Neolithisches Gold

Neolithisches Gold
Wustermark, Lkr. Havelland

Beigaben einer außergewöhnlichen neolithischen Dreifachbestattung: Goldringe, Armschutzplatte und Pfeilspitzen (Foto: D. Sommer, BLDAM)

Neolithisches Gold

Exzeptioneller Befund beim Brückenbau in Wustermark, Lkr. Havelland

Goldringe im neolithischen Grab sind ein außergewöhnliches Ereignis. Gleich sechsfach kamen sie unlängst in Wustermark, Lkr. Havelland, ans Tageslicht, sie gelten als erster Fund ihrer Art östlich der Elbe. Das Gold gehörte zu einer Dreifachbestattung, bei der die Toten mit angewinkelten Beinen direkt übereinander lagen, die Köpfe nach Süden, den Blick ostwärts gerichtet. Die jeweils im Kopfbereich aufgefundenen Ringe haben Durchmesser zwischen 1,1 und 2,2 cm. Sie bestehen aus vorwiegend rundstabigem Golddraht von 1 bis 1,5 mm Stärke. Auf halber Länge ist er leicht abgeflacht, schließlich ringförmig gebogen und an den offenen Enden zur endgültigen Form gedreht.

Mit drei Ringen in der Mitte der Stirn fiel besonders die zuunterst gelegene Bestattung auf, der zudem noch eine bereits inkomplette, jedoch gebrauchsfähige Armschutzplatte beigegeben war. Das aus rötlichem Stein gefertigte Exemplar weist an der 4 cm breiten Schmalseite zwei konische Bohrungen auf, die gegenüberliegenden fehlen. Zwei von fünf vorhandenen flächig retuschierten Silexspitzen befanden sich direkt an der Armschutzplatte, die weiteren im Kniebereich.

Sechs becherartige Gefäße, darunter mindestens zwei Glockenbecher, komplettieren die Beigaben. Schlecht erhalten, z.T. stark zerdrückt, zeigen sie bis zu acht waagerechte Schnureindrücke. Auch horizontale und senkrechte Ritzlinien kommen vor, die möglicherweise reduzierte metopenartige Muster bilden.

Nach den Beigaben, wie der in Brandenburg seltenen Armschutzplatte und den Gefäßformen, ist der Befund wohl der Glockenbecherkultur zuzuweisen. Zur Armschutzplatte liegt von einem benachbarten Fundplatz ein vergleichbares Exemplar vor. Auch die spätneolithische Gefäßverzierung sichert die zeitliche Einordnung weitgehend ab. Allerdings hebt sich das Grab durch die goldenen Ringe auch überregional deutlich aus dem üblichen Grabbestand dieser Kultur hervor. Daher bleiben für eine genaue Datierung und Auswertung die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Analysen abzuwarten.

Silke Schwarzländer