Schloss Neuhausen in der Prignitz. Restaurierung der Renaissancemalerei

Über einem Keller der Burganlage aus dem 15. Jh., erhebt sich ein barocker Baukörper von 1720 – 1738, der einen zweijochigen, kreuzrippengewölbten Raum des 16. Jh. einschließt.

In diesem haben sich Reste einer Ausmalung der Zeit um 1570 erhalten. Diese waren bereits um 1905 zutage getreten und wurden durch den Berliner Kirchenmaler A. Olbers großflächig ergänzt und retuschiert. Sie blieben seitdem offen sichtbar, auch als der Raum nach 1945 vielen profanen Nutzungen diente. Die Malerei wurde 1959 erneut restauriert.

1993 übernahm das Architektenpaar Küsell das Schloss von der Gemeinde und erwarb in der nächsten Zeit auch die Reste der daneben befindlichen mittelalterlichen Burganlage.

Der Schlossbau war durch mangelnde Bauunterhaltung und die Plünderung seit etwa 1970 in einem äußerst desolaten Zustand. Eine erste Förderung 1992 ermöglichte der Gemeinde die Sicherung des Daches über dem Seitenflügel, in dem sich der Gewölberaum befindet. Eine zweite Förderung 1994 ermöglichte es den Eigentümern, den Dachstuhl des Hauptbaus zu sanieren und ihn neu einzudecken. Alle Bemühungen, ein Nutzungskonzept in Richtung Beherbergung Gastronomie umzusetzen, scheiterten jedoch an den Finanzierungsmöglichkeiten.

Daher haben die Eigentümer mit eigenen Mitteln und viel Eigenleistung einzelne Räume in einen benutzbaren Zustand gebracht. So wurden die gewölbten Kellerräume für gastronomische Zwecke hergerichtet und einzelne Räume des Erd- und des Obergeschosses benutzbar gemacht.

In dieser finanziell schwierigen Situation haben sich die Eigentümer für die Erhaltung der Malerei eingesetzt, in dem sie sich um Fördermittel bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Landkreis bemühten. Selbstverständlich haben sie auch eigene Mittel einsetzen müssen.

Die Erarbeitung eines Konzeptes für die Konservierung und Restaurierung der Malerei sowie die anschließende Durchführung lagen in den Händen des erfahrenen Restaurators Hochsieder aus Heinrichsdorf bei Rheinsberg und erfolgten in enger Abstimmung mit den Mitarbeitern des Landesamtes. Es bestand Übereinstimmung in der Festlegung, dass die Eingriffe der beiden Restaurierungen (1905 und 1959) in die ursprüngliche Malerei erhalten bleiben sollten. Partielle Retuschen waren zur Herstellung eines einheitlichen Erscheinungsbildes beabsichtigt. An stark beschädigten Partien der Malerei wurden auch umfangreichere Retuschen zugelassen, um die Lesbarkeit der Gemälde zu verbessern. Durch eine farbliche Angleichung der übrigen Wandflächen erhielt der Raum eine stimmige Gesamterscheinung.

Das Land Brandenburg hat das Engagement der Eigentümer für die Erhaltung des Schlosses und insbesondere für seinen Einsatz zur Restaurierung der Malerei aus der Renaissance in der sogenannten Kapelle mit dem Denkmalpflegepreis 2004 gewürdigt.

Georg Frank