Potsdam. Zur jüngsten Reparatur des Einsteinturmes

Auf dem Potsdamer Telegrafenberg waren im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts die Königlichen Observatorien für Astrophysik, Meteorologie und Geodäsie entstanden. Unter ihnen wurde in den zwanziger Jahren des folgenden Jahrhunderts der Einsteinturm gebaut, eine Anlage zur Beobachtung und Analyse des Sonnenlichts. Das Gehäuse für die Geräte hatte der Architekt Erich Mendelsohn entworfen.

Der Bau ist fernab von der zeitgenössischen traditionellen Architektursprache so prägnant geformt, dass sein Schöpfer mit diesem Erstling sogleich bekannt geworden war. Wie eine aus einem Stück in Beton gegossene Plastik ist der Turmkörper mit dem flachen Annex in kurvigen organischen Formen modelliert,

während der mit Erdreich bedeckte Sockel in spannungsvollem Gegensatz dazu aus geradlinig begrenzten Ebenen gebildet ist. Das monolithische Erscheinungsbild war durch einen vereinheitlichenden Bewurf über den teils gemauerten, teils betonierten und fugenlos miteinander verbundenen Bauteilen erzeugt worden. Mendelsohn hatte bei diesem Bau die Solidität seinem entschiedenen Willen zur Form geopfert. So kam es, dass er sich kaum fünf Jahre nach der Fertigstellung schon mit der ersten umfassenden Reparatur des Gebäudes beschäftigen musste.

Die unlösbaren Wasserableitungsprobleme der geböschten Großform in Kombination mit den Spannungsrissen, die die fugenlos verbundenen Baukonstruktionen verursachen, führen stets aufs Neue Schäden herbei, die in regelmäßigen Abständen repariert werden müssen, ohne dass sich die Ursachen

beseitigen lassen. Die jüngste und sehr profunde Bearbeitung des Bauwerks konnte 1999 zum Abschluss gebracht werden.

Dank der großzügigen Unterstützung der Wüstenrot Stiftung war es möglich, die Bauphase in gebotener Weise durch gründliche Quellen- und Substanzforschung vorzubereiten. Im Ergebnis dieser Arbeit konnte die Entwurfs-, Bau- und Reparaturgeschichte des Turms weiter erhellt werden und dieses Wissen hat die

Reparaturplanung deutlich geprägt.

Im Zuge der notwendigen Dichtungsarbeiten, Putzergänzungen und Betonsanierungsmaßnahmen konnte der Bau von zahlreichen technisch motivierten Zutaten aus früheren Reparaturphasen befreit und abschließend wieder im Sinne der Entstehungszeit gefärbt werden. Dadurch bietet sich die Architektur heute wieder sehr ähnlich dem nach der Fertigstellung für die zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts belegten Erscheinungsbild dar.

Nach der weitgehenden Wiederherstellung der ersten farbigen Raumfassung, die restauratorisch befundet werden konnte, bieten die Interieurs in dieser Beziehung ein dem äußeren Erscheinungsbild vergleichbares Erlebnis.

Die Planung und Durchführung der Reparaturmaßnahme lag bei dem Berliner Büro Pitz und Hoh, Werkstatt für Architektur und Denkmalpflege. Der Turm wird durch das Astrophysikalische Institut Potsdam genutzt.

Robert Graefrath