Der Bahnhof Klasdorf - eine kleine Zwischenstation an der Strecke Berlin - Dresden

Der Bahnhof Klasdorf liegt ca. 60 km südlich von Berlin an der Bahnlinie Berlin – Dresden, die 1875 als eine der letzten großen Fernbahnstrecken Preußens eröffnet wurde. Wenig später dürfte der Bahnhof entstanden sein; in den 1920er/30er Jahren erhielt er auf der Gleisseite einen Stellwerksanbau.

Der Klasdorfer Bahnhof ist eine sogenannte Zwischenstation. So bezeichnete man Bahnhöfe kleinerer Ortschaften, die jedoch – im Gegensatz zu den noch kleineren Haltepunkten – von einer größeren Anzahl von Reisenden frequentiert und an denen auch Güter ein- und ausgeladen wurden. Zu einer Zwischenstation gehörte ein Empfangsgebäude, ein Güterschuppen mit Verladeplatz, Wohnungen für die Bahnbediensteten, Aborte und ein „Materialien- und Requisitenmagazin“ für Kohlen, Geräte usw. Alle diese Bestandteile haben sich in Klasdorf vollständig erhalten und sind bis heute in ihrer Funktion deutlich zu erkennen.

Am Stationsgebäude ist noch heute das damals typische Raumprogramm abzulesen. Es umfasste ein oder zwei Warteräume (einen für die erste und einen für die zweite und dritte Klasse), ein „Billetverkaufsbureau“, einen Raum für die Abgabe des Reisegepäcks, ein- bis zwei Büro- bzw. Aufenthaltsräume für Bahnwärter und Bürodiener sowie einen kleinen Raum für die Post, der gewöhnlich unmittelbar an den Güterschuppen angrenzte. Auch das in Klasdorf zusammen mit einem der Warteräume im eingeschossigen seitlichen Anbau untergebrachte Büffet gehörte zum Standard. Das Obergeschoss war für die Wohnung des Stationsvorstehers reserviert.

Eine wichtige Funktion damaliger Bahnhöfe veranschaulicht der mit seiner Laderampe und den großen Toren gut erhaltene Güterschuppen: die Abfertigung des Güterverkehrs. Diese spielte gerade in Klasdorf eine große Rolle, denn in der Nähe des Ortes lag eine der ältesten Glashütten Brandenburgs. Sie erhielt unmittelbar nach Inbetriebnahme der Strecke ein eigenes Anschlussgleis. Klasdorf ist ein anschauliches Beispiel für die Wechselwirkung zwischen dem Ausbau der Verkehrswege und dem Aufschwung von Industrie und Gewerbe auf dem Lande. Einerseits hätte man den Bahnhof des kleinen Ortes ohne die Glashütte wohl kaum zur Zwischenstation mit Güterschuppen ausgebaut. Andererseits verhalf der Bahnanschluss, der nicht nur die Anlieferung von Braunkohle aus der Lausitz, sondern auch den Transport der fertigen Glaswaren zu ihrem Bestimmungsort erleichterte, der Hütte zu einem beträchtlichen Aufschwung.

Stilistisch gesehen, ist das Klasdorfer Stationsgebäude ein typisches Beispiel für die schlichten, fast nüchternen, aber solide ausgeführten und ästhetisch ansprechenden Bauten der preußischen Staatsbahn. In seiner speziellen Ausformung ist es charakteristisch für die Berlin – Dresdner Strecke. In Preußen bekam nämlich jede Bahnstrecke einheitliche, meist typisierte Stationsgebäude. So ist die bereits in den 1840er Jahren eröffnete Berlin – Hamburger Bahn beispielsweise durch ihre klassizistischen Putzbauten geprägt, während die späteren Strecken unterschiedliche Varianten der typischen roten Ziegelbauten erhielten.

In seinem ungewöhnlich ursprünglich erhaltenen Bauzustand fand das Klasdorfer Stationsgebäude sogar Eingang in die Welt des Modelleisenbahnbaus: sein exaktes Modell wird noch heute als typischer Bahnhof der Berlin – Dresdner Eisenbahn produziert.