Schrittweise Restaurierung der Ausstattungsobjekte der Nikolaikirche zu Luckau

In einzigartiger Weise finden sich in der Nikolaikirche zu Luckau historische Ausstattungsobjekte in großer Zahl versammelt: angefangen bei den Emporen, den Treppen und Logen, dem Gestühl, den Grabmählern, den Epitaphien, den Pastorenbildnissen, bis hin zu den Prinzipalstücken, der Orgel, der Taufe, der Kanzel und dem Altar.

Nach dem großen Brand von 1644 und dem darauf hin einsetzenden Wiederaufbau der Kirche begann eine umfassende Neugestaltung des gesamten Innenraumes. Neben örtlichen Handwerksmeistern wurden bedeutende Künstler aus den sächsischen Kunstzentren (aus Leipzig, Torgau, Großenhain, Doberlug) verpflichtet.

Das überkommene Gesamtensemble stellt in seiner Vollständigkeit ein einzigartiges Denkmal dar, das es zu erhalten gilt. Dabei ist der Umstand, dass sich alle Objekte weitgehend in ihrem originalen Zustand präsentieren, das heißt, mit ihrer originalen Farbfassung, von entscheidender Bedeutung.

Zustand

Bei den verschiedenen in der Vergangenheit unternommenen Versuchen, den überkommenen Bestand zu erhalten, blieben die Eingriffe und Veränderungen am wertvollen Bestand der Ausstattung gering. Allerdings haben sich im Laufe der Jahrhunderte teils massive Schäden an den empfindlichen Kunstwerken eingestellt. Schädlingsbefall (durch den Holzwurm) haben den hölzernen Objekten zugesetzt. In der Substanz stark geschwächt sind einzelne Teile der Schnitzereien abgebrochen. Die Malschicht an den hölzernen Objekten hat sich durch Schwankungen des Raumklimas gelockert und ist teilweise verloren gegangen.

Restaurierung

Nachdem endlich vor zehn Jahren mit der grundlegenden Bausanierung der Kirche begonnen werden konnte, wurde die Behebung der teilweise gravierenden Schäden an den zahlreichen Einzelobjekten immer dringlicher.

Für die äußerst komplexen und vielfältigen Restaurierungsaufgaben an den Objekten aus unterschiedlichen Materialien – Putz, Stein, Holz, Leinwand – und verschiedensten Schadensursachen sind jeweils praktikable Ausführungskonzepte zu entwickeln. Grundsätzlich gilt: Alle originalen Oberflächen mit ihren Farbfassungen sind zu erhalten, notwendige Ergänzungen sind zurückhaltend auszuführen, um den einzigartigen Gesamteindruck des historischen Kirchenraumes nicht durch zu starken Glanz oder zu grelle Farben zu zerstören.

Durch die Restauratoren des Landesamtes für Denkmalpflege wurden seit 1996 erste Untersuchungen und Arbeitsproben vorgenommen – so z.B. bei der Raumfassung, dem Altaraufsatz, der Taufe und dem Adami-Epitaph.

Seitdem wird versucht, in Abhängigkeit der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel, die Restaurierung der wertvollen Ausstattungsobjekte schrittweise voranzubringen.

Bisher erfolgte Restaurierungen:

Altaraufsatz

Der Altaraufsatz wurde 1670 von Abraham Jäger aus Doberlug, geschaffen, die Gemälde schuf Christoph Krause aus Großenhain. 1665 stifteten der Bürgermeister Christph Hentzsche und seine Frau für diesen 106 Thaler.

Die Restaurierung des Altars begann 2001/02 und konnte 2004–05 abgeschlossen werden.

Schon von Weitem waren großflächige Farbschichtverluste in bestimmten Bereichen des Hauptbildes sichtbar. Andere Schäden waren in ihrem ganzen Ausmaß erst vom Gerüst aus sichtbar: besonders die oberen Bereichen waren teilweise extrem verschmutzt. In den Tiefen des Schnitzwerkes hatte sich die Fassung gelöst und war aufgerollt. Dazu kamen die Schäden durch Holzwurmbefall – Brüche und Verluste von einzelnen Ranken.

Die Hauptursache der Malschichtverluste ist dem Einfluss von Klimaschwankungen in Verbindung mit den material- und maltechnischen Gegebenheiten zu schulden. Holzobjekte reagieren besonders schnell und direkt auf Schwankungen der Luftfeuchte, was zu Lockerungen bis hin zum Ablösen und Verlust von Malschichten führt. Ebenso konnte eine Abhängigkeit der Malschichtlockerungen von der Sonneneinstrahlung beobachtet werden.

Die Restaurierung wurde durch ein Team von freischaffenden Restauratoren ausgeführt. Einen großen Anteil beanspruchte dabei die Festigung der gelockerten Farbfassung. Die zahlreichen Fehlstellen in der Malschicht wurden durch Farbretuschen eingetönt.

Epitaph B. Adami

2003 konnte die Restaurierung des Adami-Epitaphs abgeschlossen werden.

Besonders die empfindlichen Schnitzereien im oberen Bereich – für die Äste des Apfelbaumes wurden echte Zweige verwendet - waren durch Abbrüche geschädigt.

Die von zwei kleinen Engeln getragene Krone hing zerbrochen nur noch an einem provisorischen Sicherungsdraht.

Besonders auffällig markierten sich die starken Schmutzablagerungen auf der weißen Fassung.

Die Restaurierungsmaßnahmen umfassten im Wesentlichen auch hier: eine Festigung der gelockerten Malschicht, eine Trockenreinigung, sowie Verleimungen der Bruchstellen und abschließende Farbretuschen der Fassungsfehlstellen.

Stark entstellt waren auch die Leinwandgemälde mit den Porträts der Stifter, die ausgebaut separat restauriert und wieder eingesetzt wurden.

Taufe

Die Taufe wurde ebenfalls durch Abraham Jäger geschaffen, die sehr schönen Gemälde stammen von Christoph Dierich. Bereits 1653 stiftete Heinrich von Stutterheimb auf Golsen 180 Thalern für die Taufe.

Die Restaurierung der Taufe erfolgte 2000-2001 durch einen freischaffenden Restaurator in der Werkstatt des Denkmalamtes, nachdem die Bekämpfung des Holzwurmbefalls durch eine Stickstoffbegasung durchgeführt wurde.

Es ist sehr zu hoffen, dass die notwendigen Restaurierungsmaßnahmen an den übrigen Ausstattungsstücken in den nächsten Jahren, nach und nach, fortgesetzt werden können. Dies ist dringend notwendig, weil deren Erhaltungszustand den eben beschriebenen entspricht und die Schäden von Jahr zu Jahr fortschreiten.

Der bisher erreichte Arbeitsstand, das große Engagement aller Beteiligten, insbesondere der Kirchgemeinde stimmt hoffnungsvoll.

Werner Ziems