Beelitz-Schönefeld. Von der Funkstation zum "Pfötchenhotel"

Die Funkstation Beelitz-Schönefeld wurde 1928/29 als Empfangsstation der damals schon weltbekannten Großfunkstation Nauen errichtet. Entwurf und Planung des Funkgebäudes kamen aus dem Büro des Architekten Hermann Muthesius. In der DDR-Zeit blieb die Anlage weiterhin als Funkstation in Betrieb – unter anderem empfing man hier die Funksignale des ersten Satelliten Sputnik. Eine umfangreiche Erweiterung der Anlage fand im Zusammenhang mit ihrem Ausbau zum „Übersee-Endamt“ statt. Nach 1990 wurden die technischen Einrichtungen einschließlich der Antennen demontiert. Erhalten haben sich jedoch die baulichen Anlagen, die bis Anfang 2003 noch leer standen. 2003 wurden sie als Dokumente der Geschichte des drahtlosen Funks und als wertvolle Zeugnisse der Industriearchitektur um 1930 und 1960 unter Denkmalschutz gestellt. Wenig später zog hier eine Tierpension ein.

Die Anlage von 1929

Sie besteht aus mehreren roten Ziegelbauten: dem eigentlichen Funkgebäude, zwei vorgelagerten kleineren Bauten für Werkstatträume und die technische Versorgung und einem Wohnhaus.

Das Hauptgebäude, das nach Plänen von Muthesius ( 1927) entstand, ist ein mehrflügeliger roter Klinkerbau. Im zweigeschossigen Kopfbau, der mit seinem Walmdach recht konservativ wirkt und der auf den ersten Blick den Gesamteindruck der Anlage bestimmt, war die Verwaltung untergebracht, in dem rückwärtig anschließenden, ausgedehnten eingeschossigen Trakt die gesamte Funktechnik. Dieser Teil der Anlage zeichnet sich mit seinem Flachdach und seinen eleganten Ziegelfassaden durch eine moderne, betont sachliche Formensprache aus. Das unterscheidet das Schönefelder Funkgebäude auch von der Funkstation Nauen, die 1916 nach Entwürfen des gleichen Architekten errichtet worden war und die - eine wahre "Kathedrale der Technik" - noch deutliche Anklänge an die expressionistische Formensprache zeigt.

Die Ergänzungsbauten aus der DDR-Zeit

1959-62 wurde die Anlage um ein neues Funkgebäude, ein Pförtnerhaus und zwei Wachtürme erweitert. Das Funkgebäude, ein zweiflügeliger verputzter Stahlbetonbau mit flachgeneigtem Sattel- bzw. Pultdach über L-förmigem Grundriss, entstand nach einem Entwurf des Projektierungsbüros der Deutschen Post. Es ist ein gutes Beispiel für die „moderne“ Architektur der kurzen Phase zwischen dem konservativ-historisierenden Bauen der Stalin-Ära und dem in den 1960er Jahren einsetzenden Plattenbau.

Ihre historische Aussagekraft haben die Bauten auch in ihrer heutigen Funktion als Tierpension bewahrt. Mit dem „Pfötchenhotel“ ist eine Umnutzung gelungen, die auf den ersten Blick zwar ungewöhnlich erscheint, sich aber durchaus als denkmalverträglich erwiesen hat.

Marie-Luise Buchinger