Groß Rietz, Lkr. Oder-Spree. Zur Geschichte des Schloßparkes

Im Zusammenhang mit der Sanierung des im Besitz der Brandenburgischen Schlösser GmbH befindlichen, künstlerisch herausragenden Schlosses Groß Rietz, für das noch ein Nutzer gesucht wird, erfolgte die Wiederherstellung eines ersten Teils der Parkanlage. Gegenwärtig sind nun Arbeiten im Schlosshof und an der Zufahrt im Gange.

Das Schloss wurde zwischen 1693 und 1700 unter Johann Georg v. d. Marwitz (1638-1704) erbaut. Pläne und Aussehen des vermutlich 1702 vollendeten (eine Sonnenuhr trug diese Jahreszahl) barocken Gartens sind nicht bekannt. Unter dem Enkel Carl Wilhelm v. d. Marwitz (1737-1811), Besitzer von 1768-1790, erfolgten Umgestaltungen im Garten. 1778 wurde eine Minerva-Statue aufgestellt (Sockel noch vorhanden) und sehr wahrscheinlich auch der an der Nordseite des Gartens gelegene halbkreisförmige Platz geschaffen. Zwei noch existierende schlanke und reich mit floralen Motiven dekorierte Obelisken flankieren den dortigen Eingang (das schmiedeeiserne Tor stammt von ca. 1880). 1790 kaufte der Staatsminister Johann Christoph v. Wöllner (1732-1800) Groß Rietz, der 1787 u. a. auch Intendant der königlichen Gärten wurde. Er befasste sich intensiv mit Landwirtschaft, förderte die Obstbaumkultur, legte Maulbeerpflanzungen an, ließ neue Wirtschaftsgebäude errichten und nach der Übernahme des Gutes sofort die Separation zugunsten der kleinen Bauern und Kossäten durchführen. Die quadartische Kontur eines unter ihm angelegten Karpfenteiches zwischen Groß und Klein Rietz ist noch heute erkennbar. Ein im Gutsarchiv vorhanden gewesener Plan des Gartens von 1791 läßt vermuten, daß er diesen umgestalten liess. Der als "Schneckenberg" bezeichnete Eiskeller (heute auf einem privaten Grundstück) mit einem aus behauenen Feldsteinen gemauerten neugotischen Portal geht auf die Zeit Wöllners zurück, ebenso der mit Linden bepflanzte "Ministerberg" nordwestlich des Dorfes. 1801 übernahm Landrat Peter Friedrich Ludwig v. Itzenplitz (1769-1834), ein Freund und Förderer des Landwirtschaftsreformers Thaer, Groß Rietz. Er hatte mit seiner Frau 1 ½ Jahre lang England und Flandern bereist, dort die gärtnerischen und landwirtschaftlichen Entwicklungen erlebt und studiert, was bei beiden die Begeisterung für den landschaftlichen Gartenstil erweckte. Im Gutsarchiv befanden sich Pläne aus den Jahren 1819, 1825 und 1828, die vermutlich die Umgestaltung der Gartenanlage nach englischen Vorbildern dokumentierten. Ganz im Sinne einer "ornamented farm" wurde eine auf dem Urmeßtischblatt von 1844 dargestellte Parkanlage geschaffen, die über Ausblicke die angrenzende Landschaft einbezog und mit dem angrenzenden Dorf, den Wirtschaftsgebäuden und der umliegenden Feldflur eine gestalterische Einheit bildete. Unter der nachfolgenden Besitzerin Charlotte Amalie v. Itzenplitz (1795-1845), die das Gut 1828 vom Vater erhielt und mit dem Kammergerichts- und Geheimen Justizrat Adam Ludwig v. Dziembowsky verehelicht war, wurde 1834 im Park ein Begräbnisplatz für eine jung verstorbene Tochter angelegt. Ebenso dürfte die Anlage eines von Kugelrobinien gesäumten Rasenovals vor dem Schloss in diesen Zeitraum fallen. 1846 blieb als Erbin die 14jährige Tochter Friederike Henriette Marianne Auguste v. Dziembowska (1832-1861) zurück, die das Gut an ihre Cousine Marie Charlotte Louise v. d. Marwitz, geb. v. Itzenplitz, vererbte, welche es in der Folgezeit meist durch Pächter bewirtschaften ließ. 1895 übernahm es deren Sohn Hans Georg v. d. Marwitz. Unter ihm erfolgten Umgestaltungen durch den Gutsgärtner August Mattern im südlichen Parkteil, so die Anlage eines Rosengartens mit Brunnen, eines Seerosenteichs und eines Tennisplatzes sowie die Ausstattung des Parkes mit Statuen.

Nach 1945 nutzte man das Schloss als Kindergarten und richtete darin außerdem Wohnungen für Umsiedler ein. Der Park wurde z. T. zur Brennholzgewinnung genutzt, den Bereich unmittelbar vor der gartenseitigen Treppenanlage des Schlosses parzellierte man und wandelte ihn in Kleingärten um. Später wurde noch ein Festplatz angelegt und eine Freilichtbühne erbaut.

Nachdem man nach der Wende im inzwischen völlig verwahrlosten Park mit AB-Maßnahmen erste Aufräumarbeiten durchführte, wurde im Auftrag der Schlösser GmbH von Clemens Alexander Wimmer/Potsdam im Jahr 2000 ein sehr gründliches gartendenkmalpflegerisches Gutachten erarbeitet, das als Resultat allerdings eine äußerst dürfte Quellenlage für den Garten erbrachte. Auf der Grundlage des Gutachtens wurde in Abstimmung mit der Denkmalfachbehörde ein Planung durch das Büro Jörg Saupe/Berlin erarbeitet und der erste, westlich des Schlosses gelegene Teil des Parkes wiederhergestellt. Ziel der Wiederherstellung ist der Zustand der durch die v. Itzenplitz in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorgenommenen Gestaltung, die in den wesentlichen Grundstrukturen noch ablesbar ist. Die späteren, durch den Gutsgärtner Mattern ausgeführten Umgestaltungen im südöstlich an den zentralen Parkraum angrenzenden Bereich sind fast restlos beseitigt, bzw. durch Übertragung an einen privaten Eigentümer heute aus dem Park herausgetrennt. Durch diese sehr unglückselige Herauslösung eines Grundstücks aus dem ehemals zusammenhängenden Ensemble mußte eine neue Wegeführung um das nun private Teilstück angelegt werden, um einen Rundgang durch den Park zu ermöglichen. Die nach 1945 im wichtigsten Parkteil im ehemaligen Rasenparterre vor der gartenseitigen Freitreppe angelegten Kleingärten verhinderten Ausblicke von derselben in den Park und in die angrenzende Landschaft und ebenso jegliche Blickbeziehung aus dem Park zum Schloss. Durch die Auslagerung der Kleingärten und die Beseitigung des Wildwuchses in der Hauptblickachse in Richtung Vorwerk Klein Rietz konnte ein gestalterischer Höhepunkt der Anlage, die eindrucksvolle, über das Rasenparterre weit in die angrenzende reizvolle Landschaft reichende Sicht wieder erlebbar gemacht werden. Mit der Wiederherstellung von Rasenflächen und Wegen, der Entfernung von Wildwuchs, der Freistellung von Solitärbäumen, durch Nachpflanzungen von Gehölzen und mit der Sanierung der Begrenzungsmauern ist die ursprüngliche gartenkünstlerische Gestaltung der Parkanlage wieder ablesbar geworden.

Im Zusammenwirken mit der Schlösser GmbH und der Kommune gelang es auch, die durch fortwährende Auffüllungen viel zu hoch liegende Zufahrt zum Schloss wieder auf das ursprüngliche Geländeniveau rückzubauen. Derzeit sind die Arbeiten zur Wiederherstellung des zuletzt völlig verwahrlosten Schlosshofes kurz vor dem Abschluss, so daß sich das garten- und baukünstlerisch bedeutende Ensemble bald wieder alter Schönheit präsentieren wird.

Alexander Niemann