Freyenstein

Lkr. Ostprignitz-Ruppin
Geophysikalische Messungen auf dem Gelände der mittelalterlichen Stadtwüstung
Gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung und die Sparkassenstiftung Ostprignitz-Ruppin

gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung und die Sparkassenstiftung Ostprignitz-Ruppin

Historisches

Im nordwestlichen Brandenburg – unmittelbar an der Grenze zu Mecklenburg – liegt das kleine Städtchen Freyenstein, Lkr. Ostprignitz-Ruppin. Die frühe Ortsgeschichte ist wegen der spärlichen urkundlichen Überlieferung weitgehend unbekannt. Zuerst 1263 erwähnt, aber wohl schon im frühen 13. Jahrhundert gegründet, war die Stadt häufig Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen. Mehrmals wurde sie zerstört und brannte ab. Für das Jahr 1287 ist die Verlegung und Neugründung der Stadt urkundlich belegt. Das Areal der „Altstadt“ wurde 1295 Eigentum der umgesiedelten Bürger und dient seit etwa 700 Jahren als Ackerland.

Das Forschungsprojekt

Die Fläche der Stadtwüstung Freyenstein ist bis heute weitgehend unbebaut geblieben. Sie bietet somit einzigartige Voraussetzungen für die Rekonstruktion der Stadttopographie im 13. Jahrhundert. Die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (Studienschwerpunkt Grabungstechnik) führt im Zeitraum 2000-2003 ein Forschungsprojekt zur flächendeckenden Erkundung durch. Finanzielle Unterstützung gewährte die Gerda-Henkel-Stiftung Düsseldorf. Das Arbeitsprogramm umfasst verschiedene Methoden der archäologischen Prospektion. Neben der flächendeckenden geomagnetischen Vermessung werden Widerstandskartierungen durchgeführt und einzelne Befunde mit kleinen Sondageschnitten und Bohrungen überprüft. Ergänzend wurde inzwischen auch mit der Kartierung von Oberflächenfunden begonnen.

Das Projekt, das vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum fachlich begleitet wird, kann sich auf Ergebnisse von kleinflächigen Ausgrabungen aus den Jahren 1980 bis 1987 stützen. Im Zentrum der damaligen Untersuchungen stand die Dokumentation von vier Kellern mit 16-20 qm Grundfläche, deren 0,6-0,8 m starke Wände aus unbearbeiteten Feldsteinen erbaut worden waren. Der Zugang erfolgte über vorgebaute Treppen oder Rampen. Mit einer Ausnahme waren sie Nachfolgebauten von Kellern mit kleinerer Grundfläche, deren Wände eine Holzauskleidung hatten. Das in den Kellern verschüttete reiche Fundmaterial datiert in das 13. Jahrhundert. Der Oberbau der regelmäßig angeordneten Kelleranlagen konnte anhand der Kellerfüllschichten als Holz-Lehm-Konstruktion angesprochen werden.

Bisherige Ergebnisse

Die gesamte Stadt umfasst eine Fläche von 25 ha. Davon sind insgesamt 17 ha magnetisch prospektiert. Etwa 90 Keller mittelalterlicher Häuser konnten geortet werden. Eine große Überraschung ist die Regelmäßigkeit, mit der sich die Keller fast über die gesamte Stadtfläche verteilen. Sie ordnen sich in Reihen an und ermöglichen indirekt die Rekonstruktion eines rechtwinkligen Straßennetzes. Eine große Freifläche von 88 x 126 m kann als Marktplatz interpretiert werden, der von dichter Bebauung durch die angrenzenden Quartiere eingefasst wird. Die einzelnen Grundstücke sind über die Abstände zwischen den Kellern zu erschließen. Oft hatten die Parzellen Breiten von 9-13 m. Hinter der straßenseitigen Bebauung lagen die Hofbereiche mit Gruben, Herdstellen usw. – im Magnetogramm ebenfalls sichtbar. Einige besonders große Steinkeller befinden sich in rückwärtiger Lage auf der Parzelle und sind mit den aus nordwestdeutschen Städten bekannten Steinwerken vergleichbar. Ihre Konstruktion besteht aus in Lehm gesetzten, unbearbeiteten Feldsteinen.

Zumindest einige der mittelalterlichen Straßen waren gepflastert. Hinweise darauf liefern die teilweise in großer Zahl ausgepflügten Steine. In mehreren Sondageschnitten konnten solche Pflasterungen auch erfasst werden. Sie liegen nur 25-30 cm unter der Oberfläche und sind durch die landwirtschaftliche Flächennutzung akut bedroht.

Der nordwestliche Bereich der Stadt war durch einen ca. 6-7 m breiten und 3 m tiefen Graben abgegrenzt und gesichert. Innerhalb dieser Einfriedung befinden sich zwei Steinkeller, wovon einer Außenmaße von 10,5 x 8,7 m erreicht und damit das bislang größte erhaltene Bauwerk in Freyenstein darstellt. Ob hier der Nachweis eines frühen Adelshofes gelingt, bleibt abzuwarten.

Mehrere tausend Funde wurden bei Flächenbegehungen geborgen. Neben Scherben der harten Grauware und wenig Steinzeug tauchen in Konzentrationen Eisenschlacken auf, die als Abfallprodukte zur Befestigung von Straßen genutzt wurden.

Ausblick

Die Geländearbeiten sollen im Frühjahr 2003 ihren vorläufigen Abschluss finden. Schon jetzt ist festzustellen, dass die „Altstadt“ Freyenstein eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtwüstungen in Deutschland darstellt. Die Besonderheit liegt in der Möglichkeit zur flächigen Rekonstruktion des Siedlungsbildes einer Stadt des 13. Jahrhunderts. Keiner der heutigen Stadtkerne Brandenburgs wird uns ein solches Bild vermitteln können. Um so wichtiger wird zukünftig der Schutz dieses herausragenden Bodendenkmals sein. Erste Initiativen mit diesem Ziel sind bereits gestartet.

Thomas Schenk

Literatur:

Lieselott Enders, Freyenstein. In: Städtebuch Brandenburg und Berlin, hrsg. von E. Engel, L. Enders, G. Heinrich, W. Schich (Stuttgart, Berlin, Köln 2000) S. 182-185.

Christa Plate, Freyenstein - Topographie einer Stadtgründung des 13. Jahrhunderts an der brandenburgisch- mecklenburgischen Landesgrenze. In: Zeitschrift für Archäologie Bd. 25, 1991, S. 237-246.