliche Textgestaltung gelegt. Die ausführliche Darstellung archäologischer Befunde und Aussagen zu den Erkenntnissen, die aus der jeweiligen Untersuchung für die Geschichte des Platzes und/oder der Altstadt gewonnen wurden, ermöglichen eine gute Verknüpfung mit dem historischen Teil. Angefügt sind eine Karte mit der genauen Lage der Untersuchungsfläche und die Abbildung von einzelnen wichtigen Befunden oder Funden. In Ergänzung zu den in den Inventareinheiten vorgestellten Einzelergebnissen, sollen kurze zusammenfassende Texte einen Überblick über die Erkenntnisse ermöglichen, die aus verschiedenen archäologischen Untersuchungen in einzelnen Stadtarealen und/oder zu verschiedenen Befunden, z.B. Hausbau, Wirtschaft, materieller Kultur etc. gewonnen wurden.

Der Kartenteil

Das Stadtinventar enthält neben einer Gesamtkartierung der historischen Stätten und der archäologischen Fundstellen eine Zusammenstellung von Kopien historischer Karten aus Publikationen und Archiven.

Nutzerkreis

Stadtinventare sind ein wichtiges Arbeitsmittel der archäologischen Denkmalpflege, die neben den Ausgräbern vor allem den Mitarbeitern des Fachamtes und der Unteren Denkmalschutzbehörden eine Beurteilung der nicht sichtbaren archäologischen Überlieferung im Untergrund der Altstädte ermöglichen. Auf ihrer Grundlage kann bei Neubauvorhaben oder großflächigen Planungen im Altstadtgebiet eine konkrete Beratung der Investoren und Planer rechtzeitig vor Beginn einer Maßnahme erfolgen. Darüber hinaus werden Mitarbeiter von Museen, Historiker und Heimatforscher die Inventare mit Gewinn nutzen können.

Die Form der Stadtinventare ermöglicht eine ständige Aktualisierung. Sie sind im Referat Archäologische Fundplatzerfassung des BLDAM einsehbar.