Forschungen zur Archäologie im Land Brandenburg Band 17, Markus Agthe, Kirchen zwischen mittlerer Elbe und Bober

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danach 111,00 €

Kirchen zwischen mittlerer Elbe und Oder
Untersuchungen zu Aspekten der archäologischen Denkmalpflege und Baugeschichte


Wünsdorf 2017 

Hrsg.: Franz Schopper

373 Seiten, 740 Abbildungen,1 Klapptafel A3 

Die Arbeit erfasst ca. 620 Kirchen- und Kapellenstandorte im Nordosten des mittelalterlichen Bistums Meißen, wobei das Arbeitsgebiet den Süden des Landes Brandenburg sowie Teile Sachsens, Sachsen-Anhalts und der Republik Polen einschließt. Für alle Sakralbauten erfolgte eine Auswertung bezüglich ihrer archäologischen, baugeschichtlichen, urkundlichen und archivalischen Überlieferung. Wichtigste Grundlage dafür bildet die Sichtung von Materialien aus etwa 220 archäologischen Ausgrabungen. Ziel war es, die Entwicklung des Kirchenbestandes zu rekonstruieren und dadurch zu besiedlungsgeschichtlich relevanten Aussagen zu gelangen.

Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Darstellung von archäologischen Befunden, die auf das Vorhandensein von Vorgängerkirchen hindeuten. Steinerne Vorgängerbauten treten fast ausschließlich an Stadt- und Klosterkirchen auf. In der Mehrzahl sind die nachweisbaren Vorgänger von Dorfkirchen Holzbauten. Sie lassen sich archäologisch durch Spuren von Holzpfosten, mehrere parallel liegende oder einzelne in den Boden eingegrabene Holzbalken oder Unterlegsteine für die Schwellbalken nachweisen. Holzkirchen, die auf Pfosten und eingegrabenen Balken gegründet waren, können in den Zeitraum vom Ende des 12. bis zum Anfang des 13. Jhs. datiert werden. Die Gründung  auf Unterlegsteinen ist eine jüngere Entwicklung und ab dem 14. Jh. belegt.

In einigen Kirchen haben sich Bauhölzer erhalten, die sehr wahrscheinlich von älteren Holzkirchen stammen und in den nachfolgenden Steinbauten wiederverwendet wurden. So sind z. B. Überreste von Schwellbalken, tragenden Ständern und Wandbauteilen wie Planken und Bohlen überliefert. Eichene Spaltbretter mit Nut können von Wandverkleidungen herrühren. Dendrochronologische Datierungen stellen die erschließbaren Holzkirchen in den Zeitraum von um 1200 bis in die erste Hälfte des 13. Jhs.

Die Zusammenschau der Untersuchungsergebnisse verdeutlicht, dass man die ersten Kirchen als Holzbauten zeitgleich mit der im späten 12. Jh. einsetzenden Besiedlung des Arbeitsgebiets während der Ostsiedlung errichtete. Eine Überprägung slawischer Kultstätten ist nicht zweifelsfrei nachweisbar. Danach verlief die Entwicklung innerhalb des Arbeitsgebiets recht unterschiedlich. Vor allem im Westteil entstanden relativ bald – etwa um die Mitte des 13. Jhs. – steinerne Kirchen. Ausweislich von Dendrodaten dauerte es annähernd 25–80 Jahre, also ein bis drei Generationen, bevor die ersten Steinkirchen fertiggestellt waren. An anderen Standorten folgte auf die ersten Holzkirchen mindestens eine weitere Holzkirchengeneration, bevor man im 15. Jh. steinerne Gotteshäuser erbaute. In wieder anderen Gegenden herrschen bis heute Holzbauten in Gestalt von Fachwerkkirchen vor.

Die Ursachen für den regional unterschiedlichen Beginn des Steinkirchenbaus sind vielschichtig. Beispielhaft wurden die Einflüsse der oberflächennahen Geologie und der Geomorphologie, des Bodens, der Lage an Verkehrswegen, von weltlicher Herrschaft und kirchlicher Institution sowie von Religiosität und Frömmigkeit untersucht.  Wie sich zeigte, kamen all diese Faktoren mit unterschiedlichem Gewicht zum Tragen.

Auf der Basis aller untersuchten Befunde, Funde und Fakten folgt abschließend der Versuch, den Bestand an Kirchen für den Zeitraum vom 13. bis zum 15. Jh. zu ermitteln. Im Ergebnis ist für die im Verlauf der Ostsiedlung neu besiedelten Gebiete zu schlussfolgern, dass die Mehrheit der um 1500 fassbaren Kirchen bereits im 13. Jh. bestanden hat. In den slawischen Altsiedellandschaften war die Situation anscheinend eine andere, wie am Beispiel des Siedlungsgebietes der Lusizi herausgearbeitet wurde. Möglicherweise gab es hier bis in das 13. Jh. hinein keinen nennenswerten Kirchenbestand. Über die Hintergründe lässt sich im Augenblick nur spekulieren.

The present work covers some 620 churches and chapels located in the north-east of the medieval bishopric of Meissen, covering an area which includes the southern region of Brandenburg as well as parts of Saxony, Saxony-Anhalt and the Republic of Poland. These sacral buildings were appraised regarding their archaeological, architectural, documentary and archival records. The study is primarily focussed on the classification of material from around 220 archaeological excavations. The aim was to reconstruct the development of church building and thus to arrive at conclusions relevant to settlement history.
One key aspect of the work is the investigation of archaeological contexts that indicate phases of earlier church building. Early stone-built edifices of are almost exclusively associated with town and monastery churches. Most of the verifiable predecessors of village churches are, however, timber-framed buildings, archaeologically recognisable from traces such as wooden posts, parallel and single wooden beams dug in the ground, or stone foundation pads for sill beams. Wooden churches built using post and beam construction were common from the end of the twelfth to the beginning of the thirteenth century. Foundation construction that employed stone is a more recent development dating from the fourteenth century onwards.
Several churches display timber that most probably originated from older wooden churches and was reused in the subsequent construction of the stone buildings. Hence remnants of, for example, sill beams, load-bearing posts and wall components such as planks and boards are recycled. Grooved oak planks possibly originate from wall panelling. Dendrochronological dating place the timber-framed churches in the period from around 1200 to the first half of the thirteenth century.
A summary of the results of the investigation shows that the first timber-framed churches in the study area were contemporary with the settlement occupation of the German eastward expansion, which began in the late twelfth century. The acquisition of Slavic ritual sites remains unproven. Subsequent development within the study area was uneven. Mostly in the western part, stone-built churches were erected relatively soon – around the middle of the thirteenth century. Per dendrochronological data, it took from 25 up to 80 years (one to three generations) before the first stone-built churches were completed. At other locations, the first wood-built churches were followed by at least one other phase of wooden construction, before stone-built churches replaced them in the fifteenth century. Again, in other regions wooden structures are still present in the form of half-timbered churches.

The reasons for the regional variance observed in the start of church building in stone are diverse. The influence of, for example, surface geology and geomorphology, soil, traffic routes, governance and ecclesiastical institutions as well as religiousness and piety were investigated. As shown, these factors were of varying importance.
Based on the investigation of all the contexts, finds and facts, an attempt was made to determine the number of churches built in the period from the thirteenth to the fifteenth century. It can be concluded that in the regions newly acquired during the German eastward expansion, most of the around 1,500 known churches already existed in the thirteenth century. In old Slavic settlement regions, for example those of the Lutici, the situation was apparently different​​. Very possibly, no significant number of churches were built here until well into the thirteenth century. The reasons for this are, at present, speculative.  

 

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