Caputh bei Potsdam. Das Sommerhaus von Albert Einstein wurde 2003-2005 gesichert und instandgesetzt

1929 plante und baute der damals noch relativ unbekannte Architekt Konrad Wachsmann ein Holzhaus mit massivem Kellerbau als Sommerhaus für den berühmten Albert Einstein.

Die Wandkonstruktion ist eine Fachwerkkonstruktion mit Wärmedämmung durch Torfplatten – als „Karbolineum“ bezeichnet -in den Außenwänden und je eine Lage Isolierpappe nach außen und innnen. Die Außenhaut des Gebäudes besteht aus einer jalousieartigen Bretterverkleidung. Es wurde vor allem Tannenholz verwendet, während die beiden Hauptbalken des Wohnzimmers aus Oregon-Pinie bestanden. Die Raumaufteilung und Dimensionierung der Räume entwickelte Wachsmann nach den Vorstellungen der Familie Einsteins. So sind alle Räume bis auf das Wohnzimmer mit Kamin relativ klein dimensioniert. Im Obergeschoss sind die drei vorhandenen Räume mit begehbaren Wandschränken mit Waschbecken ausgestattet.

Einstein selber konnte sich nur bis Ende des Jahres 1932 an diesem Haus erfreuen, dessen Atmosphäre und ruhige Umgebung er auch sehr genoss. Die intensive Nutzung des Hauses in den folgenden Jahrzehnten hinterließ Spuren, deren Behebung nach ersten Bemühungen direkt nach dem Krieg gegen Ende der 70er Jahren ein Anliegen der staatlichen Denkmalpflege der DDR war. Konnte damals noch Konrad Wachsmann selbst um sein Urteil über die erfolgten Restaurierungs- und Rekonstruktionsbemühungen gebeten werden, so wurden im Juni 2003 Schüler des berühmten Architekten, Denkmalpfleger und weitere Experten zu einem Kolloquium geladen. In diesem wurde das geplante Restaurierungskonzept kontrovers diskutiert. Hierbei stand die Frage der Authentizität im Zentrum der Diskussion. Ein Grundtenor der Wachsmann-Schüler in der Auseinandersetzung mit denkmalpflegerischen Positionen kam zum Ausdruck in der Formulierung: “Wachsmann selber hätte eher Holzelemente ersetzt, als die Außenverkleidung des Hauses durch möglicherweise aufwendige Abnahme von Anstrichen zu erhalten.“

Die Sicherung und Instandsetzung des Gebäudes wurde vom jetzigen Besitzer – der Hebrew University Jerusalem beauftragt, von der Cornelsen Kulturstiftung gefördert und von 2003 bis 2005 durchgeführt. Hierbei konnte die jalousieartige Außenverkleidung erhalten werden, da die entstellenden deckenden Anstriche schonend abgenommen werden konnten und die Oberfläche entsprechend der nachgewiesenen Farbgebung wieder lasierend eingetönt wurde. Die im Schatten liegenden Bereiche hinter Fensterläden und unter dem Dachüberstand zeichnen sich weiterhin ab und das gealterte und verdunkelte Erscheinungsbild durch Oxidation in den übrigen Bereichen blieb erhalten.

In allen Räumen bis auf das Wohnzimmer, in dem bereits bei der Instandsetzung der 70er Jahre die Wandverkleidung ersetzt wurde, wurden die originalen Wandverkleidungen und der originale Wandaufbau mit der originalen Wärmedämmung erhalten. Hierzu wurden die Installationen der Haustechnik in den Wänden gefädelt, soweit es möglich war und nur nach sorgfältigem Abwägen einzelne Elemente der Wandverkleidung abgebaut.

Durch eine schonende Abnahme von stark glänzenden und rötlich verdunkelten Überzügen der 50er und 70er Jahre wird die originale, nur mit einem leicht transparenten Überzug versehene Holzoberfläche der Sperrholzplatten wieder erlebbar.

Im äußeren Erscheinungsbild wirkt sich die Rückführung der Entwässerung der Terasse über eine innen liegende Dachrinne sehr positiv aus. Hierfür wurde der Deckenaufbau zwischen Dachterrasse und Wohnzimmer allerdings mit modernsten Materialien zur Abdichtung ausgestattet.

Das Ziel der Instandsetzung des Einsteinhauses – der Erhalt eines authentischen Zeugnisses des frühen Wirkens Konrad Wachsmanns und der Wohnumgebung Albert Einsteins ohne museale Inszenierung – kann als gelungen bezeichnet werden. Der Erhalt der originalen Substanz beschränkte sich nicht auf die sichtbaren Oberflächen. Es wurde gleichermaßen um den Erhalt des originalen Wandaufbaus mit den verschiedenen Dämmmaterialien und die durchdachte Haustechnik gerungen.

M. N-M.