Löwenbruch, Lkr. Teltow-Fläming, Dorfstraße 34 - ältestes Wohnwirtschaftsgebäude in Löwenbruch

Denkmalschutz allein ist keine Garantie dafür, dass ein Gebäude erhalten werden kann, es bedarf dafür einer entsprechenden Instandhaltung und Nutzung. Fehlen diese beiden Grundvoraussetzungen ist der Niedergang wie im Falle des Wohnwirtschaftsgebäudes Dorfstraße 34 in Löwenbruch meistens langfristig nicht aufzuhalten. Das Haus soll, auf Grund des jahrelangen Leerstands und des dadurch verursachten sehr schlechten bauphysikalischen und – aus ökonomischer Sicht – irreparablen Zustands, abgerissen werden. Die Aufgabe der Bauforschung war, im Zuge einer Abriss-Dokumentation den Bau in seinem heutigen Zustand zu überliefern und für die Erforschung ländlicher Architekturgeschichte in Brandenburg den größtmöglichen Erkenntnisgewinn aus der Geschichte des Hauses zu erzielen. Die bauhistorische Untersuchung umfasste laut Aufgabenstellung der Unteren Denkmalschutzbehörde ein verformungsgerechtes Aufmaß (Maßstab 1:50), eine Fotodokumentation, ein Raumbuch sowie eine dendrochronologische Bestimmung der Entstehungszeit des Hauses.

Die dendrochronologische Untersuchung ergab für den Kernbau des Hauses eine Bauzeit um 1701/02 (d) (Kiefernholz). Damit war das Gebäude einerseits älter als die im Jahre 1716 eingeweihte Dorfkirche, andererseits gehörte es nicht zur unmittelbaren Wiederaufbauphase nach der Zerstörung des Dorfes im 30-jährigen Krieg (1637).

Das Mittelflurhaus mit Zugang von der östl. Giebelseite war als reiner Fachwerkbau mit drei Bundwänden auf einem Fundament aus Feldsteinen errichtet worden. Die Gefache wurden mit Staken und Lehmwickeln gefüllt und anschließend mit Lehm verputzt. Die Fassaden des Gebäudes waren fachwerksichtig, nur der Giebel der Westseite war verbrettert. Die Ständer wurden durch zwei Riegelketten verbunden und mit Diagonalstreben ausgesteift. Das Haus war nicht unterkellert. Die Diele diente gleichzeitig als Küche und besaß einen Durchgang zum Wirtschaftsteil, der in Nord-Süd-Ausrichtung die gesamte Breite des Hauses einnahm. Im Gegensatz zum Wohnbereich lag das Fußbodenniveau im Wirtschaftsteil um 0,70 m niedriger. An Stelle eines festen Bodenbelags war hier loser Sand eingestreut. Es handelte sich offenbar um einen Lagerraum. Südlich der Diele befanden sich eine Stube und eine Kammer, nördlich der Diele lagen zwei weitere Kammern. Besonders bemerkenswert war die Zweiteilung der Deckenbalken im Wohnteil bei dreizoniger Grundrisseinteilung – niedrige Holzbalkendecken mit Lehmeinschub für die Wohnstube und Schlafkammer, höhere Holzbalkendecken mit/ohne Bohlenabdeckung zum Dachraum für Diele/Küche und die nördlich angrenzenden Kammern. Alle inneren Wandflächen des Wohnteils aus der Entstehungszeit waren mit Lehm verputzt und mit einer Kamm-Ritzung versehen. Die Lage der bauzeitlichen Fenster- und Türöffnungen in den Fassaden konnte nicht mehr nachgewiesen werden. Der große Sparrenabstand von durchschnittlich 2,30 Meter ist ein Indiz dafür, dass das Gebäude bauzeitlich vermutlich eine Weichdeckung mit Stroh besaß.

Drei größere Umbauphasen lassen sich am Gebäude ablesen

Die ersten umfassenden Veränderungen am Gebäude sind entsprechend der Inschrift an der Westfassade in die Zeit um 1852 zu datieren. Das offensichtlich defekte Fachwerk wurde an den Ost-, Süd- und Westwand durch massives Ziegelmauerwerk ersetzt. Mit Ausnahme der Westfassade hatte sich von der Fassadengestaltung aus dieser Umbauphase nichts erhalten. Im Inneren wurde der Wohnteil mit weitgehend massiven Wänden stärker unterteilt. Fortan gab es u.a. zwei beheizbare Stuben mit Kammer, eine Schwarze Küche mit Vorratskammer und Abgang zum neu angelegten Kellerraum. Darüber hinaus erhielt er eine einheitliche Deckenhöhe.

Die Datierung der zweiten Umbauphase ergibt sich aus stilistischen Zuordnungen. Die Kochmaschine, die Ofentür für den Hinterlader und die Türen mit Schippenbändern verwiesen auf ihre Entstehung in den 1880/90er Jahren. Dieser Umbau war geprägt von der weiteren Modernisierung und Anpassung des Wohnteils an die veränderten Arbeits- und Lebensverhältnisse der Bewohner. In der Schwarzen Küche wurde eine Kappendecke mit einer kleinen Öffnung zum Schlot für die Nutzung als Räucherkammer eingezogen, die Herdstelle von 1852 durch eine Kochmaschine mit Waschkessel ersetzt und die Wand zur Vorratskammer entfernt. In den Stuben wurden die Leuchtkamine vermauert bzw. als Wandschrank genutzt und ein neuer Hinterladerofen errichtet, der weiterhin von der Küche aus beheizt wurde. Die wichtigste Veränderung war die Vergrößerung der Kammer im Norden in den Stallteil hinein, die auch einen Zugang von der Dorfstraße erhielt.

Die dritte Umbauphase fällt in die Zeit zwischen 1880/90 und 1915. Sie erschließt sich daraus, dass erneute Veränderungen einerseits nicht mehr zu den Umbauten in den 1880/90er Jahren gehörten und andererseits bereits vor dem Anschluss des Gebäudes an die Stromversorgung im Jahre 1915 vorhanden waren. Der Wohnteil erhielt einen zusätzlichen Zugang an der Südseite. Offensichtlich verlagerte sich damit auch die Haupterschließung des Hauses, denn die Bodentreppe wurde in den neuen Flur versetzt. Der alte Eingang an der Ostseite scheint fortan vorwiegend für den Empfang von Besuch genutzt worden zu sein. Die Stuben bekamen an Stelle des Hinterladers je einen freistehenden Kachelofen, die Ofennische wurde vermauert und die Verbindung zwischen Wohn- und Wirtschaftsteil zugesetzt.

Die letzten baulichen Veränderungen stammten wohl aus den 1960/70er Jahren. Dabei wurde die Nord-, Ost- und Südfassade mit Zementputz versehen.

Das Mittelflurhaus Dorfstraße 34 von 1701/02 (d) war das älteste erhaltene Gebäude in Löwenbruch. Die Befundlage ermöglichte eine weitgehende Rekonstruktion der Baugeschichte des Hauses und machte die 300jährige Entwicklung einfacher Wohnverhältnisse auf dem Land ablesbar. Bauzeitlich könnte das Gebäude Teil eines größeren Gehöfts gewesen sein, denn für eine landwirtschaftliche Hofnutzung wäre die Ausstattung nur sehr unzureichend gewesen (keine Scheune und/oder Viehställe).

Alexander Krauß

Detlev von Olk