Forschungen zur Archäologie im Land Brandenburg 11

Wie die Mark entstand
850 Jahre Mark Brandenburg

Zum Inhalt

Im Jahr 2007 feierte das Land Brandenburg das 850-jährige Bestehen der Mark Brandenburg mit zahlreichen Veranstaltungen, Tagungen und Ausstellungen. Anlass für dieses Jubiläum war die endgültige Eroberung der Brandenburg durch den Markgrafen Albrecht den Bären am 11. Juni 1157. Dieser nannte sich seitdem „Markgraf von Brandenburg“, was eine am 3. Oktober desselben Jahres ausgestellte Urkunde belegt.

Im Rahmen der Feierlichkeiten fand auch die interdisziplinäre Fachtagung „Wie die Mark entstand. 850 Jahre Mark Brandenburg“ statt, zu der Archäologen, Historiker, Kunsthistoriker und Naturwissenschaftler zusammenkamen. Ziel war es, das historische Jubiläum mit all seinem Für und Wider von wissenschaftlicher Seite aus aufzuarbeiten und zu problematisieren. Der größte Teil der dabei vorgestellten Forschungsergebnisse ist nun – aufbereitet, reich bebildert und mit zahlreichen Anmerkungen versehen – in diesem Buch zusammengefasst.
Die Geschichte des Landes Brandenburg reduziert sich dabei keineswegs auf das historische Gründungsereignis um Albrecht den Bären, sondern reicht von den ab dem 7./8. Jh. ansässigen Slawen über den hochmittelalterlichen Landesausbau im 13. Jh. bis hin zum Untergang der Askanier um 1320. Die Entwicklung und Bedeutung einzelner Ortschaften – allen voran der Stadt Brandenburg an der Havel – werden dabei ebenso berücksichtigt wie jene größerer Lebensräume. Während schriftliche und archäologische Quellen das Leben der Bischöfe beleuchten, zeigen anthropologische Untersuchungen von Skelettfunden eindrucksvoll die Lebenssituation der „gewöhnlichen“ Bevölkerung.
Mithilfe verschiedenster Quellen und Methoden aus den Geistes- und Naturwissenschaften entsteht so ein Bild der kulturellen, religiösen und rechtsstaatlichen Entwicklung der Region, das auch die Problematik in der Kontinuität von der Mark bis zum heutigen Bundesland Brandenburg widergibt.

 

 

Inhaltsverzeichnis

J. Wanka
Geleitwort

G. Fritsch, D. Tiemann
Grußworte

J. Müller, K. Neitmann
Vorwort der Herausgeber

F. Schopper, K. Neitmann
Zur Einführung in die Tagung „Wie die Mark entstand. 850 Jahre Mark Brandenburg“

Archäologische und baugeschichtliche Beiträge

Th. Kersting
Slawen in Brandenburg: eine archäologische Momentaufnahme
S. 15–30

Ende des 7. Jhs. n. Chr. kommt die neue slawische Bevölkerung ins heutige Brandenburg und bringt dabei Sachgut, Siedlungs- und Bestattungsformen eigener Prägung mit sich. Die wenig differenzierte, rein urgeschichtliche Kulturgruppe entwickelt sich in den nächsten Jahrhunderten zu einer komplexen Gesellschaft mit Fernbeziehungen und beginnendem Landesausbau. Schriftquellen berichten über den nordwestslawischen Raum. Eine eigene zentrale Herrschaftsbildung in unserem Raum gelingt allerdings nicht. Er war eher Grenzraum, aber mit europaweiten Beziehungen. Mitte des 12. Jhs. beginnt mit Einwanderung westlicher Siedler ein Akkulturationsprozess, der die Slawen bald archäologisch „unsichtbar“ macht, obwohl bis heute eine Bevölkerungskontinuität herrscht.
Since the end of the 7th century A.D. the new Slavic population comes into today‘s Brandenburg, with material culture, settlement and funeral forms of its own. Within the next centuries the little differentiated, purely prehistoric cultural group develops to a complex society with distant relations and beginning agricultural landscape development. Written sources report about the northwestern Slavic area. Efforts to develop an own central rule in our area did not succeed. It was rather a borderline area, but with European-wide relations. In the middle of the 12th century immigration of western colonists led to an acculturation process, that soon takes the Slavs archaeologically out of sight, although population continuity lasts till this day.

S. Hanik
Tiernutzung bei den Slawen
S. 31–35

Aus dem slawischen Mittelalter Brandenburgs liegen zahlreiche ausgewertete Tierknochenfunde vor. Deren Gefüge lassen einige Tendenzen in der Haustiernutzung und dem Jagdverhalten durch die Slawen erkennen. Darüber hinaus erlauben die Analysen Einblicke in die Auswirkungen von Haltungsbedingungen auf die Tiere selbst.
Numerous finds of animal bone from medieval Slavic contexts in Brandenburg have been evaluated. The results allow the recognition of certain predispositions within Slavic animal husbandry and hunting. Moreover, these analyses provide insight into the effects the conditions of husbandry had on the animals themselves.

F. Biermann, N. Goßler, H. Kennecke
Archäologische Forschungen zu den slawenzeitlichen Burgen und Siedlungen in der nordwestlichen Prignitz
S. 36–47

Die nordwestliche Prignitz an der unteren Mittelelbe gehörte im slawischen Mittelalter (8.–12. Jh.) nach Auskunft der Schriftquellen zum Stammesgebiet der Linonen. Seit 2005 wurden dort mehrere Burgen und ländliche Siedlungen archäologisch untersucht. Der Entwicklung der dortigen slawischen Siedlungslandschaft liegt der Prozess einer Herrschaftsbildung zugrunde, die maßgeblich durch die unmittelbare Nachbarschaft der linonischen Gebiete zum karolingischen Reich sowie dessen Nachfolgern initiiert wurde. Insbesondere die Anlage der Burgen durch die Slawen muss vor dem Hintergrund des Spannungsfeldes zwischen Franken, Sachsen und Slawen gesehen werden.
According to historical sources, the region of north western Prignitz, located along the lower Central Elbe, belonged during the Slavic Middle Ages (8th–12th centuries) to the tribal territory of the Linones. Since 2005 a number of fortified and rural settlements in this region have been archaeologically investigated. The development of Slavic settlement here was based upon the establishment of ruling elites whose inception was largely influenced by the proximity of Linones territory to the Carolingian Empire and its successors. In particular, the building of fortified sites by the Slavs should be viewed in the context of conflict between the Franks, Saxons and Slavs.

K. Kirsch
Die slawische Burg auf der Brandenburger Dominsel – ein herausragender Burgort im Fundspektrum
S. 48–53

Die slawische Burg auf der Brandenburger Dom-insel ist in den 1960er–1980er Jahren archäologisch untersucht worden. Dabei sind neben interessanten Befunden aus den Vorburgsiedlungen des 9./10. Jhs. und der frühstädtischen Anlage des 11./12. Jhs. zahlreiche Funde zutage getreten. Die Zentralisierung der fürstlichen Macht förderte nicht nur die Entwicklung des spezialisierten Handwerks sondern auch den Ausbau des inneren Marktes sowie den Fernhandel. Neben der Eisen- und Buntmetallproduktion konnten die Leder- und Knochenverarbeitung, die Textilherstellung und das Drechslerhandwerk nachgewiesen werden. Über den Fernhandel sind neben Glaserzeugnissen und Perlen aus Halbedelsteinen u.a. auch eine Bronzewaage mit Gewicht auf die Brandenburg gekommen.
The Slavic stronghold on the Brandenburger Dominsel was excavated from the 1960s through to the 1980s. Besides interesting features from the surrounding 9th–10th century settlements and the early 11th–12th century town numerous finds were also recovered. The centralisation of aristocratic power promoted not only the development of specialised craft but also that of local markets and long distance trade. There is evidence of iron and non-ferrous metal production, leather and bone processing as well as textile production and woodturning. Long distance trade brought to Brandenburg glassware, beads fashioned out of semi-precious stones, and among other things, a bronze weighing scale with weight.

St. Dalitz
Die Brandenburg in der Havel – Arbeitsstand zu Topografie und Entwicklung der Insel und der Burg
S. 54–78

Die Brandenburg als Stammesmittelpunkt der Stodorane oder Heveller rückte seit dem 9. Jh. in den Fokus europäischer Politik. Das 850-jährige Jubiläum richtet den Blick nun wieder auf die Dominsel, die bis heute nicht vollständig erforscht ist. Natürliche und anthropogene Einflüsse sowie häufige Umbauten im Zuge der Besiedlung der Insel sorgen bis heute für eine erhebliche Störung der archäologischen Quellen.
Die Auswirkungen der Geomorphologie, des Grundwasserspiegel und klimatischer Veränderungen auf die Siedlungstopografie der Insel waren immer gravierend. Die Siedlungsgeschichte reicht zurück bis in die Bronzezeit, die erste Burg wurde im Bereich zeitlich vorangehender offener frühslawischer Besiedlung errichtet.
Die ältere Forschung zielte auf Klärung der Lage dieser Burg und ihrer Befestigungsphasen, Forschungen im Innenbereich und in den Vorburgen unterblieben. Die Brandenburg entwickelte sich über zahlreiche Zwischenstufen zur spätslawischen Burg mit frühstädtischem Charakter, die um 1000 wieder Veränderungen in der Topografie erfuhr.
Die Frage nach Burg oder Frühstadt sowie nach der Befestigung in spätslawischer Zeit wird unter Einbeziehung der näheren Umgebung der Burginsel und der Verkehrswege diskutiert. Die folgende Phase der „deutschen Burg“ und des Dombaues sind wegen einer Quellendezimierung nur eingeschränkt ablesbar.
Gerade in den letzten Jahren wurden bei fast allen Grabungen unerwartete Befunde aufgedeckt, die scheinbar feststehende Ergebnisse in Frage stellten, sie sind aber meist zu kleinräumig, um verallgemeinert zu werden. Viele Fragen zur Siedlungs- und Befestigungsgeschichte, Friedhöfen, Handelsbeziehungen und Topografie der Insel müssen daher offen bleiben.
Brandenburg as centre of the Stodorane or Heveller moved into the focus of European politics since the 9th Century. The 850-year-old jubilee again directed the view upon the Brandenburg Dom-island. Its topography and archeology is not yet investigated completely till this day. Natural and anthropogene influence, frequent rebuilding in the course of settlement on the island till this day causes a considerable disturbance of the archaeological sources.
Effects of geomorphology, ground-water-level and climatic change on the settlement topography of the island were always serious. Settlement history begins in Bronze Age, the first castle was established in the area of preliminary openl Early-Slavic settlements.
The older research tried to find out the specific situation of the castle and its chronological phases, researches in the inside area and precastle-settlements ceased. The castle developed through intermediate phases to the Late-Slavic castle with early-urban character which underwent changes in topography about 1000 again.
The question “castle or early town” as well as the fortification in Late-Slavic time is discussed under inclusion of the surroundings of  the castle-island and the traffic routes. The following phase of the „German castle“ and the cathedral construction are readable only restrictedly by the effect of a decimation of archaeological sources.
Almost all excavations in the last years brought unexpected results, however, they are mostly too small-scale to be generalised. Beside the results shown here many questions stay open to the settlement and fortification history, cemeteries, commercial relations and topography of the island.

J. Müller
Brandenburg an der Havel. Die Siedlungstopografie 1100 bis 1400
S. 79–100

Im Umfeld der für den ostelbischen Raum strategisch wichtigen Brandenburg fanden nach dem endgültigen Machtübergang an den deutschen Markgrafen Albrecht den Bären 1157 bedeutende siedlungstopografische Veränderungen statt. Die zuvor slawische Burg wurde in die Bereiche der markgräflichen Burg und der Domimmunität geteilt und ihrer neuen Funktion entsprechend ausgebaut. In der Nähe der Burg entstanden in schneller Folge die miteinander konkurrierenden Siedlungen Parduin, Luckenberg und Deutsches Dorf, für die teilweise bereits städtischer Charakter angenommen werden kann. Noch auf diese protourbane Phase geht eine beachtliche Kirchenlandschaft von fünf der insgesamt acht mittelalterlichen Kirchen zurück. Wahrscheinlich noch vor 1200 erfolgte eine planmäßige Neuanlage zweier Städte, der Altstadt rechts und der Neustadt links der Havel. Zur Grundausstattung gehörten jeweils ein Straßenkreuz mit großem Marktplatz, ein hierarchisch abgestuftes Straßennetz, Pfarrkirche und eine Befestigung aus Wall und Graben, die wahrscheinlich von Anfang an den späteren Umfang beider Städte festlegte. Zugehörig ist ein groß angelegtes System von Dammschüttungen und Brückenbauten, die adäquate Wegeverbindungen der Städte sicherstellten. Ausgehend von Markt und Hauptstraßen erfolgte die Aufsiedlung durch große schmale Parzellen, die an angeworbene Siedler vergeben wurden und bis heute den Grundriss prägen. Dem schnellen Aufstieg im 13. Jh. folgte in der Altstadt seit dem 16. Jh., vor allem auch infolge des Dreißigjährigen Krieges, eine Stagnation als Handwerker- und Ackerbürgerstadt. Die Neustadt von doppelter Grundfläche füllte sich erst im Laufe des Spätmittelalters und überflügelte die Altstadt wirtschaftlich.
Settlement structure surrounding the, for the east of the River Elbe, strategically important town of Brandenburg underwent significant upheaval after the transfer of power to the German Margrave Albrecht the Bear in 1157. The previously Slavic settlement was divided into the jurisdiction of Margrave’s citadel and the immunity of the cathedral and was developed according to these new functions. Near the citadel, a number of town-like, competing settlements grew in quick succession: Parduin, Luckenberg and Deutsches Dorf. Five of the eight medieval churches in Brandenburg belong to this protourban phase. Presumably before 1200 a systematic reconstruction of two towns was undertaken creating the Altstadt on the right bank and the Neustadt on the left bank of the River Havel. Both of their ground-plans boast a crossroads with a large, centrally located marketplace, a hierarchically structured street-plan, a parish church and a rampart and ditch fortification, which almost certainly demarcates the area of the later town. An extensive system of embankments and bridges connected traffic between the two towns. This construction phase could have been well advanced or even mostly completed around 1220. Systems of long and narrow rectangular ground-plots, allotted to settlers, extended from the main roads and market place, and today still shape the town’s structure. After a period of dynamic growth in the 13th century the Altstadt stagnated as a town of craftsmen and farmers, even more so in the wake of the thirty years’ war. The Neustadt with double the ground area first made economic gains over the Altstadt in the Late Middle Ages.

F. Biermann
Burgstädtische Zentren der Slawenzeit in Brandenburg
S. 101–121

Seit der Zeit um 1000 lassen sich im brandenburgischen Raum Burgsiedlungen – u.a. Brandenburg a. d. H., Spandau, Köpenick, Lebus, Cottbus, Drense und Schwedt – feststellen, die unter wirtschaftlichen, politischen, militärischen und teilweise auch religiösen Aspekten zentrale Funktionen inne hatten. Damit weisen sie durchaus frühurbane Merkmale auf, sind von den Rechtsstädten des hohen und späten Mittelalters aber abzugrenzen. Sie können als „Burgstädte“ bezeichnet werden. Der Aufsatz behandelt die Definition und Terminologie dieser charakteristischen slawenzeitlichen Zentralorte, gibt einen Überblick zu den bisher bekannten Burgstädten in Brandenburg und erläutert den wirtschaftlich-politischen Hintergrund ihrer Herausbildung.
Since around 1000 AD in the region of Brandenburg fortified settlements, among others Brandenburg/Havel, Spandau, Köpenick, Lebus, Cottbus, Drense and Schwedt, appear to have possessed centralised economic, political, military and occasionally religious function and thus could be referred to as “Burgstädte”. However, such early urban characteristics should be separated from those of the High and Late Medieval chartered towns. This paper deals with the definition and terminology of these characteristic Slavic centralised settlements and summarises those so far known in the region of Brandenburg with a discussion of their economic and political development.

M. Schulz
Von der slawischen Siedlung zur „deutschen“ Stadt. Prenzlau im Hochmittelalter. Versuch einer Strukturrekonstruktion anhand archäologischer Quellen
S. 122–128

Prenzlau liegt an Nordufer des Unteruckersees an einer der drei südlichsten Furten durch das Uckertal inmitten hochwertiger Ackerflächen. Hier kreuzten sich eine Wasserstraße zur Ostsee, der Uckerfluss und ein Landhandelsweg von Magdeburg nach Stettin. Im 9./10. Jh. befand sich in der heutigen Prenzlauer Altstadt eine größere frühslawische Siedlung, die möglicherweise befestigt war. Im Zuge der Ostexpansion des mittel- und westeuropäischen Adels im 10. Jh. wurde diese Siedlung vollständig aufgegeben. Am Ende des 10. Jhs. nahm in der nordwestlichen Altstadt eine Entwicklung ihren Anfang, die 1234 in der Verleihung des ersten pommerschen Stadtrechts gipfelte. Im Bereich der in slawischer Zeit besiedelten Stadtgebiete änderte sich die Siedlungsstruktur im Laufe der Jahrhunderte mehrfach. In den nach 1234 „auf der grünen Wiese“ errichteten Stadtteilen blieb das Straßenbild bis 1945 weitgehend konstant, nur im Innern der Quartiere sind deutliche Veränderungen der Grundstücksstruktur nachweisbar.
Prenzlau, surrounded by rich arable lands, is situated on the northern shore of the lake Unteruckersee on one of the three most southerly fords in the Ucker river valley. Here the course of the Ucker River to the Baltic Sea crossed the overland trade route from Magdeburg to Stettin (Szczecin). During the 9th and 10th centuries the present town centre of Prenzlau was occupied by a large Early Slavic settlement which was probably fortified. The settlement was completely abandoned during the eastward expansion of western and middle European nobility in the 10th century. Subsequent settlement development at the end of the 10th century, in the north-west of today‘s town-centre, ended in 1234 with the granting of the first Pomeranian town charter. The settlement structure of town areas formerly occupied by Slavic people changed a number of times over the coming centuries. However, areas of the town built on “green fields” after 1234 retained most of their structure up until 1945; only the interiors of the town quarters show any significant change in plot structure.

B. Päffgen
Die Gräber der Bischöfe von Brandenburg
S. 129–151

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Überlieferung zu den Gräbern der Bischöfe von Brandenburg. Zusammengestellt werden hierzu die historischen, kunstgeschichtlichen und archäologischen Quellen. Für Brandenburg ist festzuhalten, dass die Kathedrale der verbindliche Bestattungsplatz für die Bischöfe war. Ausnahmen sind vor und nach der de facto aufhebung des Bistums vom späten 10. Jh. bis um 1130 selten. Sie ergeben sich im Zusammenhang mit der Bischofsresidenz von Ziesar, aber auch für resignierte Bischöfe, die an anderen Orten beigesetzt wurden.
The article deals with the tradition related to the burial of Brandenburg’s bishops. To this end historical, art historical and archaeological sources have been compiled. The period of the suspension of the bishoporic from the late 10th century up to 1130 must be discussed seperatly. In Brandenburg the cathedral was the compulsory burial site for the bishops. Rare exceptions are associated with the bishop’s residence at Ziesar and bishops who had resigned and were buried elsewhere.

S. Jahns
Landschaftsbild im Wandel – Die Mark Brandenburg zwischen dem 11. und dem 15. Jh.
S. 152–157

Dieser Artikel gibt eine Beschreibung der Entstehung der Landschaft und der Vegetationsbedeckung in der Mark Brandenburg seit dem Ende der Eiszeit sowie die nachfolgenden Veränderungen des Naturraums durch die prähistorische und mittelalterliche Landnutzung.
This paper describes the formation of the landscape and vegetation cover in the March of Brandenburg since the end of the last Ice Age. Subsequent change of the natural environment through prehistoric and medieval land-use is also shown.

F. Biermann, C. Theune
Zentralort-Umland-Beziehungen im mittelalterlichen Brandenburg – archäologische Fallbeispiele
S. 158–169

Zahlreiche archäologische, historische und geografische Analysen haben diverse Parameter für die Bestimmung von Zentralorten erbracht. So werden stets fortifikatorische, ökonomische, kultisch-religiöse und administrative Aspekte hervorgehoben. Ländliche Siedlungen dagegen definieren sich in erster Linie über die agrarische Wirtschaftsweise. Erst in letzter Zeit wird zunehmend das Beziehungsgeflecht von Zentrum und Peripherie genauer betrachtet. Eine detaillierte Studie der Zentralorte Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder) sowie deren Umland kann gerade im Bereich von Handwerk und Austausch die Interaktionen deutlich machen.
Numerous archaeological, historical and geographical analyses utilise a diverse array of parameters to define central locations; economic, cultural-religious, administrative aspects along with fortification are typically employed. Rural settlements on the other hand are defined first and foremost by agrarian economics. Recently, increasing interest has been shown in the consideration of social networks between centre and periphery. A detailed study of the central places Brandenburg/Havel and Frankfurt/Oder and their respective hinterlands has revealed clearly interactions in the areas of craft and exchange.

A. Marx, J. Stark
Spätmittelalterliche Befunde des Angerdorfes Diepensee, Lkr. Dahme-Spreewald
S. 170–215

Vor dem Bau des Großflughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) wurde von 2004 bis 2006 auf einer Fläche von 13ha die Dorfwüstung Diepensee ausgegraben. Das spätmittelalterliche Diepensee zeigt sich als planmäßig errichtetes und parzelliertes Angerdorf mit einer Ausdehnung von 600×340m. Das archäologische Fundmaterial setzt in der ersten Hälfte des 13. Jhs. ein und weist eine annähernd 150-jährige Besiedlungsdauer nach. Das älteste Dendrodatum datiert einen Brunnenbau in das Winterhalbjahr 1223/1224. Historische Quellen erwähnen den Ort erstmals 1348, im Landbuch Kaiser Karls IV. aus dem Jahr 1375 wird Diepensee bereits als „desertum“ – wüst – beschrieben.
Neben dem auf dem Anger zentral gelegenen See steht die in Form eines Chorquadratbaus errichtete Feldsteinsteinkirche mit dem dazugehörigen Friedhof von etwa 500 Bestattungen.
Archäologisch markant sind die 40 spätmittelalterlichen Feldsteinkeller, die sich an den lang gestreckten Parzellen entlang der Anger-straßen aufreihen. Derartige Steinbauten waren bisher vorwiegend aus städtischen Siedlungen bekannt und galten für den ländlichen Raum eher als untypisch. Mit der geschlossenen Bebauungsstruktur und der guten Erhaltung stellen die Steinkeller von Diepensee im nordostdeutschen Raum den bisher größten archäologischen Komplex ländlicher Baustruktur dar.
Nach der Wüstungsphase wurde Diepensee Mitte des 18. Jhs. als Vorwerk des Gutes Waßmannsdorf erneut gegründet und mit einer Landarbeitersiedlung ausgebaut. Das Ende des daraus entstandenen Dorfes Diepensee besiegelte die Umsiedlung der letzen Bewohner im Jahre 2007.
From 2004 to 2006, during the construction of the Berlin-Brandenburg International Airport (BBI), an area totalling 13 hectares of the Deserted Medieval Village of Diepensee became the subject of archaeological investigation. The excavations revealed a systematically planned and partitioned Late Medieval nucleated village measuring approximately 600×340m. The earliest finds date to the first half of the 13th C and indicate occupation lasting nearly 150 years. The oldest dendrochronology date places the construction of a well to the winter of 1223/1224. The village first appears in historical sources in 1348, and by 1375 the parish register of Emperor Karl IV. describes the village as already “desertum” – unoccupied.
Next to the lake on the centrally located common land stood a stone church built in the form of a retracted rectangular choir and surrounded by a graveyard containing ca. 500 individuals.
Among the most notable archaeological features recorded were 40 Late Medieval stone-built cellars arranged in rows within the village’s elongated plots facing the main roads. Until recently, stone structures were considered atypical for rural settings; comparable examples being found predominantly in towns. In light of the consistency of building work and outstanding preservation the cellars in Diepensee represent the largest archaeological complex of rural architecture in North Germany.
The phase of Diepensee’s desertion was followed by the re-establishment of the village in the middle of the 18th C as an outlying estate of Wassmannsdorf and the construction of a labourer’s settlement. The fate of the village developed hereafter was finally sealed by the resettlement of its last occupants in 2007.

Th. Schenk
Werden, Vergehen, Werden. Zur Stadt Freyenstein in der Ostprignitz
S. 216 224

In Freyenstein, Lkr. Ostprignitz-Ruppin, wurden auf der mittelalterlichen Stadtwüstung umfangreiche archäologische Untersuchungen vorgenommen. Die Stadt entstand Anfang des 13. Jhs. und wurde 1287 nach mehrfachen Zerstörungen in der Nähe neu errichtet. Die Wüstung bietet einzigartige Möglichkeiten für die Erforschung früher Stadtstrukturen. Ziel war es, die bedeutende Fundstelle im Anschluss an frühere Grabungen mit zerstörungsfreien Prospektionsmethoden vollständig zu erkunden. Alle lokalisierten Bauwerke ordnen sich regelmäßige an; sie ermöglichen die Rekonstruktion eines rechtwinkligen Straßensystems. Die Ergebnisse zeigen anschaulich, dass die Stadtwüstung ein Denkmal mittelalterlicher Stadtgeschichte von hohem Rang ist. Ein Museum in Form eines archäologischen Parks ist geplant.
In Freyenstein (district Ostprignitz-Ruppin) comprehensive archaeological investigations on the deserted medieval town were carried out. The town was founded in the early 13th century and after repeated phases of destruction completely rebuilt nearby in 1287. The monument offers a unique opportunity to explore early town-structures. The aim of the project was to link previous excavations with a non-destructive field survey of the complete site. All the buildings surveyed were laid out in a regular pattern, enabling the reconstruction of a rectangular system of streets. The results are illustrative of an important monument of medieval town-history. A museum in the form of an archaeological park is planned.

A. Volkmann
Siedlungsgenetisch-archäologische Raumanalyse und Forschungen zum Verbleib der slawischen Bevölkerung in der mittelalterlichen provincia trans Oderam
S. 225–248

Im deutsch-polnischen Forschungsprojekt werden Fragestellungen zum Verbleib der slawischen Bevölkerung innerhalb der komplexen, vielschichtigen und regional unterschiedlich ausgeprägten mittelalterlichen Landeserschließungsprozesse in der provincia trans Oderam anhand interdisziplinärer Methoden der Siedlungs- und Geoarchäologie, Landesgeschichte, Historischen Geografie und Dendrochrono-logie erörtert. Hierzu wurde innerhalb des computergestützten Geografischen Informationssystems (GIS) eine umfassende Archäo- und Geodatenbank aufgebaut, die durch die Abfrage und anschließende Verschneidung thematischer Karten die Landesausbauvorgänge als Raumanalyse eingehend beleuchten kann. Während des hochmittelalterlichen Landesausbaus wurden vielerorts bestehende spätslawische Siedlungsgebiete systematisch infrastrukturell erschlossen und aufgesiedelt. Die slawische Bevölkerung wurde in diese Prozesse stark miteinbezogen und konnte vorerst meist ihre eigene kulturelle Identität beibehalten. Im Verlauf der hoch-/spätmittelalterlichen Konzentrationspro-zesse der Dorfgründungen gab es oft ein Nebeneinander der slawischen Altsiedler und Neusiedler aus dem Westen des Deutschen Reichsgebietes, auch innerhalb der Siedlungen, die manchmal eine räumliche Trennung nach ethnischen Wohnbereichen aufwiesen. Mit der Zeit der gemeinsamen Siedlungen der Dörfer und Städte kam es zu einer starken, sich interaktiv beeinflussenden Akkulturation der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, die eine neue eigene Identität entstehen ließ.
This German-Polish research project explores issues concerning the movements of the Slavic population which were related to the complex, multilayered and regionally varied nature of Medieval land development processes in the provincia trans Oderam. The study is interdisciplinary and involves the fields of settlement archaeology, geoarchaeology, regional history, historical geography and dendrochronology. To this end, a comprehensive archaeological and geographical database was established within the framework of the Geographic Information System (GIS). Through the subsequent correlation of thematic maps processes of land development can be illustrated in the form of spatial analysis.
In the course of territorial acquisition during the High Middle Ages existing Late Slavic settlement areas in many places were subject to systematic infrastructural annexation and settlement. The Slavic population was strongly integrated into these processes and, for the time being, was able to retain its own cultural identity. The process of concentration with respect to the establishment of permanent villages in the High and Late Middle Ages often resulted in the coexistence of old Slavic settlers and new settlers from the western territories of the German Empire; evidence also exists of ethnic separation within jointly occupied settlements. Nevertheless, as the joint settlement of towns and villages progressed, an acculturation of the various ethnic groups, such as Flemings, Frisians, Franks, Saxons and Slavs occurred leading to the emergence of a new and independent identity.

B. Jungklaus
Zur brandenburgischen Bevölkerung im Mittelalter und ihren Lebensumständen aus anthropologischer Sicht
S. 249–281

Das Land Brandenburg zählt inzwischen zu den aus anthropologischer Sicht recht gut erschlossenen Regionen Deutschlands. Besonders aus dem Hoch- und Spätmittelalter liegt eine große Anzahl untersuchter Skelette vor. Erstmals werden die Daten nun zusammengefasst und hinsichtlich der Lebensbedingungen in der Stadt und auf dem Land ausgewertet. 595 Stadt- und 828 Landbewohner bilden die Grundlage für diese differenzierten Betrachtungen. Als Ergebnis der paläodemografischen und paläopathologischen Untersuchungen können für die Menschen beider Lebensräume spezifische Lebensumstände rekonstruiert werden. Kinder und Frauen sind diejenigen Individuen der Gesellschaft, die den höchsten Risiken ausgesetzt waren.
From an anthropological standpoint Brandenburg belongs to those German states which benefit from a high level of research. A great number of skeletons, especially from High and Late Medieval contexts, have already been examined. For the first time data are being collated and evaluated with regard to urban and rural living conditions. The basis of this differential study comprises 595 town-dwellers and 828 rural inhabitants. The results of the palaeodemographic and palaeopathologic analyses allow the reconstruction of specific living conditions for the populations of both environments. Women and children were those individuals within society subject to the highest risks.

M. Cante
Anmerkungen zur Baugeschichte brandenburgischer Kirchen und Klöster im Hochmittelalter
S. 282–297

Mit dem Beitrag soll versucht werden, die verschiedenen Gattungen des hochmittelalterlichen Sakralbaues, insbesondere zur Zeit der askanischen Markgrafen, vorzustellen. Dazu gehören viele romanische, früh- und hochgotische Bauten, die bis heute das Bild der märkischen Kulturlandschaft prägen. Neben den Kathedralen bildet die Ordensarchitektur der Prämonstratenser, Zisterzienser und Bettelorden einen Schwerpunkt. Angesprochen werden aber auch Stadtpfarrkirchen und nicht zuletzt die in großer Zahl bewahrten Dorfkirchen. Außer einer Darstellung von Grundzügen der Entwicklung wird auf Erkenntnisse und Frage-stellungen der aktuellen Forschung hingewiesen, die durch das Zusammenwirken von Bau- und Kunstgeschichte mit Archäologie und Restaurierung neue Impulse erhielt.
This article attempts a survey of High Medieval religious architecture focussing on the Ascanian period of the 12th to 14th century, to which belong many examples of Romanesque, Early and Decorated Gothic buildings that today still shape Brandenburg’s cultural heritage. Together with cathedrals, monastic architecture of the Premonstratensian, Cistercian and Mendicant orders are the main topic of interest. Also mentioned are parish churches and finally the great number of surviving village churches. In addition to a presentation of the development of High Medieval architecture current research and new impulses in the multidisciplinary approach will be discussed.

Historische Beiträge

L. Partenheimer
Vom Hevellerfürstentum zur Mark Brandenburg
S. 298–323

Die spätestens am Ende des 9. Jhs. zum Stammeszentrum der Heveller gewordene Brandenburg wechselte von 928/29 bis 1157 nach den Quellen mindestens 13-mal den Besitzer, wobei beachtet werden muss, dass fast alle Berichte von sächsischen Chronisten verfasst wurden. Elf Machtänderungen sind dokumentiert, zwei zu erschließen. Bei diesen beiden sind Art und Weise des Besitzerwechsels offen. Vier Einnahmen erfolgten nach einer Belagerung durch die Sachsen; fünfmal war Verrat im Spiel; einmal entschied ein slawischer Überfall. 992 scheiterte eine weitere sächsische Einschließung, 993 die zweite slawische, nämlich durch die gerade noch rechtzeitige Ankunft des neuen Entsatzheeres unter König Otto III. Als Kizo 991 die Brandenburg mit Hilfe der Lutizen angriff, geschah das anscheinend mit einem überraschenden Sturm, der den abtrünnigen Sachsen und die Slawen in den Besitz der stodoranischen Fürstenburg brachte. Also nicht „nur dreimal wurde dabei die Entscheidung durch Waffengewalt herbeigeführt“, wie sich Hans-Dietrich Kahl 1964 verzählt hat, sondern siebenmal. Es stimmt demnach auch nicht, dass der „Verrat in ihrer Geschichte eine so sehr viel größere Rolle spielte als offene Entscheidung im Waffengang“, wie er behauptete.
Jedenfalls muss das Jahr 1150 hervorgehoben werden, weil Albrecht der Bär damals die Feste als der vom letzten Stodoranenherrscher bestimmte Erbe kampflos übernahm. Dass die Geschichte der Mark Brandenburg dann doch erst mit einer nochmaligen Belagerung der alten Hevellerfürstenresidenz begann, war nach dem Chronisten Heinrich von Antwerpen durch den polnischen Fürsten Jaxa erzwungen worden.
According to historical sources Brandenburg castle – as tribal centre of the Hevelli or Stodorani – changed hands at least 13 times from 928/29 to 1157. Nearly all of the records were documented by chroniclers from Saxony. Eleven transitions of power are recorded; two still need to be disclosed. Four conquests followed from siege by Saxony; betrayal was to blame five times; and once a Slavic raid. In 992 a further occupation by Saxony failed; and again in 993 (according to the Slavs) by the timely arrival of a relief army under Otto III. When in 991 Kizo mounted a surprise attack with the help of the Liutizians on Brandenburg castle he, according to the Annals of Hildesheim, brought both Saxony and the Slavs into ownership of the Stodoranian prince’s castle. At least this change of rule came about, presumably, through a combination of betrayal and occupation. Thus force of arms accounted for seven of Brandenburg castle’s occupations and not three as claimed by Hans-Dietich  Kahl in 1964. In 928/29, 991, 1100/01 and 1157 contingents from Saxony captured Brandenburg castle or achieved capitulation through siege. It is therefore false that “treachery played a much greater role in its history than armed conflict”, as Kahl claimed.
In any case, 1150 must be stressed as the year Albrecht the Bear acquired the stronghold, as the inheritance of the last Stodoran ruler, without a struggle. That the history of the march of Brandenburg indeed began with an

L. Beck
Die Askanier in Brandenburg. Dynastie und Territorialherrschaft
S. 324–337

Der persönliche Beitrag der Askanier zum Aufbau fürstlicher Landesherrschaft in der Mark Brandenburg ist Kernfrage der Untersuchung. Dabei fragt der Autor nach Elementen einer bewussten Familienpolitik, die über die eigene Generation des jeweiligen Markgrafen hinaus Wirkung entfalten konnten. Angesichts des Fehlens einer aussagekräftigen Chronistik für die frühe Zeit des 12. bis frühen 14. Jhs. richten sich seine Beobachtungen auf die genealogisch faßbaren Zeugnisse dynastischen Verhaltens – auf die Namenvergabe (Leitnamen), die Eheschließungen (Konnubium) und die Erbregelungen. Dabei lassen sich längerfristige politische Motive ebenso festhalten wie die Gefährdung dynastischen Handelns durch den genealogischen Zufall herausstellen. Die Ergebnisse werden für alle drei Gesichtspunkte im Vergleich zum Handeln der vetterlichen askanischen Linie der Herzöge von Sachsen(-Wittenberg) zusätzlich verdeutlicht.
The personal contribution of the Ascanian lineage to the development of princely territorial rule in the march of Brandenburg is the core of this study. The author focuses on elements of intentional family politics that were effective beyond the respective generation of each Margrave. Owing to the scarcity of significant historical sources for the early 12th to early 14th centuries the author’s observations follow the three genealogically tangible credentials of dynastic behaviour – name-giving (leading names), marriages (connubium) and rules of inheritance. This enables us not only to establish long-term political motives but provides evidence of the endangerment of dynastic activity through genealogical chance. The results will be illustrated by comparison of these three areas with the activities of the Ascanian lineage of the Duchy of Saxe-Wittenberg.
other siege of the old Hevell residence was, according to Heinrich of Antwerp, forced by the Polish prince Jaxa.

Ch. Gahlbeck
Hochmittelalterlicher Landesausbau in der Neumark in der Zeit vor und während der Herrschaft der Askanier (ca. 1230 bis 1320)
S. 338–351

Der hochmittelalterlichen Landesausbaus in der Neumark wurde in den 1980er Jahren durch die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Germania Slavica“ der FU Berlin untersucht. Die Forschungen ergaben, dass das Gebiet der späteren Neumark in vorkolonialer Zeit vor allem in den Bruchlandschaften von Oder, Warthe und Netze sowie in einer größeren Siedlungskammer im Raum Lippehne – Soldin slawisch besiedelt war.
Der Landesausbau vollzog sich in zwei Phasen und wurde von Herzog Barnim I. von Pommern begonnen, der sich um 1230 den größten Teil des Landes zwischen Oder und Drage gesichert hatte. Neu gegründete Städte bildeten jeweils das administrative Zentrum eines Vogteibezirks, der meist von zugewanderten deutschen Rittern besiedelt wurde.
Als die Askanier ab 1250 über die Oder vordrangen, war der Landesausbau dort schon relativ weit fortgeschritten; lediglich in der terra Friedeberg ist er weitgehend allein auf die Markgrafen von Brandenburg zurückzuführen. Dennoch waren sie es, die die zweite Phase des Landesausbaus in der Neumark prägten, indem sie große Gebiete der terrae Arnswalde, Landsberg und Soldin überformten. Die von Barnim I. eingeführte Weichbildverfassung wurde von den Askaniern in ihrem Wesen übernommen, jedoch entfernten sie die von ihm eingesetzten Siedler oder betrauten sie mit neuen Siedlungsaufgaben. Kleinere ältere terrae wurden häufig zusammengelegt und erhielten ein neues administratives Zentrum. Dennoch kann man insgesamt sagen, dass die Askanier den Landesausbau nicht nur fortführten, sondern nach ihren eigenen Vorstellungen weiterentwickelten. Damit gaben sie der Neumark ihr eigenes Siedlungsgepräge.
The high medieval country’s development in the Neumark was studied by the Interdisciplinary Working Group „Germania Slavica“ of the Free University of Berlin in the 80s. The research showed that in precolonial times the territory which later became the Neumark, especially in the marshes of the Odra, Warta and Notec, and in a larger settlement chamber between Lippehne and Soldin was Slav populated.
The late medieval development of the land in the Neumark took place in two phases and was started by Duke Barnim I. of Pomeriana, who could claim the largest parts of the area between Odra and Drawa since about 1230. Newly founded towns formed the administrative centres of steward’s districts, which were mainly settled by immigrating German knights.
When the Ascianians pushed forward over the Odra in 1250 the development of the country had reached a relatively far advanced stage there. Only in the terra Friedeberg the development of the land almost totally can be attributed to the Margraves of Brandenburg. Nevertheless it was them who characterized the second phase of development in the Neumark by reshaping large parts of the terrae Arnswalde, Landsberg and Soldin. They also took over the outskirt constitution introduced by Barnim I. in its nature, though they tried to remove the settlers coming out of Pomerania or give new settlement tasks to them. Older terrae were united and given a new administrative centre. Nevertheless we can say that the Ascanians not only continued the activities in development of the country, but they matured them realizing their own ideas. Therewith they gave the Neumark its own character of settlement.

C. Bergstedt
Die politischen Beziehungen der Bischöfe von Brandenburg und Havelberg zu den askanischen Markgrafen von Brandenburg
S. 352–361

Die Untersuchung skizziert die politischen Beziehungen der Bischöfe von Brandenburg und Havelberg zu den askanischen Markgrafen von Brandenburg von der Mitte des 12. bis zum Beginn des 14. Jhs. In den Prozessen der Herrschaftsbildung und des Landesausbaus  (Mitte des 12. bis Ende des 13. Jhs.), als sich die politische Landschaft östlich von Elbe und Oder herausbildete, gelang es den Bischöfen nicht, ihre unabhängige Stellung zu wahren. Im Laufe des 13. Jhs. hatten sie sich mit verschiedenen Versuchen markgräflicher Einflussnahme auseinanderzusetzen. Die eingeschränkte territoriale Machtbasis und der zunehmende Druck der Markgrafen führten schließlich zur politischen Integration beider Bistümer in der Herrschaftsverband der Mark Brandenburg.
The study describes the political relationships between the Bishops of Brandenburg and Havelberg to the Ascanien margraves of Brandenburg from the mid-12th Century to the beginning of the 14th Century. During the processes of developing power and land acquisition (between mid-12th Century and the end of the 13th Century), as the political landscape east of the Elbe and Oder was formed, the Bishops were unable to retain their independent position. During the 13th Century they tried to resist various attempts of influence through the margraves. The limited territorial base of power and the increased pressure by the margraves, finally led to the political integration of both dioceses into the unification of the Mark Brandenburg.

R. von Schnurbein
Ungleiche Partner – das Verhältnis zwischen den Markgrafen und Bischöfen von Brandenburg seit dem Aussterben der Askanier
S. 362–366

Der Bischof verfügte nicht über die Hausmacht, die nötig gewesen wäre, seine Interessen allein zu verfechten, sodass er sich mit den Markgrafen arrangieren musste. Die Frage, ob der Bischof reichsfrei gewesen sei oder nicht, sollte anders gestellt werden: Welchen Nutzen hatte der Bischof von seiner Reichsstandschaft?
The bishop was not in the possession of a power base to maintain his interests on his own so that he was forced to come to an arrangement with the Margrave. Therefore the question whether the Bishop enjoyed imperial immediacy or not should be posed differently: What were the advantages the Bishop had from his position as a ruler of an imperial estate?

M. Wejwoda
Das umkämpfte „Nebenland“. Die Mark Lausitz zwischen Wettinern und Askaniern im 13. und frühen 14. Jh.
S. 367–386

Der Beitrag nähert sich der Geschichte der askanischen Mark Brandenburg gewissermaßen aus der Außenperspektive, indem er die Auseinandersetzungen der expandierenden Askanier mit ihren südlichen Nachbarn, den wettinischen Markgrafen von Meißen und der Ostmark, in den Blick nimmt. Er konzentriert sich auf das hauptsächliche Feld dieses territorialpolitischen Konflikts, die Mark Lausitz, die heutige Niederlausitz, und schildert deren Geschichte von der Belehnung der Wettiner 1046 bis zum Verkauf der Lausitz an die Askanier 1303/04 und zu deren Aussterben 1319. Ausgehend von der Beobachtung, dass die Lausitz einerseits heftig umkämpft, andererseits als wichtiger Bestandteil des wettinischen Herrschaftsgebiets im 13. Jh. auch spürbar in die Verdichtung landesherrschaftlicher Strukturen einbezogen gewesen ist, erörtert der Artikel außerdem kritisch die Frage, ob die klassische Deutung der Niederlausitz als unterentwickeltes Randgebiet und politisch bedeutungsloses Nebenland so uneingeschränkt berechtigt ist, wie es die Omnipräsenz dieses Deutungsmusters in der historischen Forschung über diese Landschaft suggeriert.
This article focuses on the history of the Ascanian March of Brandenburg from a somewhat outside perspective: territorial conflict between the politically expansive Ascanians and their southern neighbours the Wettin Margraves of Meissen and the Eastern March. The paper concentrates on the main region of this territorial and political struggle, namely, the March of Lusatia – presentday Lower Lusatia – and describes its history from the investiture of the Wettins in 1046 up to their sale of the March to the Ascanians in 1303/4 and the subsequent extinction of the Ascanians in 1319.
Stating that, on one hand, Lusatia had been hard-fought between Ascanians and Wettins, and, on the other hand, the region was of significance to the Wettin dominion in the 13th century, having been involved in the general consolidation of territorial structures, this article critically reconsiders the question of whether the classic interpretation of Lower Lusatia as an underdeveloped and politically unimportant peripheral region is as unconditionally valid as the greater part of historical research suggests.

W. Ribbe
Kontinuität und Wandel. Strukturelle Aspekte der märkischen Geschichte nach dem Aussterben der brandenburgischen Askanier
S. 387–399

Zu den theoretischen Überlegungen der neueren  Geschichtschreibung, die für die brandenburgische Landesgeschichte bisher kaum Beachtung fanden, gehören die geschichtsrelevanten Entwicklungen von „langer Dauer“, die nicht an Einschnitte in der Ausübung der Landesherrschaft durch einen Dynastiewechsel gebunden sind. Dies wird an einigen Beispielen gezeigt: der Bezeichnung der brandenburgischen Landesteile, der aus der slawischen Burgwardverfassung heraus entwickelten Vogtei, der Feudalisierung von Grundeigentum, Regalrechten und Abgaben, den Grenzkriegen zu Lasten der betroffenen Bevölkerung. Neben den dynastieunabhängigen Entwicklungen gibt es auch Vorgänge, die sich mit jedem Dynastiewechsel wiederholten. Als Beispiel wird der personale Wandel in der Hofhaltung und in der Landesverwaltung dargestellt.
If one reflects on Brandenburg’s regional history from the modern historical point of view today, one has to consider long-term historical developments that are not dependent on decisive points in the execution von sovereign power like the change of dynasties, what has not been done in the Brandenburg historiography until now. This is shown by the following exemples: the naming of the regions of Brandenburg, the “Vogteien” developed from the Slavonic constitution of the “Burgwarde”, the progressing feudalisation of property, regal rights and contributions, the wars resulting from different border disputes which were detrimental to the people of the region. However, one must mention developments that recur at every change of dynasties like the exchange of the staff at the court and administration.

H. Assing
Die Herausbildung einer brandenburgischen Landesstimme als entscheidende Voraussetzung der späteren markgräflichen Zugehörigkeit zum Kurkolleg
S. 400–420

Die Arbeit bemüht sich um den Nachweis, dass die Herausbildung einer brandenburgischen Landesstimme die entscheidende Voraussetzung für die Zugehörigkeit des Markgrafen zum Kurkolleg war, dass dieser Prozess aber gegenüber den anderen späteren kurfürstlichen Territorien mit Zeitverzug begann, geschuldet einem erst zwischen 1230 und 1250 deutlich einsetzenden wirtschaftlichen und politischen Erstarken. Dagegenstehende Äußerungen in einigen Quellen wie dem Sachsenspiegel müssen als interpoliert gelten.
The essay endeavours to demonstrate that the formation of a country vote for Brandenburg was the decisive condition for the membership of the Margrave to the Electoral College. In comparison to other later electoral territories, the initiation of the membership process was delayed because significant gains in political and economic power first took hold between 1230 and 1250. Conflicting remarks in some other sources, for example the Sachsenspiegel, must be regarded as interpolation.

H.-D. Heimann
Erinnerungs-Neuland: Markgrafschaft – Bettelordenslandschaft. Zur Bedeutung der brandenburgischen Klosterlandschaft in Anbetracht historischer Jubiläen
S. 421–430

Angesichts der Bedeutung historischer Jubiläen für die Identität politischer Gemeinwesen weist der Beitrag das verbreitete Geschichtsverständnis von der Mark Brandenburg als „Zisterzienserland“ als unzureichend zurück. Die fundamentalen Ergebnisse des „Brandenburgischen Klosterbuchs“ zeigen nahezu 100 im Mittelalter eingerichtete Institutionen religiöser Gemeinschaften. Vielfalt, nicht Einförmigkeit, monastischer Gemeinschaften kennzeichnet die brandenburgische Klosterlandschaft, mit statistischer Überzahl von Frauen- und Bettelordenkonventen in den Städten. Ein Erinnerungs-Neuland mit ganz anderen Jubiläen und Angeboten regionaler Identitäten.
In view of the meaning historical anniversaries have for the identity of political jurisdictions, the article dismisses as inadequate the popular historical notion of Brandenburg as a land of Cistercians. The fundamental results of the “Brandenburger Cloister Book” document nearly 100 medieval religious institutions and indicate variety, not uniformity. Monastic communities characterise Brandenburg’s cloister heritage; the statistical majority of which were convents and monasteries of the Mendicant orders in the towns. Indeed, new territory for remembrance with other festivities.

W. Schich
Die Bedeutung von Brandenburg an der Havel für die mittelalterliche Mark Brandenburg
S. 431–451

Brandenburg, die Hauptburg des Havellandes, deren slawischer Name nicht überliefert ist, galt seit ottonischer Zeit im Reich als Königsburg und Bischofssitz im sächsischen Markenland, auch als sie nach dem Slawenaufstand von 983 faktisch wieder eine Fürstenburg im heidnischen Slawenland war. 1157 setzte sich der Markgraf der Nordmark, Albrecht der Bär, endgültig in den Besitz der Burg, die ihm der letzte, 1150 gestorbene slawische Fürst, Pribi-slaw-Heinrich, als Erbe hinterlassen hatte. Alb-recht nannte sich nach der „Königsburg“ und machte sie zum Ausgangspunkt seiner neuen Landesherrschaft auf slawischem Boden. Die Brandenburg galt den askanischen Markgrafen als „Haupt“ ihrer Mark. Weil sie wegen der Ansprüche des Königs über die suburbane Stadt Parduin (Altstadt) nicht verfügen konnten, gründeten die Markgrafen vor 1196 die Neustadt Brandenburg, bevor sie dann auch die Herrschaft über die Altstadt gewannen. Beide Städte übernahmen die Funktion des Rechtsvorortes für die weiteren markgräflichen Städte, über die das Land erfasst wurde. Als ideeller Herrschaftsmittelpunkt trat die Doppelstadt, voran die Neustadt, die Nachfolge der Burg an. Alt- und Neustadt vermittelten dann 1324 dem neuen, wittelsbachischen Herrschergeschlecht die Tradition von Brandenburg als Haupt der Mark, in dem nicht nur die Herrschaft im Land wurzelte, sondern über das auch die Verbindung zum Königtum und zur Teilhabe am Reich in Gestalt des Erzkämmereramtes und der Kurwürde hergestellt wurde.
Brandenburg, the main castle of the Havelland – the Slavic name is not passed on – was considered as king’s castle and as bishop’s see in the Saxon Marches of the empire since ottonic time, also as – after the Slavs‘ uprising of 983 – it actually became a sovereign’s castle in the pagan country again. In 1157 the Margrave of the Northern March, Albrecht the bear, finally took possession of the castle that was passed on to him by the Slavic sovereign Pribislaw-Heinrich, who died in 1150. Albrecht named himself after the „king’s castle“ and used it as the initial point of his new sovereignty on Slavic ground. The Ascanian Margraves considered Brandenburg as “head” of their marches. As these Margraves could not have the suburbane city of Parduin (“Altstadt”) at their disposal due to the requirements of the king, they founded “Neustadt” Brandenburg prior to 1196, before they then gained leadership about the “Altstadt” as well. Both towns took over the function of a “Rechtsvorort” for the other margravian towns by which the country was took hold of. As a conceptual centre of sovereignty the double town, at the head “Neustadt”, succeeded the castle. In 1324 “Altstadt”and “Neustadt” conveyed to the new imperious Wittelsbach-dynasty the tradition of Brandenburg as a head of the Mark Brandenburg. It was not only the sovereignty which was rooted in the country – it also established the connection with the monarchy and the participating in the empire in the form of the arch chamberlain’s office and the right to be elector.

Ortsregister
S. 453–455