Die Knochen zerbrochen

Skelett eines Geräderten aus Groß Pankow,
Prignitz

Groß Pankow. Mit zerbrochenen Knochen liegt der Tote gekrümmt im Grab Foto: E. Kirsch
Biegefraktur mit typischem Biegekeil Foto: B. Jungklaus

Auf' Rad geflochten

Erstmals vollständiges Skelett eines Geräderten nachgewiesen

Schon die ungewöhnliche Totenhaltung fiel bei der Grabung auf. Noch dazu kam das vermutlich frühneuzeitliche Skelett unerwartet in einem spätbronzezeitlichen Speicherareal zum Vorschein. Es lag vor Groß Pankow in der Prignitz, nahe der Bundesstraße 189, die dem Verlauf einer alten Heerstraße folgt. Alle Extremitätenknochen waren zerbrochen sowie Teile des Gesichts- vom Hirnschädel abgetrennt. Grund genug für eine anthropologische und traumatologische Untersuchung. Wie sich zeigte, waren die Langknochen des etwa 35-39 Jahre alten Mannes durch Biegefrakturen geborsten, ein typischer Biegekeil hatte sich ausgebildet. Solche Brüche entstehen bei massiver, einseitiger Krafteinwirkung, z. B. mit stumpfer Gewalt.

Ganz offenbar starb also der Mann bei einer Hinrichtung durch das Rad. Hierbei werden dem Delinquenten mit einem schweren Wagenrad Arme und Beine gebrochen. Anschließend flicht man ihn mit den zerschlagenen Gliedmaßen auf das Rad, das dann an einem Pfahl aufgerichtet wird. Dort verbleibt der Verurteilte, bis sein Leichnam zerfällt.

Vollständige Skelette derartig Gerichteter gelten als Seltenheit. Der Fund aus Groß Pankow kann als bisher erster und einziger archäologisch-anthropologischer Nachweis einer Hinrichtung durch Rädern im deutschsprachigen Raum gelten.

B. Jungklaus, E. Kirsch