Schloss Meyenburg, Lkr. Prignitz. Die Sanierung aus der Sicht des praktischen Denkmalpflegers

Als die Gemeinde nach 1990 entschied, das Schloss auch zukünftig für öffentliche Zwecke zu nutzen, traf dies auf die Zustimmung der Denkmalpflege.

Da zu diesem Zeitpunkt kein konkretes Nutzungskonzept vorlag, wurde von Seiten der Denkmalpflege die Erhaltung der historisch bedeutenden Substanz des Bauwerks als Aufgabenstellung für die Planung formuliert. In jedem Planungsschritt und für jede gefundene Nutzung im Schloss musste die Denkmalverträglichkeit neu geprüft werden. Dieser über Jahre verlaufende Prozess ließ das abschließende Sanierungsergebnis allmählich entstehen.

 

Im Westflügel mussten die Räume des 19. Jahrhunderts vor allem renoviert werden, damit die städtische Bibliothek diese Räume beziehen konnte. Der Hauptbaukörper erforderte stärkere Eingriffe. Einerseits wies er starke baulichen Schäden auf, andererseits führte der Wunsch des Bauherrn nach einem größeren Veranstaltungsraum im Obergeschoss zu weiteren Eingriffen und Verlusten an historischer Bausubstanz. Hier wurde in den überkommenen Grundriss eingegriffen. Die Gestaltung eines ehemaligen Festsaals von etwa 1860 wurde auf den neu entstandenen Veranstaltungsraum übertragen. Eine neue Treppe wurde für diese Nutzung erforderlich.

Die behindertengerechte Herrichtung des Schlosses für die Museumsnutzung erforderte einen Fahrstuhl. Als Standort für ihn bot sich die Mauer östlich des Haupteingangs an, weil er damit alle Niveaus im Gebäude erreicht hätte. Eine bauhistorische Dokumentation dieser Wand ergab jedoch ihren hohen historischen Aussagewert für das Schloss. Hier kamen sowohl im Erd- wie im Obergeschoss die Reste von Fensteröffnungen und Kaminen zum Vorschein. Gerade letztere regten zur Rekonstruktion an, was nicht unbedingt dem Wunsch der Denkmalpflege entsprach. Für den Aufzug musste ein anderer Platz gesucht werden. Dieser schien im Ostflügel gefunden. Doch traten hier die archäologischen Befunde in einer Dichte zum Vorschein, wie sie Niemand vermutet hatte. Die Öfen zwangen zu erneuten planerischen Änderungen und führten im Endeffekt zu dem Treppenhausanbau auf der Ostseite dieses Flügels. Und es entstand der Wunsch, zu einem späteren Zeitpunkt auch diese Befunde in situ zu präsentieren.

Der langwierige Prozess des Planens und Bauens hatte den Effekt, dass über jeden Schritt ausführlich diskutiert, wodurch die Akzeptanz auch bei schwierigen denkmalpflegerischen Entscheidungen erreicht werden konnte. So wurde beispielsweise die Gewölbemalerei aus dem 16. Jahrhundert, die im Turmzimmer des ersten Obergeschosses freigelegt wurde, lediglich konserviert und präsentiert sich im Original. Auf eine Restaurierung wurde verzichtet.

Nach der nunmehr abgeschlossenen Gesamtsanierung bietet das gesamte Schloss ein heterogenes Bild, das nicht alleine dem langen Planungs- und Ausführungszeitraum geschuldet ist. Vielmehr war es einerseits in der Baugeschichte des Schlosses vorgegeben und andererseits den aus den verschiedenen Nutzungen entsprungenen Anforderungen geschuldet. Das Gesamtergebnis ist denkmalpflegerisch positiv zu beurteilen.

Georg Frank, 22.04.2006