Brikettfabrik „Louise“, Lauchhammer 62, in Domsdorf

Die Brikettfabrik „Louise“ in Domsdorf (Landkreis Elbe-Elster) ist ein herausragendes technisches Denkmal von nationalem wie europäischem Rang. Die Fabrik ist signifikant für Braunkohlenbrikettfabriken der ersten Generation im Lausitzer Braunkohlenrevier. Das Revier war mit zeitweise bis zu 120 Brikettfabriken bedeutendster Standort der Braunkohlenbrikettierung in Deutschland. Gegenwärtig produziert hier nur noch eine Fabrik und es ist absehbar, dass die etwa 140-jährige Geschichte dieser Veredelungsindustrie im Land Brandenburg mittelfristig zu Ende geht.

Die Domsdorfer Brikettfabrik produzierte von 1882 bis 1991 fast ununterbrochen. Mit einer Produktionskapazität von zuletzt etwa 600 Tonnen pro Tag war „Louise“ eine der kleinsten Brikettfabriken des Reviers. Kernstücke der fast vollständig erhaltenen und weitgehend funktionstüchtigen technischen Ausrüstung sind die in der Fabrik vorhandenen Brikettpressen – die älteste stammt aus dem Jahr 1883, die jüngste kam 1985 zur Aufstellung. Es handelt sich dabei sowohl um Einstrang- als auch um Zwillingspressen. Weitere technikhistorische Besonderheiten mit hohem Denkmalwert sind zweifellos die

sechs Teller- und zwei Röhrentrockner. Die Dampfkesselanlage wurde sukzessive den wachsenden Produktionskapazitäten angepasst, was in der Fabrik „Louise“ in beeindruckender Weise nachvollziehbar ist. Bei ihrer Stillsetzung verfügte sie über elf Kessel verschiedener technikgeschichtlicher Genese. Das weithin in den Sichtachsen der Landschaft erkennbare Wahrzeichen der Brikettfabrik ist ihr Schornstein. Er ist freilich nicht mehr der aus dem Jahr 1882. Seit 1901 waren es zwei, die allerdings im Rahmen einer Kesselhauserweiterung dem jetzt noch existierenden weichen mussten. Im Zuge der denkmalgerechten Sanierung wurde er aus Sicherheitsgründen um einige Meter gekürzt.

Eine entscheidende Zäsur für die Betriebsentwicklung war die durchgängige Einführung der Elektroenergie.

Im Jahr 1908 ging die elektrische Kraftzentrale in Betrieb, in den 1920er und 1930er Jahren wurde sie in zwei Bauabschnitten erweitert. Den Strom produzierten zunächst zwei Schwungradgeneratoren – sie wurden Anfang der 1960er Jahre verschrottet – und ein Turbogenerator, der noch heute in der Kraftwerkshalle zu

besichtigen ist. Während der DDR-Zeit wurden, bis auf eine Kühlwindsichteranlage, keine wesentlichen Veränderungen im Produktionsablauf eingeführt.

Am 18. November 1991 presste die inzwischen legendäre Brikettpresse von 1883 das letzte Brikett. Bereits ein knappes Jahr später erfolgte die Aufnahme der Brikettfabrik Lauchhammer 62 unter ihrem traditionellen Namen „Louise“ als Gesamtensemble in die Denkmalliste des Landes Brandenburg. Die Trägerschaft für das zu entwickelnde technische Denkmal übernahm die Stadt Wahrenbrück. Seitdem konnten mit Mitteln der Bergbausanierung und der Denkmalpflege umfangreiche Sanierungs- und Rekonstruktionsmaßnahmen an Dächern, Bauwerken sowie der maschinellen Ausstattung durchgeführt werden. Leitbild der denkmalpflegerischen Entwicklung war die behutsame Sicherung und Instandsetzung der Baukörper unter Wahrung des Ensemblecharakters der gesamten Fabrikanlage im Kontext des bergbaulichen Umfeldes. So konnte die historische Authentizität gewahrt werden. Als besonders beeindruckendes Beispiel denkmalpflegerischen Handelns muss die Sanierung und Instandsetzung der technischen Anlagen und Maschinen gelten. Gegenwärtig können zwölf unterschiedliche Maschinen und technische Anlagen bei Führungen durch das begehbare technische Denkmal, das durch eine museale Präsentation ergänzt werden soll, in Funktion vorgeführt werden. Das damit verbundene Engagement des Vorsitzenden des Fördervereins Brikettfabrik Louise e. V. Jürgen Bartholomäus ehrte das Land Brandenburg mit einem Denkmalpflegepreis für das Jahr 2000.

Darüberhinaus hat am 4. Juni 2004 der Freundeskreis „Technisches Denkmal Louise“ für seine jahrelange engagierte Arbeit zur Erhaltung der Fabrik hohe internationale Anerkennung erfahren. Das technische Denkmal erhielt den Europa Nostra Award / Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe in der Kategorie Architektonisches Kulturerbe. Immerhin waren etwa 2000 Anträge aus vielen Ländern des Kontinents eingereicht worden und von den 41 ausgezeichneten Projekten sind nur ganze vier aus Deutschland. Vorgeschlagen wurde die Brikettfabrik vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum. Dietmar Kraußer, zuständiger Gebietsreferent, und Dr. Matthias Baxmann, Referent für technische Denkmale, erarbeiteten die für die Antragstellung notwendige Dokumentation der Werterhaltung und des gegenwärtigen Zustandes der Anlage. Der Preisstifter Europa Nostra ist der pan-europäische Zusammenschluss von mehr als 200 gemeinnützigen und nichtstaatlichen Organisationen für die Erhaltung des europäischen Kulturerbes. Von jeher pflegt die Europa Nostra enge Kontakte zum Europarat und zur UNESCO. Seit einigen Jahren intensiviert der Verband seine Zusammenarbeit mit der Europäischen Union, vor allem bei der Definition und der Umsetzung der EU-Politik auf dem Gebiet der Bewahrung des Kulturerbes. Die Ehrung nahmen in München der Fördervereinsvorsitzende, Jürgen Bartholomäus, und der Wahrenbrücker Bürgermeister, Andreas Claus – die Stadt Wahrenbrück ist Eigentümer des technischen Denkmals –aus den Händen des Präsidenten von Europa Nostra, Prinz Hendrik von Dänemark, entgegen. Gewürdigt wurde dabei die einzigartige Architektur der ältesten noch bestehenden Brikettfabrik Europas, die von 1882 bis 1991 fast ununterbrochen Braunkohlenbriketts produzierte. Der Preisstifter hob bei der Preisverleihung „die sorgfältige Restaurierung eines Industriekomplexes unter Berücksichtigung der ehemaligen Produktionsprozesse, ermöglicht durch die eindrucksvolle Ausdauer seiner Förderer“ hervor. Bemerkenswert ist weiter, dass die gesamte Technik noch komplett vorhanden und funktionstüchtig ist. Technikgeschichtlich besonders wertvoll ist die nach wie vor betriebsfähige Dampf-Brikettpresse aus dem Jahr 1883 sowie wie eindrucksvollen Teller- und Röhrentrockner aus der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert. Mit dem technischen Denkmal „Brikettfabrik Louise“ ist es gelungen, einen signifikanten Bereich regionaler Identität und Industriekultur zu erhalten und der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen. Bemerkenswert ist, dass die hohe Ehrung das industriekulturelle Erbe des Lausitzer Braunkohlenreviers auf eine Stufe stellt mit dem Bellevue Theatre im dänischen Klampenborg, mit Ausgrabungen antiker Tempelanlagen auf der griechischen Insel Naxos, der berühmten Markthalle im spanischen Valencia oder dem Federzimmer im Dresdner Schloss Moritzburg. Letztlich bestärkt diese Ehrung allen jene, die unermüdlich dafür streiten, dass die Zeugnisse unserer Industriekultur den selben Stellenwert und öffentliche Fürsorge erhalten, wie beispielweise sakrale Bauten, Schlösser oder imposante Bürgerhäuser der Jugendstilzeit.

Matthias Baxmann / Dietmar Kraußer