Dorfkirche in Herzberg bei Beeskow, Lkr. Oder-Spree

Die Kirche steht auf dem Dorfanger im östlichen Teil des rund 10 Kilometer nordwestlich von Beeskow gelegenen Ortes. Da das Terrain hier leicht ansteigt, ist sie weithin sichtbar. Der Kirchhof mit seiner schönen Einfriedung dient noch immer als Friedhof.

Die Herzberger Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhundert aufgeführt und stammt mithin aus der Zeit des hochmittelalterlichen Landesausbaus. Ihre heutige Gestalt wird maßgeblich durch den Umbau geprägt, der 1882/83 mit dem Ziel erfolgte, den Kirchenraum zu vergrößern. Auf der Nord- und Südseite wurden große Querhäuser angefügt, wobei man die Feldsteine aus den zuvor abgebrochenen Wandflächen wieder verbaute. Die Kirche besteht in ihrem mittelalterlichen Kern aus einem Saalbau mit einem Westriegel in Kirchenschiffsbreite. Eine Drei-Fenster-Gruppe belichtet den gerade geschlossenen Chor, den im Osten zwei gestaffelte Anbauten mit Walmdächern flankieren. In der mittelalterlichen Chorstirnwand sind neun „Schachbrettsteine“ eingebaut, Schmucksteine, die man an prominenten Stellen wie Fenstereinfassungen oder Gebäudeecken hochmittelalterlicher Feldsteinkirchen findet. Der Turm in Kirchenschiffsbreite weist nahezu geschlossene mittelalterliche Feldsteinwandflächen auf. Das mittelalterliche, spitzbogige Hauptportal betonen ein Überfangbogen und ein Scheitelkreuz aus Feldstein. Die übrigen Wandflächen bestimmt der Kontrast zwischen dem Feldsteinmauerwerk und dem gelben Ziegelmauerwerk des Turmaufsatzes, der Stufengiebel, Anbauten und Fenster. Rote Ziegel heben die Schmuckformen wie Maßwerk, Friese, Gesimse und Nischeneinfassungen hervor. Je zwei große Maßwerkfenster betonen die Querhausstirnseiten, je eines die Langhauswände westlich der Querhäuser.

Die Wände des durch seine Kreuzform klar gegliederten Innenraums waren ursprünglich mit einer Schablonenmalerei dekoriert, die heute überstrichen ist, wogegen das Hängewerk der Decke, die Emporen, die 1885 aufgestellte Orgel mit neogotischem Prospekt des Potsdamer Orgelbaumeisters C. E. Gesell, das Gemeindegestühl, das Taufbecken, der Altar und die Kanzel aus der Umbauzeit erhalten sind.

Die große Besonderheit der Kirche stellen 19 zwischen 1844 und 1893 angefertigte Totenkronenbretter mit ihren an die Verstorbenen erinnernden Inschriften in einem Seitenraum dar, sieben mit Glasaufbau und darin enthaltener Krone. Ursprünglich hingen sie im Kirchenraum. Es sind Zeugnisse einer im 18. und 19. Jahrhundert deutschlandweit verbreiteten Tradition. Den unverheiratet Verstorbenen wurde die Krone beim vielfach auch als Hochzeit gestalteten Begräbnis mitgegeben, als Zeichen, dass sie nun als himmlische Bräute und Bräutigame heimgingen. Die Mehrzahl der vielerorts brandenburgische Kirchen schmückenden Totenkronenbretter, die auch Theodor Fontane in seinen „Wanderungen“ immer wieder erwähnt, ist im Verlauf der letzten 150 Jahre verloren gegangen.

Eine weitere Rarität stellt das genagelte Eiserne Kreuz dar, das zu den wenigen erhaltenen Dokumenten einer Aktion zur Finanzierung des Ersten Weltkriegs gehört, als man allerorten Figuren wie Rolande, Gedenksäule oder Wappentafeln aus Holz zum Benageln aufstellte, wobei durch den Erwerb der Nägel ein Obulus zur Kriegsfinanzierung entrichtet wurde.