Überraschung in Fürstlich Drehna, Lkr. Dahme-Spreewald

Dorfkirche in Fürstlich Drehna, Mauerwerkskartierung (Plan: Sybille Haseley, BLDAM)
Dorfkirche in Fürstlich Drehna, nördliches Querhaus (Wera Groß, BLDAM)

Die am nordöstlichen Rand des Lindenplatzes gelegene ev. Pfarrkirche des Ortes, eine kreuzförmige Saalkirche mit neogotischer Fassadengestaltung, galt bislang als Neubau von 1895 mit nur wenig älterem Turm. Nur die Sakristei schien Rest eines mittelalterlichen Vorgängerbaus zu sein. Diese Einschätzung muss jetzt revidiert werden: Parallel zu Instandsetzungsmaßnahmen im Innern der Kirche führten Mitarbeiter des BLDAM im Juli 2002 eine Bauforschung an den freigelegten Bereichen durch und machten eine unerwartete Entdeckung. Unter dem Putz verbarg sich ein in großen Teilen erhaltenes, spätmittelalterliches Mischmauerwerk aus verschiedenen Bauphasen. Spätmittelalterliches Mischmauerwerk aus Raseneisenstein und Ziegeln, gegründet auf einem Feldsteinfundament und drei bis vier Ziegellagen, findet sich im Langhaus bis zur Traufe sowie in geringerem Maße in beiden Querhäusern. An den Langhauswänden fanden sich je eine zugesetzte bauzeitliche Fensteröffnung und an der südlichen Wand Reste der ursprünglichen Türleibung. Eine vertikale Baunaht im westlichen Langhausbereich, an die sich ebenfalls mittelalterliches Mischmauerwerk anschließt, lässt eine nachträgliche Erweiterung des Langhauses nach Westen – kurz nach Erbauung – oder eine längere Bauunterbrechung vermuten. Im nördlichen Querhaus zeichnen sich auf halber Höhe der heutigen Wand die Ansätze eines flachen Kreuzgratgewölbes ab.

Zwischen Erbauung und dem 19. Jahrhundert liegt vermutlich eine weitere Bauphase, in der Fensteröffnungen verändert und eine erste Holzempore eingezogen wurde. Zusammen mit Informationen aus der Kirchenchronik lassen sich die ursprüngliche Gestalt und die nachfolgenden Umbaumaßnahmen an dieser spätmittelalterlichen Kirche mit hoher Wahrscheinlichkeit rekonstruieren. Es handelte sich um eine kreuzförmige Saalkirche mit kreuzgratgewölbten Querhäusern, die 1895 verbreitert und erhöht wurden. Wie auf einer historischen Fotografie aus der Zeit vor dem Umbau erkennbar, gab es anstelle der heutigen vier nur je drei Fensteröffnungen im Langhaus sowie eine später verschobene Türöffnung in der südlichen Längswand. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche um einen Turm in Raseneisenstein-Mauerwerk erweitert. Der so genannte Kirchenneubau von 1895 entpuppt sich also lediglich als Umbaumaßnahme, bei der der polygonale Chor neu errichtet, die Querhäuser verbreitert und mit Stufengiebeln versehen sowie vermutlich neue Fensteröffnungen im Langhaus eingefügt wurden. Durch modernen Putz und Ziegelrahmungen erhielt der Bau sein bis heute typisch historistisches Erscheinungsbild. Im Inneren wurde die Vierung mit einem Kreuzrippengewölbe versehen und eine neue Holzempore eingebaut. Ein Brand zerstörte im Jahr 1945 die Innenausstattung des 19. Jahrhunderts, so dass der heutige Raumeindruck durch einen schmucklosen Putz von 1951 geprägt wird.

Sybille Haseley